15. März: Ein Statement der Oury Jalloh Family Campaign

Am internationalen Tag gegen Polizeigewalt erinnern wir an die vielen Menschen, die durch staatliche Gewalt ihr Leben verloren haben. Für unsere Familie bleibt dieser Tag untrennbar mit dem Gedenken an meinen Bruder Oury Jalloh und dem fortdauernden Kampf um Wahrheit und Gerechtigkeit verbunden.

Fast 20 Jahre sind vergangen, seit mein Bruder Oury Jalloh am 7. Januar 2005 in Dessau rechtswidrig festgenommen wurde. Er wurde in Polizeigewahrsam gebracht, in Zelle Nr. 5 auf eine feuerfeste Matratze gefesselt und verbrannte dort bis zur Unkenntlichkeit. Er hatte kein Kohlenmonoxid in seinem Blut und keine erhöhten Stresshormonwerte in seinem Urin. Jahre später wurden zudem schwere Verletzungen festgestellt – darunter Rippenbrüche sowie ein Schädelbasis- und Nasenbeinbruch –, die laut unabhängigen Gutachten bereits vor seinem Tod entstanden sein sollen.

Seit 2005 reise ich zwischen Guinea und Deutschland hin und her und vertrete die Familie Diallo in allen rechtlichen und damit verbundenen Verfahren. Im Laufe der Jahre haben wir zahlreiche Gutachten, Ermittlungen, Gerichtsverfahren und eingestellte Strafanzeigen durchlaufen. Trotz dieses langen Weges und trotz klarer Hinweise und Beweise ist uns Gerechtigkeit bis heute verweigert worden.

Durch die Oury Jalloh Family Campaign organisieren wir Demonstrationen und Gedenkveranstaltungen, leisten Erinnerungsarbeit, Bildungsarbeit und öffentliche Aufklärung. Wir stehen im Austausch mit anderen betroffenen Familien und bauen Solidaritätsnetzwerke auf. Für uns ist klar: Familien müssen im Zentrum dieser Kämpfe stehen.

    Unsere Arbeit ist auch transnational. Die Folgen von Ourys Tod reichen bis zu unseren Familien und Gemeinschaften in Guinea und Sierra Leone. Kinder fragen noch immer, was mit ihrem Onkel geschehen ist. Heilung und Aufarbeitung bleiben ein wichtiger Teil dieses langen Weges. Wir warten nun auf eine Entscheidung auf europäischer Ebene, nachdem wir den Fall vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gebracht haben. Dort geht es um schwerwiegende Fragen von Folter und grundlegenden Menschenrechtsverletzungen.

    Unsere Forderungen sind klar:

Eine offizielle öffentliche Anerkennung der Verantwortung

Ein Bleiberecht für direkt betroffene Angehörige in Deutschland

Zugang zu unabhängiger psychologischer und traumasensibler Beratung nach eigener Wahl

Eine dauerhafte Gedenktafel oder ein Denkmal

Reparationen

Der deutsche Staat muss Verantwortung für den Tod von Oury Jalloh und für andere Fälle tödlicher Gewalt übernehmen

 Um diese Arbeit fortzuführen, sammeln wir derzeit Spenden. Wir bauen eine unabhängige Website und ein öffentlich zugängliches digitales Archiv zum Fall Oury Jalloh auf, damit wichtige Dokumente dauerhaft gesichert und für die Familie sowie für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben.

Wir freuen uns über jede Unterstützung von Expertinnen und Experten, Freiwilligen und Unterstützerinnen und Unterstützern, die ihr Wissen, ihre Fähigkeiten und ihre Solidarität einbringen möchten.

    Der Kampf für Würde, Erinnerung und Gerechtigkeit geht weiter.

    Der Tod meines Bruders wird nicht umsonst gewesen sein.

    Teilt diese Nachricht und steht mit uns im Kampf für Gerechtigkeit.

