Die faktische Abschaffung der Waffenverbotszone

#WVZabschießen Die Leipziger Waffenverbotszone ist faktisch abgeschafft! #SozialeSicherheitstärken

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Auf der Pressekonferenz1 am 9.6.21 verkündete der sächsische Innenminister, dass die Waffenverbotszone auf der Leipziger Eisenbahnstraße bald „überwunden“ werden soll. Der Leipziger Polizeipräsident ergänzte, dass die Polizei daher ihre Kontrollpraxis bezüglich dem Mitführen von Waffen ebenso anpassen werde, wie sie es schon nach dem Urteil des OVG Bautzen vom 24.3.21 getan hätten. Dieses hatte die Verordnung über das Verbot zum Mitführen von gefährlichen Gegenständen für rechtswidrig erklärt.

Ein Erfolg der sozialen Bewegung

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Abolish The Police

*English below*

Abolitionismus in Deutschland

Die Forderung nach der Abschaffung der Polizei wurde zum ersten mal von der US-amerikanischen Black-Power-Bewegung formuliert. Dabei ging es in erster Linie um die Abschaffung der Sklaverei. Doch zu deren Durchsetzung war immer ein Strafsystem notwendig, dessen wohl wichtigster Teil die sog. slave patrols waren. Diese patrouillierenden Weißen waren dafür zuständig, auf der Flucht befindliche Sklaven wieder einzufangen, sie zu bestrafen oder zu töten, wenn sie Verfehlungen begangen haben. Diese slave patrols sind der direkte Vorgänger der heutigen modernen Polizei. Daraus wird abgeleitet, dass die Polizei, die vor allem dem Schutz von Eigentum und Nationalstaat verschrieben ist, aus ihrer Aufgabe und Struktur heraus rassistisch ist und auch nach jeder möglichen Reform bleiben wird. Die Polizei im Kapitalismus, mit ihrer spezifischen Entstehungsgeschichte wird rassistische Verhältnisse daher immer stabilisieren, sodass ihre Abschaffung allein einen Ausweg aus der Ungleichheit hin zu einer gerechteren Gesellschaft bietet.

Der Abolitionismus ist in Deutschland erst nach den weltweiten Protesten nach der Ermordung von George Floyd im Juni 2020 zu einer ernsthaften Forderung erstarkt. Die Forderung nach Herstellung von Sicherheit und Gerechtigkeit abseits von Polizei und Gefängnissen war davor zwar als Idee bekannt und wurde auch von einigen linksradikalen Gruppen vertreten. Doch in der gesellschaftlichen Diskussion spielte er keine Rolle. Das mehrheitlich ungebrochene Vertrauen und die zentrale Stellung der Polizei in der Bundesrepublik Deutschland hat unserer Einschätzung nach eine historische sowie kulturelle Ursache.

In Deutschland hat sich die moderne Polizei zum einen aus den Erfahrungen der oben beschriebenen slave patrols, die insbesondere auch in den deutschen Kolonien in Afrika erprobt wurden, entwickelt. Aber auch die Londoner City Police, die im 19. Jahrhundert zur Bestrafung von Armuts- bzw. Elendskriminalität in der von Industrialisierung und Kapitalisierung gebeutelten Stadt geschaffen wurde, ist ein wichtiger Legitimationsstrang. In der Zeit des Kaiserreichs und der Weimarer Republik wurde die Polizei unter militärischem Vorzeichen formalisiert. Die Strukturprinzipien der Polizei, Rassismus, Klassismus, Militär und folglich auch Antikommunismus, wurden unter den Nationalsozialisten zu einer allumfassenden Organisation zur Verwaltung der Gesellschaft pervertiert, die auch zuständig für die Shoa war. Die Aufspaltung der Bevölkerung in “gute” und “schlechte”, also zu Beschützende und Auszugrenzende, zu Bestrafende oder zu Vernichtende, ist ein wichtiger Bestandteil polizeilicher Arbeit, der sich – wenn auch nicht in dieser unvergleichlichen Intensität – bis heute fortsetzt. Nach dem Sieg über den Nationalsozialismus wurde es geschafft, die „Freund und Helfer“-Erzählung, die insbesondere von Heinrich Himmler zum Leitspruch der deutschen Polizei erhoben wurde, in der Bundesrepublik und der DDR weiterhin glaubhaft aufrecht zu erhalten. Die einzige Änderung war, dass Polizei, Militär und Geheimdienste organisatorisch voneinander getrennt wurden, um die Allmacht der sog. Sicherheitsorgane zu brechen. Das von der Zustimmungsdiktatur profitierende Tätervolk nahm dies trotz der unsäglichen Erfahrung mit SA, SS und Gestapo dankbar und konsequenzenlos auf. So wurde die Rolle der Polizei bei dem größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte weder kritisch reflektiert, noch wurden die Voraussetzungen entzogen, dass sich die Geschichte wiederhole.

