Am internationalen Tag gegen Polizeigewalt erinnern wir an die vielen Menschen, die durch staatliche Gewalt ihr Leben verloren haben. Für unsere Familie bleibt dieser Tag untrennbar mit dem Gedenken an meinen Bruder Oury Jalloh und dem fortdauernden Kampf um Wahrheit und Gerechtigkeit verbunden.
Fast 20 Jahre sind vergangen, seit mein Bruder Oury Jalloh am 7. Januar 2005 in Dessau rechtswidrig festgenommen wurde. Er wurde in Polizeigewahrsam gebracht, in Zelle Nr. 5 auf eine feuerfeste Matratze gefesselt und verbrannte dort bis zur Unkenntlichkeit. Er hatte kein Kohlenmonoxid in seinem Blut und keine erhöhten Stresshormonwerte in seinem Urin. Jahre später wurden zudem schwere Verletzungen festgestellt – darunter Rippenbrüche sowie ein Schädelbasis- und Nasenbeinbruch –, die laut unabhängigen Gutachten bereits vor seinem Tod entstanden sein sollen.
Seit 2005 reise ich zwischen Guinea und Deutschland hin und her und vertrete die Familie Diallo in allen rechtlichen und damit verbundenen Verfahren. Im Laufe der Jahre haben wir zahlreiche Gutachten, Ermittlungen, Gerichtsverfahren und eingestellte Strafanzeigen durchlaufen. Trotz dieses langen Weges und trotz klarer Hinweise und Beweise ist uns Gerechtigkeit bis heute verweigert worden.
Durch die Oury Jalloh Family Campaign organisieren wir Demonstrationen und Gedenkveranstaltungen, leisten Erinnerungsarbeit, Bildungsarbeit und öffentliche Aufklärung. Wir stehen im Austausch mit anderen betroffenen Familien und bauen Solidaritätsnetzwerke auf. Für uns ist klar: Familien müssen im Zentrum dieser Kämpfe stehen.
Unsere Arbeit ist auch transnational. Die Folgen von Ourys Tod reichen bis zu unseren Familien und Gemeinschaften in Guinea und Sierra Leone. Kinder fragen noch immer, was mit ihrem Onkel geschehen ist. Heilung und Aufarbeitung bleiben ein wichtiger Teil dieses langen Weges. Wir warten nun auf eine Entscheidung auf europäischer Ebene, nachdem wir den Fall vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gebracht haben. Dort geht es um schwerwiegende Fragen von Folter und grundlegenden Menschenrechtsverletzungen.
Unsere Forderungen sind klar:
Eine offizielle öffentliche Anerkennung der Verantwortung
Ein Bleiberecht für direkt betroffene Angehörige in Deutschland
Zugang zu unabhängiger psychologischer und traumasensibler Beratung nach eigener Wahl
Eine dauerhafte Gedenktafel oder ein Denkmal
Reparationen
Der deutsche Staat muss Verantwortung für den Tod von Oury Jalloh und für andere Fälle tödlicher Gewalt übernehmen
Um diese Arbeit fortzuführen, sammeln wir derzeit Spenden. Wir bauen eine unabhängige Website und ein öffentlich zugängliches digitales Archiv zum Fall Oury Jalloh auf, damit wichtige Dokumente dauerhaft gesichert und für die Familie sowie für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben.
Wir freuen uns über jede Unterstützung von Expertinnen und Experten, Freiwilligen und Unterstützerinnen und Unterstützern, die ihr Wissen, ihre Fähigkeiten und ihre Solidarität einbringen möchten.
Der Kampf für Würde, Erinnerung und Gerechtigkeit geht weiter.
Der Tod meines Bruders wird nicht umsonst gewesen sein.
Teilt diese Nachricht und steht mit uns im Kampf für Gerechtigkeit.
#OuryJalloh, das war MORD
#JusticeForOuryJalloh
#OuryJallohFamilyCampaign