#OuryJalloh, das war MORD

#JusticeForOuryJalloh

#OuryJallohFamilyCampaign

Polizeigewalt in Sachsen. Jahresbericht 2025

Titelseite der Broschüre Polizeigewalt in Sachsen. Auf der Seite ist das Inhaltsverzeichnis und im Hintergrund eine Zeichnung von zwei vermummten und behelmten Polizisten

Aus Anlass des Internationalen Tags gegen Polizeigewalt am 15. März veröffentlichen wir als zivilgesellschaftliche Initiative den zweiten unabhängigen Jahresbericht „Polizeigewalt in Sachsen“. Unser Bericht stützt sich ausschließlich auf persönliche Meldungen von Betroffenen und Zeug*innen. Im Bereichtszeitraum 2025 erhielten wir 37 Meldungen, aus denen mindestens 58 von Polizeigewalt betroffene Personen sowie 78 Fälle polizeilichen Fehlverhaltens und illegitimer Polizeigewalt deutlich werden. Die geschilderten Erfahrungen reichen von polizeilicher Ignoranz gegenüber bestimmten Bevölkerungsgruppen hin zu öffentlichen Entwürdigungen, exzessiver körperlicher Gewalt und offensiver Bedrohung von Zeug*innen. Der Schwerpunkt der Meldungen lag in Leipzig, Dresden und Chemnitz.


Den vollständigen Bericht findet Ihr hier: Polizeigewalt in Sachsen 2025.

Redebeitrag auf der Kundgebung gegen Mietenwahnsinn und Verdrängung – für solidarische Nachbar*innenschaften (10.10.2025, Leipzig-West, Jahrtausendfeld)

In unserem Alltag fahren und gehen wir durch Leipzig und sehen Leerstand an jeder Ecke. Gleichzeitig finden unsere Freund*innen keine Wohnung mehr im eigenen Kiez; fast nur noch Familien mit zwei Einkommen können neu nach Leipzig ziehen; der Wunsch nach der Wohnung alleine geht nur für die mit einem sehr gut bezahlten Job auf. Unsere Viertel verändern sich, Wohnen in Innenstadtnähe wird zur Mittel- und Oberschichtenbubble.

Kurz: Auf dem neoliberalen Wohnungsmarkt Optionen zu haben, ist für alle, die nicht reich sind, sau schwerer. Besonders hart trifft es die, die in unserer Gesellschaft sowieso diskriminiert werden: Der ‚falsche‘ Nachname oder der falsche Herkunftsort, das ‚falsche‘ Familien- oder Wohnmodell, das Angewiesensein auf möglichst wenig Barrieren – all das macht es für viele oft unmöglich, sich den eigenen Wohnort aussuchen zu können.

Dieser Mietenwahnsinn, die Verdrängung und Vereinzelung wären ohne die bestehende Polizei deutlich schwerer durchzusetzen.

Zwangsräumungen

Denn das Wohnen im Kapitalismus ist nicht einfach eine Frage des Wohnungsmarktes. Das will ich kurz am Beispiel von Zwangsräumungen verdeutlichen:

Der Wohnungsmarkt alleine räumt keine Besetzung und führt auch keine Zwangsräumungen durch. Die dreckige Handarbeit der kapitalistischen Verdrängung hängt an der Polizei. Sachsen ist in Deutschland ganz vorne mit dabei, was Zwangsräumungen angeht. Neun Zwangsräumungen täglich ist die Bilanz unserer Wohnungspolitik, die allermeisten davon werden vollstreckt auf Grund von Mietschulden – einfach weil sich die Menschen die Miete nicht leisten können oder weil Jobcenter oder Ausländerbehörden die Mieten nicht rechtzeitig überweisen. Und die Zahlen steigen. Waren es 2022 noch 2200 Zwangsräumungen im Jahr, so waren es im Jahr 2024 schon 2700 Zwangsräumungen in Sachsen. Davon alleine 675 in Leipzig. Das heißt: An jedem Wochentag werden in Leipzig zwei Mietparteien gewaltsam aus ihren Wohnungen geräumt!

Manchmal passiert das im Stillen, oft aber ist es die Polizei, die von den Gerichtsvollzieher*innen um Amtshilfe gebeten wird. Und wenn es nur die Drohung ist: Hinter jeder Zwangsräumung steckt die polizeilich abgesicherte Klassengesellschaft. Ein paar anschauliche Beispiele aus der jüngsten Zeit: Diesen Januar wurde in Berlin eine alleinerziehende Mutter mit ihren 7 Kindern zwangsgeräumt. Manche der Kinder lagen mit Fieber im Bett, als die Polizei in der Tür stand. Die Mutter leidet an einer chronischen Organkrankheit. Die Zwangsräumung wurde trotzdem nicht gestoppt. Die Familie hatte noch 20 Minuten, um einige Sachen zu packen, dann wurde das Schloss gewechselt und das Zuhause war verloren.

