Zwischenbilanzen

Auswertung der Kontrollen und Funde in der Waffenverbotszone

  1. Halbjahr (Nov-März 2018/19)
    wvzzwischenbilanz
  2. Halbjahr (April-Sept 2019)
    wvz-kontrollen nach einem Jahr
  3. Halbjahr (Okt-April 2019/20)
    WVZ-Kontrollen 3. Halbjahr

WVZ Kontrollen 1. Halbjahr

*An interim balance – English below*

Die Waffenverbotszone im Leipziger Osten ist jetzt ein halbes Jahr alt. Zeit, um Zwischenbilanz zu ziehen.

Wir haben viele Kontrollen selbst erlebt oder erzählt bekommen. Wir wissen, wer Ziel von polizeilichen Maßnahmen wurde, warum und wie diese Menschen behandelt wurden.

Durch monatliches Abfragen der Ergebnisse der Polizei können wir diese Erfahrungen quantitativ einordnen. Es wird klar, wie viel Mehraufwand für die Polizei entsteht, die ja ihre Überbelastung schon seit Jahren beklagt, wie viele Grundrechtseingriffe erduldet werden mussten – und wofür?!

Oft genug haben wir die Sinnlosigkeit dieser autoritären Maßnahme hervorgehoben. Die Waffenverbotszone weiter aufrecht zu erhalten ist nicht nur in sozialer, demokratischer und libertärer Hinsicht ein Fehler, sie geht auch fast vollkommen an den vorher gefassten Zielsetzungen vorbei.

„Kontrollen […] werden sowohl im Rahmen zentral geplanter Einsätze als auch im Zuge des täglichen Dienstes des Polizeivollzugsdienstes durchgeführt. Eine gesonderte Statistik zu den durchgeführten Kontrollen im Sinne der Fragestellung wird nicht geführt.“

Die aufgeführten Kontrollen stellen somit nur die Schwerpunkteinsätze dar, die auch kontrolliert sind. Die Kontrollen, die der Streifendienst zusätzlich vornimmt, sind nicht dokumentiert und auch nicht in der Quote unten berücksichtigt. Eine Nachprüfung, warum Menschen kontrolliert wurden, ist somit nur in berichteten Fällen möglich. Allerdings wird oft keine Rechtsgrundlage von den agierenden Beamten genannt bzw. immer wieder die WVZ vorgeschoben. Die Verordnung ist jedoch keine Rechtsgrundlage für Kontrollen!2 (UPDATE: Seit Einführung des neuen Polizeigesetzes ist dies nun doch direkt durch die WVZ möglich). Auch mit der Ausweispflicht sieht es ähnlich aus. Wenn die Polizeibeamt*innen ihren Dienstausweis verweigern, ist das rechtswidrig3. Die Rechtsunsicherheit und das fehlende Wissen der Betroffenen über ihre eigene Rechte werden zur systematischen Verletzung von polizeilichen Pflichten ausgenutzt.

Menschen, die kontrolliert wurden oder Kontrollen mitbekommen haben, teilen die Erfahrung, dass die Polizei klassistisch4 und rassistisch motiviert kontrolliert, selbst spielende Kinder sind betroffen.

Eltern sind sich unsicher, ob sie ihren Kindern Scheren mit in die Schule geben können – formal ist dafür eine Strafe von bis zu 1000€ angedroht. Die Kontrollen zielen vor allem PoC5, alternativ und prekär Erscheinende. Diese sowieso schon diskriminierten und exkludierten Personen werden so noch weiter ins Abseits gedrängt. Kann das der Sinn einer Maßnahme sein, die eigentlich dazu beitragen soll, dass sich Menschen hier sicherer fühlen?

Es folgt eine Auflistung der vorgenommenen Kontrollen seit Einrichtung der WVZ, der dabei festgestellten Verstöße, sowie der gemachten Funde. Die Divergenz zwischen den Funden und Verstößen rührt daher, dass eine Person mehrere Dinge dabei gehabt haben könnte.

November 20186

468 einzelne Personenkontrollen/ldentitätsfeststellungen

9 Verstöße

20 Messer, zwei Tierabwehrsprays, ein Cuttermesser, eine Cuttermesserklinge, ein Glasschaber, eine Schere, ein Schraubendreher

(0,68 g Marihuana und 0,06 g Crystal – keine Verstöße gegen die WVZ-Verordnung)

Dezember 20187

79 Personenkontrollen/Identitätsfeststellungen

7 Verstöße

sechs Messer und ein Tierabwehrspray

Januar 20198

247 Personenkontrollen/Identitätsfeststellungen

13 Verstöße

elf Messer, drei Tierabwehrsprays, eine Rasierklinge, ein Elektroimpulsgerät

Februar 20199

268 PersonenkontrolIen/ldentitätsfeststellungen

6 Verstöße

vier Messer, eine Schere, eine Softairwaffe

März 201910

257 einzelne Personenkontrollen/Identitätsfeststellungen

16 Verstöße

zwölf Messer, ein Tierabwehrspray, drei Multifunktionswerkzeuge und eine Pistole

Bei 1319 Kontrollen wurden 51 Verstöße festgestellt. Das heißt, dass bei mindestens 96,13% NICHTS gefunden wurde.

[Update, 13.8.2020: Die Anzahl der Kontrollen bezieht sich nur auf die dokumentierten Schwerpunktmaßnahmen. Streifenkontrollen sind nicht dokumentiert und konnten somit auf Nachfrage bei der Staatsregierung auch nicht angegeben werden. (Vgl. http://edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=2990&dok_art=Drs&leg_per=7&pos_dok=1&dok_id=undefined) Die Quote der “erfolglosen” Kontrollen ist daher eigentlich weit, weit aus krasser.]

Bis auf die Quote, sind die Zahlen oft nicht aussagekräftig und geben nur bedingt Aufschluss über die tatsächliche Gefährlichkeit einer Person, bei der ein Gegenstand gefunden wurde, der gegen die Verordnung verstößt. Zunächst einmal gilt alles, was auch nur ansatzweise so aussehen könnte, als Messer. Auch die Omi, die einen Apfel im Rabet für ihre Enkel aufschneiden will, oder jemand, die*der sich unterwegs ein Brot schmieren will, ist im Sinne mit einem Messer bewaffnet. Näher beschrieben sind die Funde in den Anfragen nicht. In den wenigsten Fällen wird, so unterstellen wir, eine Person vorgehabt haben eine andere Person zu bedrohen oder zu verletzen. Über die Lächerlichkeit der Funde Schere, Glasschaber, Schraubendreher, Rasierklinge usw. müssen wir wohl kein Wort verlieren.

Bisher wurden 13 Bußgeldverfahren zu 60€, einmal zu 200€, einmal zu 250€ eingeleitet. Diese 60€ sind Anzeichen dafür, dass die Polizei einfach nur deshalb Strafen verhängt, weil es die Verordnung eben vorsieht, und nicht, weil von der Person eine tatsächliche Gefahr in irgendeiner Weise ausgegangen wäre. Diese Offensichtlichkeit hat wohl auch das Ordnungsamt erkannt.

Ein kurzsichtiger Schluss wäre, die Zahl damit zu erklären, dass sich jetzt alle Bürger*innen brav an die Verordnung halten und darum nur so wenig gefunden wurde. Die präventive Wirkung kann nicht abschließend ermittelt oder beurteilt werden. Menschen, die meinen ihre Schere oder ihr Taschenmesser zu brauchen und sich damit auch in der WVZ aufhalten, hält sie ohnehin nicht davon ab. Und es kann ebenso bezweifelt werden, dass diejenigen, die mit „richtigen“ Waffen herumlaufen, sich auch von ihr ernsthaft gestört fühlen.