Der autoritäre Charakter der deutschen Gesellschaft, die neoliberal-kapitalistische Ideologie und das Vertrauen in die sog. Sicherheitsorgane, weil sie mehrheitlich von der differentiellen Ungleichheit profitieren, führ(t)en dazu, dass sich abolitionistische Forderungen in Deutschland bisher nicht so stark verbreiten konnten. Stattdessen wird von politisch Verantwortlichen entgegen aller Beweise weiterhin verlauten lassen, dass es keine Polizeigewalt bei G20 gegeben habe, dass es keine rechtsterroristischen Netzwerke sondern nur „Einzeltäter“ gebe oder dass es kein racial profiling gebe, weil es ja verboten sei. So sind nicht mal die kleinsten Reformen zu mehr Kontrolle und Reflexion möglich, die in anderen demokratischen Staaten selbstverständlich sind.

Doch die Zeit der unhinterfragten Macht der Polizei ist in Deutschland nun auch vorbei. Schon seit einigen Jahren gibt es vermehrt Kritik und damit einhergehenden Reformforderungen wegen diesem unerträglichen status quo. Doch nun geht es tatsächlich an die Substanz. Es gibt immer mehr Diskussionsveranstaltungen, Kongresse, Bücher, wissenschaftliche Auseinandersetzungen und politische Aktionen, die die Abschaffung der Polizei und einen anderen Umgang mit gesellschaftlichen und interpersonalen Konflikten fordern. Dabei geht es auch um ein anderes Verständnis von Sicherheit, welches – anders als das bisherige polizeiliche Verständnis – nicht nur die Abwesenheit von “Kriminalität” sondern vor allem eine soziale Sicherheit bezüglich materieller Absicherung, Schutz vor diskriminierender Gewalt und gesundheitliche Perspektiven in den Mittelpunkt stellt. Zahlreiche zivilgesellschaftliche Gruppen und Wissenschaftler*innen fordern mittlerweile die Abschaffung der Polizei. An großen Organisationen, wie auch Gewerkschaften oder Parteien, ist dies noch nicht zu beobachten und auch nicht zu erwarten. Sofern überhaupt #Polizeiprobleme erkannt werden, wird sich lieber darauf bezogen, die Polizei durch Reformen „besser“ machen zu wollen, da eine Gesellschaft ohne Polizei einfach (noch) nicht vorstellbar ist.

Doch gerade die Erfahrungen von biPoC und jungen Aktivist*innen von Polizeigewalt oder ungerechtfertigter Repression sowie die immer offensichtlicheren strukturellen Probleme der Polizei hinsichtlich undemokratischen und rechten Tendenzen und Skandalen könnten hier ein Katalysator für eine breitere Rezeption des Abolitionismus sein. Dies wird jedoch nur gelingen, wenn die Rolle der Polizei als Herstellerin der Ungleichheit des Kapitalismus entlang diskriminierender Kategorien verstanden und somit intersektional kritisiert wird.