Ein zweites Beispiel: Im Juli wurde in Leipzig eine Familie zwangsgeräumt, ohne dass ihr überhaupt der Räumungstermin genannt worden war. Plötzlich stand die Polizei vor ihrer Türe. Der Einsatz endete damit, dass der Familienvater eine Platzwunde am Kopf hatte und die Mutter kollabierte. Vier Wochen später entschied ein Gericht, dass die Räumung illegal gewesen war. Aber eine Entschädigung bekam die Familie nicht. Zurück blieben traumatisierte Menschen. Diese Familie hatte einen Flüchtlingsstatus und das machte ihre Situation besonders prekär. Denn für anerkannte Geflüchtete hat die Stadt Leipzig keine Unterbringungspflicht mehr. Sie müssen aus der Unterkunft raus und auf dem ‚freien‘ Wohnungsmarkt etwas finden. Das betrifft rund 3000 der 6000 in Leipziger Unterkünften lebenden Geflüchteten. Doch den wenigsten gelingt das. Die Wohnungsnot steigt.

Gleichzeitig werden Zwangsräumungen brutaler. Man muss nur durch die Schlagzeilen der Presse scrollen, um den Eindruck zu bekommen, dass Zwangsräumungen zu einem polizeilichen Übungsfeld in der urbanen Aufstandsbekämpfung werden, SEK inklusive. Nachbarwohnungen werden vorsorglich evakuiert, ganze Straßenzüge stundenlang abgesperrt, Polizeiroboter und Polizeipanzer aufgefahren, Helikopter überwachen das Umfeld. Dass die Wohnungsfrage eine der Polizeitaktik ist, war nicht immer so. Erst mit dem Anwachsen des städtischen Elends im Kapitalismus des 19. Jahrhunderts wurde die Polizei zu einem Akteur auf dem Wohnungsmarkt. Bis dahin lag es an den Eigentümern selbst, ihre Mieterinnen rauszuschmeißen, was ihnen allerdings wegen Gegenwehr nicht immer gelang. Erst wegen dieses Widerstands wurde die Polizei ermächtigt, dem Kapitalismus unter die Arme zu greifen. Die düsterste Seite des Wohnens in Deutschland liegt natürlich in der Nacht des Faschismus. Juden und Jüdinnen wurde der Mietschutz entzogen, sie konnten jederzeit ihre Wohnung verlieren und waren verpflichtet bei jüdischen Eigentümern einzuziehen. Diese völlig überfüllten Häuser erleichterten später ihre Gefangennahme und Deportation in den Massenmord.

Widerstand

Es ginge auch anders, besser. In den 1920er Jahren räumte der Staat Wohnungen nur, wenn Ersatzwohnraum zur Verfügung stand. In der DDR konnten Wohnungseigentümer ihre Mieter*innen gar nicht selbst kündigen, sondern waren dafür auf Gerichte angewiesen, was die Sache deutlich komplizierter machte. Dies war auch das geschichtliche Ergebnis von heftigen Protesten und Mieter*innenaufständen. Denn seit es Wohnungsnot und Zwangsräumungen gibt, gibt es Widerstand dagegen.

Eine neue Bewegung gegen Zwangsräumungen bildete sich 2012, als die Kreuzbergerin Nuriye Cengiz einen Zettel an das Fenster ihrer Erdgeschosswohnung klebte, auf dem Stand: „Ich, Rentnerin im Rollstuhl, soll raus und will nicht!“ Es gründete sich das Bündnis gegen Zwangsräumungen und es kam zu spektakulären Blockadeversuchen, gebrochen nur duch massive Polizeigewalt.

Wir kennen auch andere Formen des Widerstands gegen Leerstand, Gentrifizierung und Verdrängung: nämlich Besetzungen. Auch hier zeigt sich die Polizei als eigenständiger Akteur unserer Klassengesellschaft. Denn die Polizei räumt Hausbesetzungen oft aus eigenem Antrieb und meint, damit eine sogenannte „Störung der öffentlichen Sicherheit“ zu verhindern. Aber unsere Sicherheit sind nicht jahrzehntelanger Leerstand und Wohnraum als Anlage- und Profitobjekt von Immobilienfirmen. Wir sagen: Leerstand ist eine Störung der öffentlichen Sicherheit! Verdrängung und Wohnungsspekulation sind Störungen der öffentlichen Sicherheit!