Klar ist, dass die WVZ absolut ungeeignet ist das Viertel sicherer zu machen. Sicherheit wird nicht durch Polizeipräsenz und Repression erreicht. Die mehr als schmalen „Erfolge“, die in dem Fund der einen Pistole und ein paar Messern liegen, stehen außer Verhältnis zu den zahlreichen Grundrechtseingriffen, der Überwachung, den autoritären Maßnahmen, die unsere Demokratie aushöhlen. Wenn ein staatliches Mittel ungeeignet oder unverhältnismäßig ist, dann ist es verfassungswidrig und gehört sofort beendet.

Wir fordern darum die sofortige Abschaffung der WVZ-Verordnung, eine Stärkung solidarischer und kulturschaffender Projekte im Eisenbahnstraßenviertel und sozialstaatliche Absicherung für alle!

Copwatch Leipzig im Mai 2019

1 https://kleineanfragen.de/sachsen/6/15525-kontrollen-zur-einhaltung-der-waffenverbotszone-in-leipzig-november-2018

2  Die Eingriffsbefugnisse richten sich nach dem Polizeigesetz zur Gefahrenabwehr und, wenn es den Verdacht einer Straftat gibt, der Strafprozessordnung. Nur, weil die WVZ ein „gefährlicher Ort“ im Sinne des Polizeigesetzes ist, dürfen Identitätsfeststellungen und Durchsuchung (mehr oder weniger) willkürlich durchgeführt werden.

3 Vgl. § 8 Satz 1 SächsPolG

4 Klassismus ist die strukturelle Diskriminierung armer und prekarisierter Menschen.

5 People of Color sind alle Menschen mit Rassismuserfahrungen.

6 https://kleineanfragen.de/sachsen/6/15525-kontrollen-zur-einhaltung-der-waffenverbotszone-in-leipzig-november-2018

7 https://kleineanfragen.de/sachsen/6/16171-kontrollen-zur-einhaltung-der-waffenverbotszone-in-leipzig-dezember-2018-aktualisierung-der-kleinen-anfrage-in-drs

8 https://kleineanfragen.de/sachsen/6/16521-kontrollen-zur-einhaltung-der-waffenverbotszone-in-leipzig-januar-2019-aktualisierung-der-kleinen-anfrage-in-drs-6

9 https://kleineanfragen.de/sachsen/6/16906-kontrollen-zur-einhaltung-der-waffenverbotszone-in-leipzig-februar-2019-aktualisierung-der-kleinen-anfrage-in-drs

10 https://kleineanfragen.de/sachsen/6/17187-kontrollen-zur-einhaltung-der-waffenverbotszone-in-leipzig-maerz-2019-aktualisierung-der-kleinen-anfrage-in-drs-6

11 https://kleineanfragen.de/sachsen/6/15525-kontrollen-zur-einhaltung-der-waffenverbotszone-in-leipzig-november-2018

12 The powers of intervention are set by the Police Law (SächsPolG) for danger pevention and, if there is suspicion of a criminal offence, by the Code of Criminal Procedure (StPO). Only because the WVZ is a “dangerous place” in the sense of the police law may identity findings and searches (more or less) be carried out arbitrarily.

13 Compare § 8 Satz 1 SächsPolG

14 Classism is the structural discrimination of poor and precarious people.

15 People of Color are all people with experiences of racism.

16 https://kleineanfragen.de/sachsen/6/15525-kontrollen-zur-einhaltung-der-waffenverbotszone-in-leipzig-november-2018

17 https://kleineanfragen.de/sachsen/6/16171-kontrollen-zur-einhaltung-der-waffenverbotszone-in-leipzig-dezember-2018-aktualisierung-der-kleinen-anfrage-in-drs

18 https://kleineanfragen.de/sachsen/6/16521-kontrollen-zur-einhaltung-der-waffenverbotszone-in-leipzig-januar-2019-aktualisierung-der-kleinen-anfrage-in-drs-6

19 https://kleineanfragen.de/sachsen/6/16906-kontrollen-zur-einhaltung-der-waffenverbotszone-in-leipzig-februar-2019-aktualisierung-der-kleinen-anfrage-in-drs

20 https://kleineanfragen.de/sachsen/6/17187-kontrollen-zur-einhaltung-der-waffenverbotszone-in-leipzig-maerz-2019-aktualisierung-der-kleinen-anfrage-in-drs-6

WVZ Kontrollen 2. Halbjahr

Ein Jahr zu viel…

Eine Aufstellung der Kontrollen in der WVZ Eisenbahnstraße von April bis September 20191

Zum PDF: wvz-kontrollen nach einem Jahr

Nach einem Jahr Bestehen wird die Waffenverbotszone (WVZ) auf der Eisenbahnstraße in Leipzig durch die Polizei(hochschule) evaluiert. Wir starten gegen die Verlängerung eine Kampagne, die sich auch für soziale Lösungen für die bestehenden sozialen Probleme einsetzt (https://copwatchleipzig.home.blog/wvz-abschiesen/)

Mit diesem Text soll das 2. Halbjahr der WVZ ausgewertet werden.

Wir haben viele Kontrollen selbst erlebt oder erzählt bekommen. Wir wissen wer Ziel von polizeilichen Maßnahmen wurde, warum und wie diese Menschen behandelt wurden.

Durch monatliches Abfragen der Ergebnisse der Polizei können wir diese Erfahrungen quantitativ einordnen. Es wird klar wie viel Arbeitsaufwand die Polizei damit hat, die ihre Überlastung ja immer beklagt, wie viele Grundrechtseingriffe erduldet werden mussten und wofür?!

Oft genug haben wir die Sinnlosigkeit der autoritären Maßnahme hervorgehoben. Die Waffenverbotszone weiter aufrecht zu erhalten ist nicht nur in sozialer, demokratischer und libertärer Hinsicht ein Fehler, sondern auch kontrafaktisch.

Eine Nachprüfung, warum Menschen kontrolliert wurden, ist nur in berichteten Fällen möglich, da darüber keine Statistik geführt wird. Allerdings wird von Beamt*innen oft keine Rechtsgrundlage genannt bzw. immer wieder die WVZ vorgeschoben. Die Verordnung ist aber keine Rechtsgrundlage für Kontrollen!2

Auch mit der Ausweispflicht sieht es nicht gut aus. Wenn die Polizeibeamt*innen ihren Dienstausweis verweigern, ist das rechtswidrig.3 Die systematische Verletzung von polizeilichen Pflichten wird aufgrund der Rechtsunsicherheit und dem fehlenden Wissen über eigene Rechte ausgenutzt.

Die Kriterien für Ausnahmen vom Verbot für Anwohner*innen, Gewerbetreibende und weitere, sind außerdem nicht hieb- und stichfest. Waffen und gefährliche Gegenstände dürfen demnach mitgeführt werden, wenn sich diese in „verschlossenen Behältnissen oder Verpackungen, die einen unmittelbaren Zugriff verhindern“ befinden. Wenn eben gerade kein Vorhängeschloss an einem Waffenkoffer hängt, darf der Gegenstand nicht „innerhalb von drei Sekunden und mit weniger als drei Handgriffen unmittelbar in Anschlag gebracht werden“. Wie dies in der Praxis ermittelt wird, beantwortet die zitierte Anfrage4 nicht. Im Gegenteil wird mal wieder deutlich, dass auch dieser Verstoß vom Wohlwollen der Beamt*innen abhängig ist.