Abolitionism in Germany

The demand for the abolition of the police was first formulated by the U.S. Black Power movement. This was primarily about the abolition of slavery. But to enforce this, a system of punishment was always necessary, of which the so-called slave patrols were probably the most important part. These patrolling whites were responsible for recapturing slaves who were on the run, punishing them or killing them if they committed transgressions. These slave patrols are the direct predecessor of today’s modern police. It is inferred that the police, dedicated primarily to the protection of property and the nation-state, are racist by their very mission and structure, and will remain so after any possible reform. The police under capitalism, with its specific history of formation, will therefore always stabilize racist relations, so that its abolition alone offers a way out of inequality toward a more just society.

Abolitionism only became a serious demand in Germany after the worldwide protests following the murder of George Floyd in June 2020. The demand for the establishment of security and justice away from police and prisons was known as an idea before that and was also advocated by some radical left groups. But it played no role in the social discussion. The majority’s unbroken trust in and central position of the police in the Federal Republic of Germany has, in our estimation, a historical as well as a cultural cause.

In Germany, the modern police developed, on the one hand, from the experience of the slave patrols described above, which were also tried out in particular in the German colonies in Africa. But also the London City Police, which was created in the 19th century to punish poverty or misery-related crime in the city, which was buffeted by industrialization and capitalization, is an important strand of legitimacy. During the Empire and the Weimar Republic, the police were formalized under military auspices. The structural principles of the police, racism, classism, militarism, and consequently anti-communism, were perverted under the National Socialists into an all-encompassing organization for the administration of society, which was also responsible for the Shoa. The division of the population into “good” and “bad,” i.e., those to be protected and those to be excluded, those to be punished or those to be destroyed, is an important component of police work that continues to this day, although not with such unparalleled intensity. After the victory over National Socialism, the “friend and helper” narrative, which was elevated to the guiding principle of the German police, especially by Heinrich Himmler, continued to be credibly maintained in the Federal Republic and the GDR. The only change was that the police, military and secret services were organizationally separated from each other in order to break the omnipotence of the so-called security organs. The perpetrator people, who profited from the dictatorship of consent, accepted this gratefully and without consequence, despite their unspeakable experience with the SA, SS and Gestapo. Thus, the role of the police in the greatest crime in human history was not critically reflected upon, nor were the conditions removed for history to repeat itself.

The authoritarian character of German society, the neo-liberal-capitalist ideology and the trust in the so-called security organs, because the majority of them profit from the differential inequality, lead(ed) to the fact that abolitionist demands could not spread so strongly in Germany so far. Instead, those in positions of political responsibility continue to proclaim, against all evidence, that there was no police violence at G20, that there are no right-wing terrorist networks but only “individual perpetrators,” or that there is no racial profiling because it is forbidden. Thus, not even the smallest reforms towards more control and reflection are possible, which are a matter of course in other democratic states.

But the time of the unquestioned power of the police is now also over in Germany. For several years now, there has been increasing criticism and accompanying calls for reform because of this intolerable status quo. But now it is really getting down to the substance. There are more and more discussion events, congresses, books, scientific debates and political actions demanding the abolition of the police and a different way of dealing with social and interpersonal conflicts. This also involves a different understanding of security, which – unlike the previous police understanding – focuses not only on the absence of “crime” but above all on social security in terms of material security, protection from discriminatory violence and health prospects. Numerous civil society groups and academics are now calling for the abolition of the police. This has not yet been observed in large organizations, such as trade unions or political parties, nor is it to be expected. If any #police problems are recognized at all, people prefer to refer to wanting to make the police “better” through reforms, since a society without police is simply not (yet) conceivable.