Was öffentliche Sicherheit ist und was eine Gefahr dafür, sind politische Fragen. Rechtlich gesehen, darf die Polizei beispielsweise Wohnungen beschlagnahmen, um der akuten Gefahr von Obdachlosigkeit entgegenzutreten – das ist ausdrücklich so geregelt. Davon hören und lesen wir allerdings nichts. Mit dem gleichen Recht, mit dem die Polizei für hohe Kosten Besetzungen räumt, könnte sie also auch Wohnraum zur Verfügung stellen. Das tut sie nicht. Denn in antilinker Tradition geht es ihr nicht um eine gute Ordnung für alle, sondern um die kapitalistische Ordnung. Es geht ihr nicht um die materielle Sicherheit aller Menschen, sondern um die Sicherheit von Privateigentum und Profit. Wie dumm das ist, merken Polizist*innen leider erst dann, wenn es für sie selbst zu spät ist und sie oder ihre Kinder sich keine Wohnungen mehr in Leipzig leisten können werden.

Wir wollen eine Gesellschaft, in der es allen Menschen mit Sicherheit gut geht. Wir wollen die Sicherheit eines Dachs über dem Kopf, wir wollen die Sicherheit langjähriger Nachbarschaften und die Sicherheit dort wohnen zu können, wo wir uns zuhause fühlen. Öffentliche Sicherheit heißt Wohnraum für Alle! Unsere Gefahr sind Wuchermieten, Leerstand und Wohnraum als Profitgeschäft!

Wir wissen, dass die Polizei uns bei der Herstellung dieser Sicherheit keine Hilfe sein wird. Im Gegenteil. Wer sich um die Sicherheit aller kümmert, kommt schnell mit der Polizei in Konflikt.

Meldet Euch bei uns, falls Ihr Stress mit der Polizei habt. Schreibt uns Berichte und Erfahrungen von Polizeigewalt, ihr könnt das anonym und verschlüsselt über unsere Homepage tun. Wir dokumentieren Polizeigewalt und wir beraten und unterstützen Betroffene.

Für solidarische Nachbar*innenschaften!

Polizeigewalt in Sachsen – Bericht 2023 und 2024

Zum Internationalen Tag gegen Polizeigewalt am 15. März veröffentlichen wir den ersten unabhängigen Bericht “Polizeigewalt in Sachsen”. Darin werden sachsenweit 71 Fälle polizeilichen Fehlverhaltens aus den Jahren 2023 und 2024 dokumentiert. Die Vorwürfe reichen von rassistischen Personenkontrollen über diskriminierende Beleidigungen bis hin zu schwerer körperlicher Gewalt.

Den vollständigen Bericht gibt es hier zum Download.

Infoblatt zu kostenloser rechtlicher Beratung und Unterstützung

In Deutschland können Menschen ohne oder mit geringem Einkommen Beratungs- und Prozesskostenhilfe bekommen. Sie können sich damit kostenlos anwaltlich beraten und vertreten lassen. Die Anwält:innen bekommen dann die gesetzliche Mindestvergütung vom Staat bezahlt. Meist hängt die Gewährung der Hilfe von den Erfolgsaussichten ab. Insbesondere Menschen, die Sozialhilfe, Bürgergeld, Arbeitslosengeld, Asylbewerberleistungen oder Bafög bekommen, sollten die Unterstützung nutzen.

Wir haben ein Infoblatt dazu gemacht. Was kommt wann in Frage? Wie wird die Hilfe beantragt? Was sind die Risiken?

Bei Unklarheiten oder weiteren Fragen meldet Euch per Kontaktformular oder Email.

Deutsch

En Alemania, las personas sin ingresos o con ingresos bajos pueden recibir asesoramiento y asistencia jurídica gratuita (Beratungs- und Prozesskostenhilfe). Esto le permite ser asesorado y representado gratuitamente por un abogado. El Estado paga a l@s abogad@s los honorarios mínimos legales. En la mayoría de los casos, la concesión de la asistencia depende de las perspectivas de éxito. En particular, las personas que reciben asistencia social, subsidio de ciudadanía, subsidio de desempleo, subsidio de solicitante de asilo deben aprovechar esta ayuda.