Menschen, die kontrolliert wurden oder Kontrollen mitbekommen haben, teilten ihre Erfahrungen mit uns: Klassistisch5 und rassistisch motiviert werden Menschen kontrolliert, auch spielende Kinder. „Der könnte gefährlich sein, weil er einen Bart trägt.“,“Der sieht gar nicht so aus, als ob er sich dieses Fahrrad leisten könne.“ und „Lass mal die junge Studentin kontrollieren, damit alle das Gefühl bekommen überwacht zu werden – nicht nur die schwarzen Männer“ könnten Überlegungen sein, die Polizist*innen, oft auch nur unbewusst, zu ihren Maßnahmen veranlassen. Eltern sind sich unsicher, ob sie ihren Kindern Scheren mit in die Schule geben können – formal ist das mit einer Strafe bis 1000€ angedroht.6 Getroffenen werden vor allem PoC7, alternativ und prekär Erscheinende. Die sowieso schon diskriminierten und exkludierten Personen werden so noch weiter ins Abseits gedrängt. Kann das der Sinn einer Maßnahme sein, die eigentlich dazu beitragen soll, dass sich Menschen hier sicherer fühlen?

Es folgt eine Auflistung der vorgenommenen Kontrollen und Verstöße, sowie den Funden. Die Divergenz zwischen den Funden und Verstößen kommt vermutlich daher, dass eine Person mehrere Dinge dabei gehabt haben kann.

April 20198

301 einzelne Personenkontrollen/ldentitätsfeststellungen

15 Verstöße

14 Messer, ein Tierabwehrspray, eine selbstgebaute Hieb- und Stichwaffe

Mai 20199

234 Personenkontrollen/Identitätsfeststellungen

8 Verstöße

fünf Messer, eine Machete, eine Schusswaffe und ein Elektroimpulsgerät

Juni 201910

203 Personenkontrollen/Identitätsfeststellungen

8 Verstöße, 10 verbotene Gegenstände (erstmals wurde eine komische Aufteilung vorgenommen, die sich nicht mit den gefundenen Gegenständen deckt und uns unverständlich ist)

acht Messer, ein Reizstoffsprühgerät, eine Kette mit Hakenklingen

Juli 201911

263 PersonenkontrolIen/ldentitätsfeststellungen

12 Verstöße + 23 verbotene Gegenstände

dreizehn Messer, eine Schere, eine Softairwaffe, sechs Reizstoffsprühgeräte, einen Teleskopstab, einen Baseballschläger

August 201912

144 einzelne Personenkontrollen/Identitätsfeststellungen

11 Verstöße

elf Messer, zwei Reizstoffsprühgeräte und ein Teleskopschlagstock

September 201913

242 einzelne Personenkontrollen/Identitätsfeststellungen

3 Verstöße

vier Messer

Die Zahlen sind oft nicht aussagekräftig und geben nur bedingt Aufschluss über die tatsächliche Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung. Dies ist aber die Voraussetzung für präventiv-polizeiliches Eingreifen.

Zunächst mal gilt alles, was auch nur ansatzweise so aussehen könnte, als Messer. Das heißt auch, dass die Omi, die einen Apfel im Rabet für ihre Enkel aufschneiden will, oder jemand, die*der sich unterwegs ein Brot schmieren will, ein Messer bei sich hat. Näher beschrieben sind die Funde in den Anfragen nicht. In den wenigsten Fällen wird, so unterstellen wir, jemand vorgehabt haben jemanden zu bedrohen oder zu verletzen.

Bei 1387 Kontrollen wurden 57 Verstöße festgestellt. Das heißt, dass bei 95,9 % NICHTS gefunden wurde. In dem Zeitraum wurden neunzehn Bußgeldverfahren zu 60 €, drei zu 90 €, zwei zu 120 € und zwei zu 150 € eingeleitet. Diese 60€ sind Zeichen dafür, dass man einfach nur bestraft, weil es die Verordnung halt vorsieht, nicht, weil die Person irgendwas „schlimmes“ vorhatte. Das ist eine wirklich klägliche Bilanz.

[Update, 13.8.2020: Die Anzahl der Kontrollen bezieht sich nur auf die dokumentierten Schwerpunktmaßnahmen. Streifenkontrollen sind nicht dokumentiert und konnten somit auf Nachfrage bei der Staatsregierung auch nicht angegeben werden. (Vgl. http://edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=2990&dok_art=Drs&leg_per=7&pos_dok=1&dok_id=undefined) Die Quote der “erfolglosen” Kontrollen ist daher eigentlich weit, weit aus krasser.]

Ein falscher Schluss wäre, die Zahl damit zu erklären, dass sich jetzt alle Bürger*innen brav an die Verordnung halten und darum nur so wenig gefunden wird. Die präventive Wirkung kann nicht abschließend ermittelt oder beurteilt werden. Menschen, die meinen ihre Schere oder ihr Taschenmesser zu brauchen und sich damit auch in der WVZ aufhalten, hält das ja nicht ab. Und auch nicht diejenigen, die mit „richtigen“ Waffen herumlaufen. Es bestraft nur, falls sie entdeckt werden. Da sollten uns eher mit Kriegs- und Schusswaffen ausgestattete Nazi-Netzwerke besorgen, oder dass die Polizei und Bundeswehr ihre Waffen ständig „verliert“.

Klar ist, dass die WVZ absolut ungeeignet ist das Viertel sicherer zu machen. Sicherheit erhält man nicht durch Polizeipräsenz und Repression. Die eigentlich nicht existenten „Erfolge“, die vielleicht in dem Fund der einen Schusswaffe oder ein paar Messern liegt, stehen außer Verhältnis zu den zahlreichen Grundrechtseingriffen, der Überwachung, der autoritären Maßnahmen, die unsere Demokratie aushöhlen. Wenn ein staatliches Mittel ungeeignet oder unverhältnismäßig ist, dann ist es verfassungswidrig und gehört sofort beendet.

Wir fordern darum die sofortige Außerkraftsetzung der WVZ-Verordnung, eine Stärkung solidarischer und kulturschaffender Projekte im Eisenbahnstraßenviertel und sozialstaatliche Absicherung für alle!

1 Der Text stellt eine aktualisierte Version unserer Zwischenbilanz dar (https://copwatchleipzig.home.blog/zwischenbilanz/).
2 Die Eingriffsbefugnisse richten sich nach dem Polizeigesetz zur Gefahrenabwehr und, wenn es einen Verdacht einer Straftat gibt, der Strafprozessordnung. Mit dem neuen SächsPolG werden anlasslose Kontrollen in WVZ nun direkt ermöglicht.
3 Vgl. § 8 Satz 1 SächsPolG
5 Klassismus ist die strukturelle Diskriminierung armer und prekarisierter Menschen.
6 Bei dem Mitführen von Scheren kommt es vor allem auf die Umstände (sprich das Wohlwollen der Beamt*innen an: https://kleineanfragen.de/sachsen/6/18166-scheren-als-gefaehrliche-gegenstaende-in-waffenverbotszonen-nachfrage-zur-kleinen-anfrage-in-drs-6-17829
7 People of Color sind alle Menschen mit Rassismuserfahrungen.