But it is precisely the experiences of biPoC and young activists of police violence or unjustified repression, as well as the increasingly obvious structural problems of the police in terms of undemocratic and right-wing tendencies and scandals, that could be a catalyst for a broader reception of abolitionism here. However, this will only succeed if the role of the police as producers of capitalism’s inequality along discriminatory categories is understood and thus critiqued intersectionally.

Ein Konzept zur Abschaffung der Polizei in Deutschland

*English below* Concept to abolish the police in Germany



Zuerst vorgestellt in der Veranstaltung: „hier und jetzt: Solidarität statt Polizei“ am 23.04.21

Ein Konzept zur Abschaffung der Polizei in Deutschland
von Copwatch Leipzig im Juni 2022
Deutsche Version 2.0 (Geringfügige Ergänzungen bzw. Konkretisierungen; Aktualisierung der Zahlen)



Inhalt:

  1. Ressourcen und Mittel der Polizei Sachsen
  2. Was für Aufgaben hat die Polizei? Welche Kriminalität gibt es in Sachsen?
  3. Andere Organisationen für Unterstützungsbedarfe
  4. Diskussionsvorschlag: ein Konzept zur Abschaffung der Polizei

    Alle Internetquellen wurden zuletzt am 22.06.2022 aufgerufen.

English

Concept to abolish the police in Germany

by Copwatch Leipzig in April 2021
English version 1.0 (2.0 version is to be uploaded soon)



Content:

First presented in the event: “here and now: solidarity instead of police” on 23.04.21.

  1. Resources and means of the police of Saxony
  2. What are the tasks of the police? What crime is there in Saxony?
  3. Other organizations for support needs
  4. Discussion proposal: a concept for the abolition of the police

    All Internet resources were last accessed on 23.04.2021.

Wie schreibe ich ein Gedächtnisprotokoll?

ENGLISH BELOW

1. Grundsätzliches

Wir dokumentieren Vorfälle von rechtswidrigen und gewaltvollen polizeilichen Maßnahmen der sächsischen Polizei mit Schwerpunkt in Leipzig. Das betrifft insbesondere auch diskriminierende Aussagen und Kontrollen sowie sonstiges unprofessionelles, wie zum Beispiel grundlos aggressives und beleidigendes, Verhalten.

Eine Beschreibung des Vorfalls, ein sogenanntes Gedächtnisprotokoll, kannst du uns an copwatchleipzig@riseup.net schicken. Zur Orientierung findest du hier einen kleinen Leitfaden.

Am allerliebsten ist uns, wenn du uns eine verschlüsselte Mail1 schreibst, da dies deine und unsere Sicherheit enorm erhöht. Den benötigten Schlüssel dazu findest du auf unserem Blog: https://copwatchleipzig.org/contact/

!!! WICHTIG !!!

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Veranstaltungen: “hier und jetzt: Solidarität statt Polizei”

English below 

23.04.2021 18.30:

Einführung zu Abolish The Police! (online)
Inputs und Podiumsdiskussion

22.05.2021 18.30:

Leipzig und unsere soziale Sicherheit
(online, ggf. in Präsenz im Außenbereich)
Podiumsdiskussion

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“Gefährliche Gegenstände” sind in der WVZ nicht mehr verboten

*English below*

Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Bautzen kippt “Verordnung über das Verbot des Mitführens gefährlicher Gegenstände in Leipzig” heute, am 24.03.2021.

Damit erklärt das Gericht nach einem Normenkontrollantrag eines Anwohners eine der 2 Verordnungen der #Waffenverbotszone für unwirksam.
Das Verbot Waffen i.S.d. Waffengesetzes mitzuführen bleibt bestehen und damit auch die Möglichkeit zu verdachtsunabhängigen Kontrollen, da gegen diese Verordnung in diesem Verfahren nicht geklagt wurde. Das Urteil von heute ist demnach nur ein Teilerfolg!