Hemos elaborado una hoja informativa al respecto. ¿Qué es subvencionable y cuándo? ¿Cómo se solicita la ayuda? ¿Cuáles son los riesgos?

Redebeitrag zum 13.12.22

Dieses Jahr wurden 10 Menschen durch Polizeischüsse ermordet. Einer davon war der 16-jährige Mohammed, der am 08. August in Dortmund mit 6 Schüssen hingerichtet wurde. Dabei sorgten 5 Bullen unter Einsatz von Pfefferspray, Maschinenpistole und Taser dafür, dass der unbegleitete Geflüchtete heute nicht mehr am Leben ist. Dieser schreckliche Mord zeigte einmal wieder das gewaltsame und rassistische Gesicht der Polizei.

Und es ist wichtig, dass wir diese grausamen Taten an uns heranlassen, damit uns klar bleibt, was klar ist: Dass diese verdammte, mörderische Schlägerbande abgeschafft und aufgelöst werden muss. Und es muss sofort damit angefangen werden, nicht demnächst oder irgendwann in der Zukunft. Denn die Polizei rüstet massiv auf und Polizeigesetze geben ihr immer mehr Befugnisse.

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Abolish Frontex!


*English below*

Redebeitrag zur #unverhandelbar Demo der Seebrücke in Dresden am 7.8.21
Speech at the #unverhandelbar demonstration of the Seebrücke in Dresden on 7.8.21

Hallo Leute,
danke für die Organisation des heutigen Tages. Wir sind von Copwatch Leipzig und möchten diese Veranstaltung nutzen, um über die Beteiligung der deutschen Polizei am mörderischen Grenzregime der EU zu sprechen.

Die Polizei gibt sich diskriminierend, rassistisch und straflustig – vor allem in migrantisch- proletarisch geprägten Vierteln in ganz Deutschland. Immer wieder sterben Schwarze, People of Color und rassifizierte Menschen in Polizeigewahrsam. Immer wieder schieben deutsche Polizist:innen Menschen ab, obwohl ihnen Verfolgung, Gewalt und der Tod drohen. Und kaum ein Tag vergeht, ohne dass rechte und neonazistische Strukturen in Polizeichatgruppen durch die Recherche mutiger Journalist:innen aufgedeckt werden.

Aber nicht nur nach innen, auch nach außen ist rassistische Polizeigewalt an der Tagesordnung. An den EU-Außengrenzen ist sie ein fester Bestandteil der migrationsfeindlichen Abschottungspolitik der Europäischen Union. So wurden zuletzt im März 2020 die Geflüchteten Muhammad Al-arab und Muhammad Gulzar bei dem Versuch erschossen, die griechisch- türkische Grenze zu überqueren – mutmaßlich von griechischen Grenzpolizisten. Sowohl die griechische Regierung als auch Institutionen der EU und die Bundesregierung schweigen bis heute zu diesem Vorfall. In dieser Zeit setzte der türkische Diktator Erdogan Geflüchtete als Druckmittel auf die EU ein und erklärte die griechische Grenze für kurze Zeit für geöffnet. Die EU reagiert sofort und mit aller Härte. Anstatt ihren Ansprüchen an Demokratie und Menschenrechte gerecht zu werden, wurde Griechenland im EU-Parlament mit Lob überschüttet und kurz darauf in der Europäischen Kommission zum „Schutzschild Europas“ erklärt.

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Die Evaluation der Waffenverbotszone in Leipzig & was die Sicherheitsbehörden daraus schlussfolgern

Ein Gastbeitrag von Florian Krahmer, Politikwissenschaftler und Gewinner der Klage gegen das „Verbot des Mitführens gefährlicher Gegenstände“ im Rahmen der Waffenverbotszonenverordnung am OVG Bautzen.

Die Kritik, die wir bereits vor der Studie an deren Konzeption geübt haben, findet ihr hier: https://copwatchleipzig.home.blog/evaluation-der-wvz/evaluation-der-waffenverbotszone-kritik-an-der-studie/. Ein Kommentar von uns zum „Bürgerdialog“ zur WVZ-Evaluation am 19.07.21 mit Ordnungsbürgermeister, Polizeipräsident Leipzig und den 2 verantwortlichen Wissenschaftlern folgt.

Inhalt

1. Vorbemerkung

2. Eine Evaluation die Keine ist

3. Was hat die Evaluation evaluiert?

4. Bewusst ausgenutzt Interpretationsspielräume

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