WVZ-Kontrollen 3. Halbjahr (Oktober 2019 – April 2020)

Copwatch Leipzig, 3. Juli 2020

I. Kampagne

Schon im Sommer letzten Jahres begannen wir mit der Organisation einer Kampagne gegen die Waffenverbotszone. Unter dem Label „#WVZ abschießen – soziale Sicherheit stärken!“ fanden eine Demo1, Informations- und Diskussionsveranstaltungen2, Vernetzung und Gespräche im Viertel, Pressearbeit3 und viele weitere Aktionen4 statt. Außerdem haben wir einen Stadtratsbeschluss mit-initiiert, um die Anwohner*innen und insbesondere aufgrund von diskriminierendem Profiling intensiver Betroffene mit einzubeziehen. Für die Evaluationsbögen, die an 3000 Anwohnende nach dem Zufallsprinzip verteilt werden sollen, werden wir noch eine Briefkasten-Flyer-Aktion starten, um allen unsere wesentlichen Kritikpunkte5 zu vermitteln.

II. Stand der Evaluation

Wie in der Verordnung festgelegt, sollte die Evaluation nach einem Jahr stattfinden, wobei der zu evaluierende Zeitraum im November 2019 endete.6 Nun ist es schon Juli 2020 und mit der Evaluation (insbesondere die Befragung von Anwohner*innen und Expert*innen) wurde unseres Wissens nach noch nicht begonnen. Auf Nachfragen bei den Verantwortlichen der Polizeihochschule Sachsen und dem beteiligten Professor der Soziologie, Universität Leipzig wird angegeben, dass diese wohl im Herbst 2020 fertig sein wird bzw. begonnen werden soll – eine genaue Antwort gibt man uns leider nicht. Aufgrund dieser verspäteten Erhebung sind noch mal höhere Anforderungen an die Methodik und die Interpretation der Evaluation zu stellen, da ein Gewöhnungseffekt bei der Bevölkerung eintritt und viele die Frage nach ihrem Sicherheitsgefühl vor und nach der Einrichtung der WVZ bis 11/2019 nicht beantworten können. Dies darf aber dem Innenministerium nicht zu Gute kommen, wenn es verfassungsrechtlich höchst bedenkliche7 Verordnungen erlässt und diese dann erst verspätet „überprüft“.

III. Kontrollen, Funde und Bußgeldverfahren

In der Regel finden monatlich zwischen 10 und 20 Einsatzmaßnahmen (sog. Schwerpunktkontrollen) zur Kontrolle der Einhaltung der WVZ statt. Im April gab es diese wegen Corona nicht. Kontrolliert wurde natürlich trotzdem, nur nicht dokumentiert8 und somit auch nicht von uns ausgewertet.

Alle Antworten auf die Anfrage nach der Anzahl der Kontrollen und Verstöße umfasst nur gezielte Schwerpunktmaßnahmen und keine spontanen Straßenkontrollen durch Streifenpolizist*innen. Diese werden in Sachsen grundsätzlich nicht dokumentiert, weil die Polizei das Software-Tool dafür nicht beschafft hat. Die Anzahl der Kontrollen und vermutlich auch der Verstöße insgesamt ist also weitaus höher, als hier aufgeführt. Ein kleiner Trick des Innenministeriums, um das Ausmaß der täglichen Überwachung und Repression herunter zu spielen.

Zu weiteren Vorbemerkungen verweisen wir auf unsere beiden vorgehenden Berichte zum 1. und 2. Halbjahr.

Oktober 20199

229 einzelne Personenkontrollen/ldentitätsfeststellungen bei Schwerpunktmaßnahmen

dabei 6 Verstöße

8 Messer, 1 Reizstoffsprühgerät

November 201910

200 einzelne Personenkontrollen/ldentitätsfeststellungen bei Schwerpunktmaßnahmen

dabei 6 Verstöße

4 Messer, 1 Reizstoffsprühgerät, 1 Säbel, 1 Knüppel mit Handschlaufe

Dezember 201911

119 einzelne Personenkontrollen/ldentitätsfeststellungen bei Schwerpunktmaßnahmen

dabei 4 Verstöße

5 Messer, 3 Reizstoffsprühgeräte, 1 Pyrotechnik, 1 Schlagring, 1 Nagelscherenhälfte

Januar 202012

219 einzelne Personenkontrollen/ldentitätsfeststellungen bei Schwerpunktmaßnahmen

dabei 13 Verstöße

17 Messer, 3 Reizstoffsprühgeräte, ein Elektroschockgerät, 2 Schlagringe

Februar 202013

382 einzelne Personenkontrollen/ldentitätsfeststellungen bei Schwerpunktmaßnahmen

dabei 18 Verstöße

14 Messer, 4 Reizstoffsprühgeräte, 1 Schreckschusspistole, 2 Paar Quarzhandschuhe

März 202014

217 einzelne Personenkontrollen/ldentitätsfeststellungen bei Schwerpunktmaßnahmen

dabei 20 Verstöße

18 Messer, 7 Reizstoffsprühgeräte, 1 Schreckschusspistole mit Munition, 1 Baseballschläger, 1 Schlagring, 2 Scheren

April 202015

keine Schwerpunktmaßnahmen, unbekannte Anzahl an Kontrollen

trotzdem 13 Verstöße

10 Messer, 6 Reizstoffsprühgeräte, 2 Elektroschocker, 1 Baseballschläger

Ordnungswidrigkeitsverfahren

Insgesamt wurden in diesem halben Jahr 21 Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen Verstößen eingeleitet. 11 mal 60€, 2 mal 90€, 6 mal 150€, 1 mal 120€, 1 mal 600€. Diese beziehen sich jedoch auf Kontrollen, die in den Vormonaten vorgenommen wurden und nur jetzt zum Abschluss kamen.

Quote

3. Halbjahr Oktober 2019-März 2020 (6 Monate):

Bei mindestens 1366 Kontrollen wurden 67 Verstöße festgestellt. Das bedeutet, dass bei 95,1 % der Kontrollen nichts gefunden wurde. Genau so, wie in den letzten Auswertungszeiträumen.

[Update, 13.8.2020: Die Anzahl der Kontrollen bezieht sich nur auf die dokumentierten Schwerpunktmaßnahmen. Streifenkontrollen sind nicht dokumentiert und konnten somit auf Nachfrage bei der Staatsregierung auch nicht angegeben werden. (Vgl. http://edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=2990&dok_art=Drs&leg_per=7&pos_dok=1&dok_id=undefined) Die Quote der “erfolglosen” Kontrollen ist daher eigentlich weit, weit aus krasser.]

Seit Bestehen der WVZ (17 Monate – November 2018 bis März 2020) wurden demnach bei mindestens 4072 Kontrollen 175 Verstöße festgestellt und 62 Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Zu bedenken ist allerdings, dass die Owi-verfahren ca. 2 Monate hinter der Feststellung liegen und die folgenden Zahlen somit nur einen Eindruck vermitteln können: Nur ungefähr jeder Dritte „Verstoß“ wird auch geahndet, damit wird nur bei ungefähr 1,5% der Kontrollen etwas Strafwürdiges gefunden.

1 https://copwatchleipzig.home.blog/2019/11/23/wvz-abschiesen-soziale-sicherheit-starken-2/.

2 https://copwatchleipzig.home.blog/audiomitschnitte/.

3 https://copwatchleipzig.home.blog/presseschau/.

4 https://copwatchleipzig.home.blog/dates/.

5 https://copwatchleipzig.home.blog/einrichtung-der-waffenverbotszone/.