Polizei und Innenministerium konnten nicht belegen, dass durch das Mitführen von gefährlichen Gegenständen (beispielsweise Schlagstöcke, Messer, Baseballschläger, Scheren, Nagelfeilen, Rasierklingen oder Reizgas) typischerweise die Gefahr eines Schadens für die öffentliche Sicherheit und Ordnung besteht.
Eine generelle Häufung von “Rohheitsdelikten” im Bereich der #Eisenbahnstraße reiche nicht aus, sondern über solche “Gefahrenverdachte” könne nur das Parlament entscheiden. Zuständigkeit des Innenministeriums, Bestimmheit und Verhältnismäßigkeit wurde vom OVG daher gar nicht erst geprüft.


Unser Ziel bleibt deshalb das gleiche: die #WVZ muss komplett abgeschafft werden, der Rückgriff auf sog. “gefährliche Orte” muss unterbleiben! Doch auch mit der Abschaffung der #WVZ, werden racial profiling und andere diskriminierende Kontrollen nicht einfach von der #Eisenbahnstraße verschwinden. Eine solidarische Nachbar*innenschaft und kritische Beobachter*innen werden weiter unerlässlich sein, um rechtswidrigem Handeln der Polizei Einhalt zugebieten.

Doch heute freuen wir uns auch ein bisschen, dass unter unserer Beteiligung neben dem parlamentarischen (Stadtrat) auch der juristische Anknüpfungspunkt im Kampf gegen die Waffenverbotszone Erfolg hatte. Wir fordern, dass der Innenminister #WöllerRücktritt weitere Faxen sein lässt und vor seinem wohl verdienten Rücktritt auch die WVZ-Verordnung für Waffen im technischen Sinne zurück nimmt.

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Privacy is not a crime

Der EU-Ministerrat hat eine Resolution durchgewunken, nach der Betreiber von Messengern (Whatsapp, Signal, Telegram, Threema..) verpflichtet werden sollen, Kriminalitätsbekämpfung zu unterstützen, indem technische Lösungen für den Zugriff staatlicher Stellen auf private Kommunikation bereit gestellt werden. Was auf den ersten Blick als Vorhaben zum Schutz von Bürger:innen daherkommt, ist vielmehr eine  Strategie, der Datesammelwut staatlicher Einrichtungen und Strafverfolgungsbehörden den roten Teppich auszurollen.


Der Entwurf räumt ein, dass die Grund- und Menschenrechte sowie die Grundsätze der Rechtsstaatlichkeit gewahrt bleiben müssen und zu diesen zählen auch die Verschlüsselung der Kommunikation als notwendiges Mittel. Gleichzeitig sollen jedoch Möglichkeiten entwickelt werden, staatliche Zugriffe zum Zwecke von  Ermittlungsarbeiten zu ermöglichen. Zunächst ist allein aus technischer Seite fragwürdig, wie Verschlüsselung einerseits ohne Sicherheitslücken gewährt werden kann, jedoch gleichzeitig für Observation durch Behörden und Nachrichtendienste antastbar sein soll. Entweder eine Verschlüsselung ist sicher oder sie ist es nicht. Einschränkungen in Verschlüsselungen untergraben das gesamte Vorhaben. Gibt es  Lücken oder  Hintertüren in der Verschlüsselung, ist diese potentiell für diverse Akteur:innen nutzbar und nicht nur für die adressierten Strafverfolgungsbehörden.

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Aktualisierung des „Bundespolizeigesetzes“ – Einigung der GroKo

1. Annäherung an Rechte der Nachrichtendienste:

* verdachtsbasierte Telekommunikationsüberwachung (TKÜ) der Bundespolizei:

→ Anwendung von Schadsoftware bei Ende-zu-Ende-Verschlüsselung („Staatstrojaner“), v.a., um Messenger auszulesen

→ „eingeschränkt“ auf Menschenhandel und „Schleuserkriminalität“

2. Annäherung an Rechte der Landespolizei:

* Strafverfolgung bei unerlaubtem Aufenthalt

* Recht, Platzverweise zu erteilen und Blutproben nehmen zu lassen

* gewinnt Zuständigkeit bei Delikten mit Drohnen und Laserpointern

3. Kritik:

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Evaluation der Waffenverbotszone: Kritik an der Studie

Leipzig, 21.10.2020

Statement zur Anwohner*innenbefragung

zur Untersuchung des Zusammenhangs von Wohnzufriedenheit und Sicherheitsempfinden unter Berücksichtigung der Waffenverbotszone Eisenbahnstraße“.