6 https://kleineanfragen.de/sachsen/6/18175-kontrollen-zur-einhaltung-der-waffenverbotszone-in-leipzig-juni-2019-aktualisierung-der-kleinen-anfrage-in-drs-6.

7 https://copwatchleipzig.home.blog/einrichtung-der-waffenverbotszone/; Burkhardt, Barskanmaz: Verfassungsrechtliche Bewertung der Vorschrift des § 21 Abs.2 Nr. 1 des ASOG Berlin– das Konzept der „kriminalitätsbelasteten Orte“, abrufbar unter https://kop-berlin.de/files/175.

8 edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=2320&dok_art=Drs&leg_per=7&pos_dok=1&dok_id=undefined.

9 edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=422&dok_art=Drs&leg_per=7&pos_dok=1&dok_id=undefined.

10 edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=739&dok_art=Drs&leg_per=7&pos_dok=1&dok_id=undefined.

11 edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=1098&dok_art=Drs&leg_per=7&pos_dok=1&dok_id=undefined.

12 edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=1539&dok_art=Drs&leg_per=7&pos_dok=1&dok_id=undefined.

13 edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=1865&dok_art=Drs&leg_per=7&pos_dok=1&dok_id=undefined.

14 edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=2320&dok_art=Drs&leg_per=7&pos_dok=1&dok_id=undefined.

15 Ebd.

*English*

Continue reading “Zwischenbilanzen”

Wie intervenieren in Polizeikontrollen?

 

Arabisch: https://copwatchleipzig.org/wp-content/uploads/2018/11/c3bcbersetzungkids.pdf

English: below

Kurzversion zum Anhören unter: https://mega.nz/#!94MkmCiL!3piEnWNLNuNc7bAhnq-xl7lfYaYM8oP2A3VycRShAJU
(aus unserer Veranstaltung: Reflexion – ein Jahr Waffenverbotszone)

 

0. Allgemeines

Um einen Beitrag gegen Rassismus in deinem direkten Umfeld zu leisten, kannst du in eine Polizeikontrolle einschreiten. Im Folgenden sollen dafür einige Tipps gegeben werden, wie man sich dabei verhalten kann.

Ziel einer Intervention sollte es sein, Solidarität mit Betroffenen zu zeigen und der Polizei zu symbolisieren, dass es eine kritische Öffentlichkeit gibt, so dass sie nicht unbeobachtet machen können, was sie wollen.

Bring dich dabei aber nicht selbst in Gefahr und sehe vor allem von körperlichen Aktionen gegen Cops (§§ 113, 114 StGB) ab.

Bevormunde Betroffene nicht und nimm dies auch nicht als Bühne dafür ein paar Street Credits zu ergattern.

Versuche auch nicht unbedingt, die Person zu verteidigen, denn oft hast du keine Kenntnis über sie und ein Verstoß gegen ein Gesetz kannst du nicht mit Sicherheit verneinen. Angreifbar ist meist nicht das kriminalisierte Verhalten der Person, sondern die Rechtmäßigkeit des Handelns der Polizei und nur das interessiert uns. Dazu zählt vor allem Unverhältnismäßigkeit, Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz Art. 3 I GG und dass sie den Betroffenen einen Beistand gewähren (dazu gleich unten).

Auch kann eine weitere Betreuung von Freund*innen der Betroffenen hilfreich sein, wenn sie mit der Situation überfordert sind.

Was nicht Ziel sein sollte ist um jeden Preis zu verhindern, dass Person mitgenommen wird. Sind bspw. die Personalien der Person nicht feststellbar, so gibt es die entsprechende Rechtsgrundlage im Sächsischen Polizeigesetz.

Der folgende Absatz wird nun einzeln auf Stufen der Intervention eingehen.

1. Beobachtung

Verschaffe dir zunächst Überblick über Situation. Dazu kannst du zunächst aus etwas Distanz beobachten, wer kontrolliert wird, was durchsucht wird und wie die Stimmung der Kontrolle ist. Dazu kannst du auch andere herumstehende Personen oder Freund*innen der Betroffenen ansprechen und mit ihnen zusammen handeln. Du hast etwas Zeit und traust dich? Dann geh etwas näher ran und symbolisiere der Betroffenen und der Polizei, dass du da bist und aktiver Teil des Geschehens werden möchtest.

2. Kontaktaufnahme Betroffene

Sprich nun aktiv die Betroffenen an und biete ihnen deine Unterstützung an. Eine rechtliche Grundlage gibt es dafür in § 14 Absatz 4 Satz 1 VwVfG (Verwaltungsverfahrensgesetz). Dadurch kannst du der Beistand der Betroffenen werden, in dem diese deiner Frage einfach zustimmen. Dieses gibt es wegen des Gebots des fairen Verfahrens und leitet sich aus dem Rechtsstaatsprinzip und der Grundrechte-Charta (EU) ab. Zwar gilt das Verwaltungsverfahrensgesetz nur im Gefahrenabwehrrecht nach den landesspezifischen Polizeigesetzen. Hingegen gilt es nicht direkt bei Strafverfolgung (schon stattgefundene Straftaten werden aufgeklärt), da dort die Strafprozessordnung angewendet wird, die spezielle Beistandsregel hat. In einer Straßensituation ist jedoch oftmals nicht klar, ob die Polizei präventiv oder repressiv tätig wird und die Situation, der Betroffene ausgesetzt sind, ist vergleichbar, sodass du auch auf dein Beistandsrecht im Falle eines Verdachtes auf eine Straftat bestehen kannst.

Du bist, im Gegensatz zur einer Bevollmächtigten*, dann keine Vertretung, sondern „nur“ zur (moralischen) Unterstützung, indem ihr gemeinsam handeln könnt. So gilt alles, was du sagst als von den Betroffenen vorgetragen, wenn diese nicht sofort widersprechen. Beistand kann jede*r werden. Eine Zurückweisung durch die Polizei ist nur unter sehr strengen Voraussetzung möglich. Zum Beispiel bei fehlender Eignung: intellektuelle (mangelnde Sachkunde) oder emotionale (persönliche Angriffe) Gründe muss es dafür geben. Lass dich nicht so schnell abwimmeln, denn dies ist ein sehr starkes Instrument, um die Kontrolle kritisch zu begleiten und den Betroffenen das Gefühl zu geben nicht allein zu sein. Die Polizei darf dich nicht wegen „Störung der Maßnahme“ wegschicken und wenn sie es doch versuchen: widersprich! Nun kann es richtig losgehen: hat die Person Sprachprobleme und benötigt eine Übersetzung? Soll jemand informiert werden? Gib der Person den Hinweis, dass sie ein Recht darauf hat, den Namen und die Dienstnummer der Beamt*innen zu erfragen. Die Rechtsgrundlage dafür ist § 11 Sächsisches Polizeigesetz (SächsPVDG – https://www.revosax.sachsen.de/vorschrift_gesamt/18193/40366.pdf)

Oft genug kennen die Beamt*innen das Beistandsrecht nicht und lassen es deswegen nicht zu. Wende dich in diesem Fall an die Öffentlichkeit, um das zu skandalisieren oder denke sogar ausnahmsweise über eine Beschwerde bei der Polizeibeschwerdestelle (Was ist das? ->https://copwatchleipzig.org/polizeiarbeit-aktuell/) nach.

3. Aufmerksamwerden Polizei

Spätestens nach der Beistandserklärung werden nun auch die Cops auf dich aufmerksam. Frage ruhig und freundlich nach dem Anlass, der Rechtsgrundlage und dem Verdacht für die Kontrolle (auch wenn sie bei der Errichtung einer Waffenverbotszone oder an “gefährlichen Orten” diesen nicht mehr brauchen). Weise sie auf das Verbot von diskriminierenden Kontrollen hin. Dazu geben dir Art. 3 I GG und das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz rechtliche Grundlagen. Sollten sie keine Rechtsgrundlage (oder Verdacht) haben, ist die Kontrolle unzulässig und rechtswidrig. Du kannst sie auffordern, die Kontrolle abzubrechen und alle erhobenen Daten zu löschen. Wollen sie auch deine Daten erheben ist nur das verpflichtend, was auf deinem Personalausweis steht. Rechtlich belangen können sie dich für das Beistandsein nicht, solange du nicht beleidigend oder körperlich wirst. Lasse dich nicht auf Provokationen ein und auch nicht einschüchtern! Die Beobachtung von Polizeieinsätzen ist absolut legitim (dazu: https://www.buerger-beobachten-polizei.de/beobachter-rechtlicher-status/verwaltungsgericht-freiburg-bestaetigt-recht-auf-polizeibeobachtung)!

4. Beistehen

Im weiteren Verlauf kannst du Fotos von der Situation machen. Dabei solltest du dich darauf vorbereiten, dass Cops Stress machen können, wenn sie das sehen. Die Rechtslage in Bezug auf das direkte Fotografieren von Polizist*innen ist schwierig, da gerade sie als Einzelpersonen im Mittelpunkt der Aufnahme stehen und deswegen grundsätzlich, wie alle anderen auch, durch das „Recht am eigenen Bild“ geschützt sind. Allerdings kannst du argumentieren, dass hier Beweise gesichert werden und gerade wenn körperliche Gewalt seitens der Polizei angewendet wird, deswegen ein öffentliches Interesse für die Aufnahme gegeben ist. Außerdem sind Polizeieinsätze “zeitgeschichtliche Ereignisse”, die nicht unter den Anwendungsbereich des “Recht am eigenen Bildes” fallen. Insgesamt also schwierig, auch weil deine Kamera bzw. Handy beschlagnahmt werden kann (wenn auch nur, wenn sie dir Tatsachen nennt, die die Annahme rechtfertigen, dass du sie später ohne Unkenntlichmachung der jeweiligen Beamt*in veröffentlichen willst).

Ein empfehlenswerter Artikel hierzu findest du auf: https://www.rechtambild.de/2013/04/vorsicht-beim-fotografieren-von-polizisten/ und https://www.buerger-beobachten-polizei.de/rechtliches/rechtshilfe-demotipps#filmen.

Mehrere Gerichte haben entschieden, dass Filmen von Polizeieinsätzen auch keine Straftat gem. § 201 StGB (Verletzung der Vertraulichkeit des nicht öffentlich gesprochenen Wortes) ist.

Sammle die Daten von Zeug*innen, die die Situation auch beobachten, um später Beweise für den Verlauf der Kontrolle zu haben. Auch kannst du laut werden und Aufmerksamkeit von Umherstehenden generieren. Das wird die Cops sicher nerven und auch verunsichern, weil sie nun von einer breiteren Öffentlichkeit in ihrer Arbeit kontrolliert werden. Es könnte aber auch belastend für die Betroffenen sein. Hier ist also Fingerspitzengefühl gefragt.

5. Nachbereiten

Wenn die Cops abgezogen sind und die Kontrolle vorbei ist, solltest du das Geschehene nachbereiten. Gib der Betroffenen deine Kontaktdaten, um dich später ggf. erreichen zu können.

Du brauchst kein schlechtes Gewissen haben, dass du keine „richtige“ Hilfe sein konntest, indem du die Kontrolle/Gewahrsam abgewendet hast. Unsere Handlungsmöglichkeiten sind leider begrenzt und unser Ziel ist meist schon durch die kritische Begleitung und Solidarisierung erreicht. Mehr können wir oft nicht tun, aber es leistet doch einen entscheidenden Beitrag zu einer solidarischen Nachbarschaft.

Schreibe nun eine Mail mit einem Gedächtnisprotokoll (https://www.copwatchleipzig.org/wie-schreibe-ich-ein-gedachtnisprotokoll/) und weiteren Fragen, die du hast, an copwatchleipzig@riseup.net. Am liebsten verschlüsselt!

Merk dir die Argumente der Polizei. Das hilft zur Vorbereitung aufs nächste mal.

Politische Einordnung

Rassismus und Repression haben noch nie Probleme gelöst, sondern immer nur neue geschaffen. Um die Probleme des Viertels anzugehen, braucht es andere Strategien. Wie oben schon angesprochen, lassen sich viele Konflikte wie Drogenhandel und Diebstahl auf strukturelle Ungleichheit im kapitalistisch verfassten Nationalstaat zurück führen, sodass dieser zum Ansatzpunkt für eine Kritik an hiesigen Zuständen sein sollte. Durch einen solidarischer Umgang miteinander können wir Perspektiven schaffen, das eigene Leben frei zu gestalten. Dazu gehört auch, dass niemand aufgrund von Herkunft, Gender (Geschlecht), sexuelle Orientierung oder Identität oder ökonomischem Status diskriminiert wird und wir einschreiten, wenn wir solches Verhalten erleben. Die Einführung der Waffenverbotszone reiht sich in eine sowohl landes- als auch bundesweite zu beobachtenden Ausbau staatlicher Repression ein.

Die gesetzliche Grundlage sollen neue Polizeigesetze ist fast allen Bundesländern schaffen (hier geht’s zum Blog des Bündnisses gegen das Sächsische Polizeigesetz: https://polizeigesetz-stoppen.de/ und https://keinpolizeigesetz.noblogs.org/). Damit findet nicht nur eine Aufstockung der Ausrüstung, sondern auch eine Ausweitung der polizeilichen Befugnisse statt.

Obwohl Kriminalitätsstatistiken das widerlegen, wird ein Bild der Eisenbahnstraße als „gefährlichste Straße Deutschlands” aufrecht erhalten. Dies steigert die gesellschaftliche Toleranz für repressiven Maßnahmen (Kontrolle, Überwachung, Verfolgung). Wie weit staatliche Strukturen gehen können, Freiheiten einzuschränken und Rechte zu nehmen, bis sich die Zivilgesellschaft darin stößt, wird zunächst an kriminalisierten Gruppen (z.B. Fussball-Fans) und Orten ausprobiert. Dass unser Stadtteil auch sehr migrantisch und alternativ geprägt ist, erhöht das Interesse der Behörden die Straßen und alles, was passiert, was lebt, unter Kontrolle zu bringen. Wir wollen die Polizei als Repressionsorgan eines Staates in den Fokus nehmen, die über das Gewaltmonopol verfügt und somit (fast) jeder Person machtvoll gegenübersteht. Diese Macht wird allzuoft ausgenutzt und vor allem im Zuge von kapitalismuskritischen und antifaschistischen Demonstrationen kommt es immer wieder zu Polizeigewalt auf Demonstrierende, Presse und Sanitäter*innen. Eine fehlende unabhängige Beschwerdestelle führt außerdem dazu, dass Cops kaum mit Konsequenzen zu rechnen haben, wenn sie unverhältnismäßig gewaltvoll und/oder diskriminierend agieren. Gerade gegenüber Migrant*innen wiegen sie sich in der Sicherheit, dass die Betroffenen, aus Angst vor dem Verlust einer ohnehin schon oft unsicheren Aufenthaltserlaubnis, keine Anzeige erstatten. Das führt zu zahlreichen Übergriffen. Zudem ist insbesondere über die Sächsische Polizei bekannt, dass sich darunter viele Amtsträger*innen mit einer rechten/rassistischen/nationalkonservativen Gesinnung befinden, wie nicht zuletzt die Bestellung eines Panzers mit Nazi-Embleme und die Vorkommnisse bei Pegida-Demonstrationen zeigen. Dass ihre politische Meinung auch ihr Handeln als Beamt*innen beeinflusst, ist zweifellos. So steht unser Engagement gegen Diskriminierung im Kontext einer Kritik an der autoritären Entwicklung der Gesellschaft, die sich sowohl auf rechtlicher Ebene (PolG) als auch durch die Zivilgesellschaft zieht (Mobilisierung von Nazis am 26.&27.8.18 nach Chemnitz, AfD-Wahlergebnisse).