Mit bereits einem Jahr Verzögerung wird es in den folgenden Monaten zur Auswertung der 2018 installierten Waffenverbotszone um die Eisenbahnstraße kommen. Auf Druck von zivilgesellschaftlichen Initiativen und und Fraktionen des Leipziger Stadtrates konnte eine Befragung von Anwohnenden erwirkt werden. Für die Erstellung des Fragebogens beauftragte die sächsische Polizeihochschule das Institut für Soziologie der Universität Leipzig. Im September 2020 wurden die Fragebögen zur Untersuchung des „Zusammenhangs von Wohnzufriedenheit und Sicherheitsempfinden“ „unter Berücksichtigung der Waffenverbotszone Eisenbahnstraße“ an 3000 Personen in den angrenzenden Stadtteilen Volkmarsdorf und Neustadt-Schönefeld verschickt. Wir begrüßen ausdrücklich, dass es zu dieser Befragung gekommen ist. Uns ist die gewissenhafte und kompetente Entwicklung des Fragebogens durch Prof. Kurt Mühler und der am Projekt Mitarbeitenden bewusst. Wir hoffen, dass dies als solidarische Kritik der Projektgruppe gegenüber aufgenommen wird. Im Folgenden werden wir also problematische Punkte im Sampling und am Fragebogen an sich herleiten und Aspekte betonen, die hinsichtlich der kommenden Auswertung beachtet werden müssen.

Vorangestellt der womöglich wichtigste Punkt: Ein kausaler Zusammenhang zwischen einem gesteigerten/verminderten Sicherheitsgefühl und der Wirksamkeit der Waffenverbotszone wird mit dem Mittel des Fragebogens nicht herstellbar sein. Zahlreiche verschiedene Faktoren beeinflussen das Gefühl von Sicherheit. Die real auftretende Kriminalität spielt dabei möglicherweise eine untergeordnete Rolle. Es ist für die wissenschaftliche Betrachtung zweifellos relevant, ob sich die Leute im Viertel nun sicherer fühlen und ob sie Dynamiken und Veränderungen bemerken. Dies kann jedoch ganz unterschiedliche Gründe haben: u.a. tendenziöse Berichterstattung, Gentrifizierung, Vorprägungen und der Zuzug/Wegzug bestimmter Personengruppen, das Milieu der Befragten und weitere Punkte wirken sich auf Wahrnehmung und Empfinden von Sicherheit aus.

1. Fragebogen

A

Insgesamt erscheint uns der Teil der Fragen zur Betroffenheit durch polizeiliche Kontrollen als zu gering. Qualitative Interviews von Betroffenen und Polizist*innen wären insbesondere nötig, um spezielle Auswirkungen der Waffenverbotszone auf das Sicherheitsempfinden und andere Empfindensbereiche sichtbar zu machen.

B

Uns liegen freilich nur wenige Fragebögen vor, allerdings sind diese nicht randomisiert, sondern haben die gleichen Anordnung von Fragen und Antwortmöglichkeiten. Sollte dies bei allen 3000 Fragebögen der Fall sein, lautet die Kritik (auch für C):

Zu Befragende reagieren im Allgemeinen stark auf die ersten Antwortmöglichkeiten.