*English*

What can we do?!

In order to make a contribution against racism in your immediate environment, you can intervene in a police control. In the following, some tips will be given on how to behave. The aim of an intervention should be to show solidarity with those affected and to symbolize to the police that there is a critical public, so that they cannot do what they want unobserved. But don’t put yourself in danger and refrain from physical actions against cops (§§ 113, 114 StGB). Don’t patronize those affected and don’t take this as a stage to get some street credits. Also do not try to defend the person because often you have no knowledge about them and a violation of a law you can not deny with certainty. It is usually not the criminalized behavior of the person that is vulnerable, but the legality of the police’s actions. Thats what we are interested in. This includes disproportionality, violation of Article 3 Grundgesetz and the fact that they provide assistance to those affected (see below).  Also a further support of friends of the affected persons can be helpful if they are overtaxed with the situation. What should not be the goal is to prevent at all costs that the person is taken along. If, for example, the personal data of the person cannot be determined, then there is the corresponding legal basis in the Saxon police law. The following paragraph will now deal with stages of intervention.

1. Observation

First of all, get an overview of the situation. To do this, you can first observe from a distance who is being controlled, what is being searched and what the mood of control is. You can also talk to other people standing around or friends of the affected person and act together with them. You have some time and dare? Then take a closer look and symbolize to the affected person and the police that you are there and want to become an active part of the action.

2. Getting in touch with the Affected

Speak now actively the affected person and offer to them your support. There is a legal basis for it in § 14 paragraph 4 sentence 1 Verwaltungsverfahrensgesetz (Administrative Procedure Act). Thus you can become the assistance of the affected person by simply agreeing to your question if the person wants your support. This exists because of the requirement of a fair trial and is derived from the principle of the rule of law and the Charter of Fundamental Rights (EU).

It is true that the “Administrative Procedure Act” (VwVfG) applies only to the law on the prevention of danger (state-specific police laws). On the other hand, it does not apply directly in the case of criminal prosecution (crimes that have already taken place are solved ), since the Code of Criminal Procedure (Strafprozessordnung StPO) is applied there, which has special assistance rules. In a street situation, however, it is often not clear whether the police are taking preventive or repressive action and the situation to which those affected are exposed is comparable, so that you can also insist on your right to assistance in the event of a suspected crime.

In contrast to a deputy, you are not a representative, but “only” for (moral) support, in that you can act together. So everything you say is considered to have been presented by those affected if they do not object immediately. Anyone can become an adviser. A rejection by the police is only possible under very strict conditions. For example, in the case of unsuitability: there must be intellectual (lack of expertise) or emotional (personal attacks) reasons for this. Don’t be so quick to get rid of yourself, because this is a very strong instrument to accompany the control critically and to give the affected person the feeling of not being alone. The police may not send you away because of “disturbance of the measure” and if they try it nevertheless: contradict! Now it can really start: does the person have language problems and needs a translation? Should someone be informed? Tell the person that he or she has the right to ask for the name and service number of the police (wo)men. The legal basis for this is § 11 sentence 1 SächsPVDG (Saxon police law).

Often enough, the officers do not know the right to assistance and therefore do not allow it. In this case, turn to the public to scandalize the situation or even think about filing a complaint with the police complaints office (What is this? See https://copwatchleipzig.org/polizeiarbeit-aktuell/ ).

3. Attention of the police

At the latest after the declaration of assistance, the cops will also become aware of you. Ask calmly and friendly about the occasion, the legal basis and the suspicion for the control (even if they don’t need it anymore when establishing a weapon free zone or on “criminal places”). Point them towards the prohibition of discriminatory controls. Article 3 Grundgesetz and the Gleichbehandlungsgesetz (General Equal Treatment Act) give you legal bases for this. If they have no legal basis (or suspicion), the control is inadmissible and illegal. You can ask them to stop the control and to delete all collected data.  If they also want to collect your data, only what is written on your identity card is obligatory to say. They cannot legally prosecute you for assistance as long as you do not become insulting or physical. Do not engage in provocation or intimidation! Oberserving police is definitly legal (https://www.buerger-beobachten-polizei.de/beobachter-rechtlicher-status/verwaltungsgericht-freiburg-bestaetigt-recht-auf-polizeibeobachtung)

4. Supporting

As you progress, you can take pictures of the situation. You should prepare yourself so that cops can stress out when they see that. The legal situation with regard to photographing police(wo)men is difficult because they are the focus of the photograph as individuals and therefore, like everyone else, are protected by the “right to one’s own image”. However, you can argue that evidences are documented here and especially when physical violence is used by the police, there is therefore a public interest in the recording. Moreover, police operations are “contemporary events” that do not fall under the scope of the “right to one’s own image”. All in all difficult, also because your camera or mobile phone can be confiscated. You can find a recommendable, but German, article on this at: https://www.rechtambild.de/2013/04/vorsicht-beim-fotografieren-von-polizisten/ and https://www.buerger-beobachten-polizei.de/rechtliches/rechtshilfe-demotipps#filmen.

Several courts have ruled that filming police operations is also not a crime § 201 of the Criminal Code (breach of confidentiality of the non-publicly spoken word).

Collect data from witnesses who are also observing the situation in order to later have evidence of the progress of the control. You can also get loud and generate attention from outsiders. This will certainly annoy and unsettle the cops because they are now controlled by a wider public in their work. However, it could also be incriminating for those affected. A sensitive handeling is therefore required here.

5. Follow up Work

When the cops have left and the control is over you should follow up on what happened. Give the affected your data in case it is needed later.

You don’t need to have a guilty conscience that you couldn’t be a “real” help by preventing the control. Our goal is usually already achieved through critical accompaniment and solidarity. Often we cannot do more, but it makes a decisive contribution to a neighbourhood based on solidarity.

Write now a Mail with a memory protocol (https://www.copwatchleipzig.org/wie-schreibe-ich-ein-gedachtnisprotokoll/) and further questions, which you have, to copwatchleipzig@riseup.net. Remember the arguments of the police. This will help you to prepare for the next time.

Political subsumption

Racism and repression have never solved problems, only created new ones. To address the problems of the neighbourhood, different strategies are needed. As already mentioned above, many conflicts such as drug trafficking and theft can be traced back to structural inequality in the capitalist national state, so that this should be the starting point for criticism of local conditions. By treating each other in solidarity, we can create perspectives for shaping one’s own life freely. This also means that nobody is discriminated against on the basis of origin, gender, sexual orientation or identity or economic status and that we intervene when we experience such behaviour.