Über die Reihenfolge der Antwortkategorien ist eine Verschiebung der Antworten zu “negativeren” Antworten zu erwarten. Methodisch besser wäre es gewesen, 50% der Fragebögen von negativ zu positiver Anordnung, 50% umgekehrt zu gestalten. Dieser Punkt gilt für beinahe alle Fragen. Wir betonen jedoch, dass es aus unserer Sicht hier allerdings keinen strukturell angelegten Bias nach politisch “gewollten” Antworten o.ä. zu geben scheint.

Wegen des oben beschriebenen Effekts werden positiven suggestiven Antwortmöglichkeiten normalerweise auch negative gegenübergestellt.

Beispiel: “Im Allgemeinen sind die Polizist*innen freundlich”.

C

Für die kommende Auswertung erscheint uns dieser Aspekt als besonders beachtenswert:

Insgesamt scheint der Fragebogen sehr sensitiv auf sogenannte „Order-Effects“ zu sein: in den uns vorliegenden Fragebögen werden die Befragten zuerst darauf “geprimed” über Gefährdungslagen nachzudenken (Fragen 5-15). Im Nachgang werden sie zu Mitteln der Verbesserung der Sicherheitslage unter besonderer Bezugnahme auf Polizeipräsenz befragt (Fragen 16-20). Erst danach geht man auf persönliche (potentiell negative) Erfahrungen mit der Polizei ein (Fragen 21-24). Diese Frageblöcke müssten unserer Meinung nach unbedingt in unterschiedlichen Reihenfolgen an die Befragten gegeben werden, um sinnvolle Antworten für die Frage nach der wahrgenommenen Akzeptanz der Polizei für die Lösung etwaiger “Bedrohungslagen” zu erhalten. Sollte eine solche Randomisierung vorgenommen worden sein, so geht diese aus den uns vorliegenden Bögen nicht hervor.

2. Sampling:

A

Die Zusammenstellung der Personen, die Fragebögen erhalten haben, erfolgte zufällig über die Meldebehörden. Infolgedessen schließt es Menschen aus, die nicht im relevanten Gebiet gemeldet, aber wohnhaft, häufig vorort sind und/oder einer regelmäßigen Tätigkeit nachgehen. Somit sind auch Menschen mit illegalisiertem oder wohnungslosem Status nicht inbegriffen. Deren Empfinden und Gedanken zu Sicherheit und Wohnzufriedenheit sowie Emotionen und Positionen zur Polizei dürften sich spezifisch und unterschiedlich ausprägen.

B

Die Erklärung zum Datenschutz könnte zu problematischen Verzerrungen im Sampling führen. Zum einen wird die Polizeihochschule als Auftraggeberin hervorgehoben. Zum anderen wird die Anonymität der Studie eher verklausuliert vorgetragen. Daher ist eine merkliche Verschiebung in der Repräsentativität der zurückgesendeten Fragebögen weg von Personen zu erwarten, die im Besonderen von negativen Vorerfahrungen im Umgang mit der Polizei geprägt sind.

C

Einerseits befürworten wir das Transparenzbestreben in der Kenntlichmachung einer polizeilichen Institution als Auftraggeberin. Andererseits wird dies vor einer wissenschaftlicher Betrachtung fragwürdig. Es ist möglich, dass das Antwortverhalten hierdurch stark beeinflusst wird. Eine sogenannte „Blindheit“ der Befragten hätte diese Möglichkeit ausgeschlossen.

Es bleibt abzuwarten, wie hoch oder niedrig die Rücklaufquote der Bögen sein wird. Bedingt repräsentativ für die Diversität der Milieus und Individuen in den betreffenden Stadtteilen bleibt die Umfrage in jedem Fall (siehe 2A). Insgesamt wird aber hinsichtlich der Verwendung der gesammelten Antworten für die gesamte Evaluation der Waffenverbotszone darauf zu achten sein, inwiefern zulässige und unzulässige Schlüsse für eine Aufrechterhaltung dieser gezogen werden.