The introduction of the weapon free zone is part of an expansion of state repression that can be observed both nationwide. The legal basis should be created by new police laws in almost all federal states (click here for the blog of the alliance against the Saxon Police Law: https://polizeigesetz-stoppen.de/ and https://keinpolizeigesetz.noblogs.org/). This not only means an increase in equipment, but also an expansion of police powers. Although crime statistics refute this, an image of the Eisenbahnstraße as the “most dangerous street in Germany” is maintained. This increases social tolerance for repressive measures (control, surveillance, persecution). How far state structures can go to restrict freedoms and take rights until civil society comes up against them is first tried out in criminalised groups (e.g. football fans) and places. The fact that our district is also very migrant and alternative in character increases the interest of the authorities to control the streets and everything that happens, everything that lives.

We want to focus on the police as the repressive organ of a state that has a monopoly on the use of force and is therefore powerfully opposed to (almost) every person. This power is often used and especially in the course of left antifascist demonstrations, critical of capitalism and it comes again and again to police violence on demonstrators, press and medics. A lack of an independent complaints office also means that cops hardly have to reckon with consequences if they act disproportionately violently and/or discriminatory. Particularly with regard to migrants, they weigh themselves in the certainty that those affected will not file a complaint for fear of losing an already often insecure residence permit. This leads to numerous assaults.

In addition, it is known, especially through the Saxon police, that many officials with a right-wing/racist/national conservative attitude are among them, as shown not least by the order of a tank with Nazi emblems and the incidents during Pegida demonstrations. There is no doubt that their political opinion also influences their actions as police (wo)men. Our commitment against discrimination stands in the context of a critique of the authoritarian development of society, which takes place both at the legal level (Police Law) and through civil society (mobilization of Nazis on 26 & 27 August 18 in Chemnitz, AfD election results).

Was darf die Polizei? Was darf ich? Polizeigewalt?

Was tun als Opfer oder Zeug*in von Polizei­gewalt und Festnahme?!
*What to do as victim or witness of police violence or arrest? – English below*

ماذا يمكن للشرطة أن تفعل؟ ماذا يمكنني أن أفعل؟
ماذا يمكنني أن أفعل كضحية أو شاهد على عنف الشرطة واعتقالها؟

Unser Flyer (deutsch):

Checkliste Polizeigewalt

*English*

What can the police do? What can I do?
What can I do as a victim or witness of police violence and arrest?

You may.

Ask for the legal basis and the underlying facts for the police measure. The link must be your behaviour, not your appearance.
Contradict every single measure and have it recorded.
Demand the name and service card of a police(wo)man.
If civilians claim to belong to the police, insist on seeing the police ID.
Right to assistance: Assistance can be any person designated by the person affected by a measure and can only be refused if it proves to be absolutely unsuitable. You can act together with your adviser (no representation), which is also a good instrument if there are language problems or if you want to critically accompany the police control. The right gives you § 14 paragraph 4 sentence 1 Administrative Procedure Act (=Verwaltungsverfahrensgesetz).

In case of arrest

You are obliged to provide information about your name, date of birth, place and country of birth, nationality, marital status and registration address. Do not make any further statements or statements!
You have the right to call a lawyer. (Emergency service of lawyers Leipzig: 0172 3641041)
You have the right to refuse any testimony, both before the police and before the prosecution or the court.
Don’t be intimidated! Sometimes the officers threaten you with deportation or promise to release you if you make statements. Don’t believe them: don’t do or sign a statement!
If things or money are confiscated from you, insist on getting a record. Do not sign this protocol.
If you are not released, you must be brought before the jugde by midnight of the next day at the latest, who will then decide on your further detention (release or pre-trial detention).
You have the right to an interpreter and to contact a trusted person.

Illegalised persons can be taken into deportation custody. However, pre-trial detention has priority, § 116b StPO.
If you are released and beaten or abused, go immediately to the doctor. Have your injuries attested to there.
You can lodge an official supervisory complaint with the police president of the federal state (in Leipzig: Landespolizeipräsidium -Wilhelm-Buck-Straße 2 01097 Dresden).
You do not have to comply with subpoenas from the police, whether as a witness or accused, unless they send them explicitly on behalf of the public prosecutor’s office. Only summonses from the public prosecutor’s office (also by the police) or court are obligatory.

What may the police do?

The police act on the legal basis of the Criminal Code (StGB), the Criminal Procedure Code (StPO) for criminal prosecution and the individual state laws on public safety (police law) for averting danger. They regulate what the police may do. If it violates this, it may also file a criminal complaint against a police officer. Although only 2% of the reported cases are prosecuted in these proceedings, they may have disciplinary consequences and are included in statistics. Make a criminal complaint (after consultation with a lawyer) within 3 months of the incident to the public prosecutor, not the police.

The police may do this if you are on foot and have not committed a crime (police law).

Identity verification: They may demand your identity card if you pose a danger or a disturbance. For this purpose, concrete and recognisable facts must be available. In so-called “dangerous places” (also weapons prohibition zone) it may do so, but there must still be some connection to the dangerousness of the place. They may not control simply arbitrarily or racist motivated (racial profiling), because that offends against the principle of equal treatment from art. 3 of the Grundgesetz. If your identity cannot be established, the police may take you to the office and take fingerprints and photos, as well as external characteristics (e.g. tattoos) to find out who you are.

Expulsion: She can expel you from a place for a few hours if you are a danger or a disturbance. For this purpose, concrete and recognizable facts must be available.

Detention: She may take you to a police station if a disturbance/hazard cannot be removed otherwise, if your identity cannot be established otherwise or if this is necessary to enforce a removal order. She must give you a reason and legal remedy and give you the opportunity to call a lawyer and a trusted person. Ask to see a doctor if you’re feeling bad.

Search people and things: You (including your clothes) and your belongings may be searched if you are allowed to be detained, your identity is to be established, you are in a “dangerous place” or facts indicate that you (1) want to commit a crime on endangered objects or (2) you are carrying belongings that may be seized. The person may only be searched by persons of the same sex or by doctors.

Confiscation: One of your things may be confiscated if it is necessary to remove a disturbance or if you are allowed to be detained. This also includes the confiscation of objects that are prohibited in the weapons prohibition zone. You must be issued with a certificate of this and the legal remedy must be made known.

On 1st of January 2020 the new Saxon police law comes into force. This gives the police considerably more powers and the numbers of the §§ will change. The listed possibilities of the police change slightly: Identity findings are possible in weapons prohibition zones directly and within the area, which is 30 km away from the Polish and Czech border.

The police may do this if you are suspected of a criminal offence (Code of Criminal Procedure).

Search of things and person (§ 102 StPO): You are only a suspect if there are actual indications or facts that you have committed a criminal offence.

Physical examination (§ 81a StPO): blood sampling, urine and sweat test. These are a serious encroachment on your physical integrity, may only be performed on one*r defendant and require the theoretical consent of a judge. To prove alcohol in the blood, however, this is not necessary. You are not obliged to blow, but to tolerate the blood draw.

As a non-suspicious person (§ 103 StPO), the police may only search you if there are facts that probably contribute to the arrest of a suspect or to the securing of evidence. e.g. if, before the eyes of the police, the object of a crime (committed by another person) would be inflicted on you.

Arrest of disturbers (§ 164 StPO): Whoever interferes with the prosecution of criminal offences or administrative offences can be taken into custody until the end of the official act (max. until the end of the next day).

How to behave in case of police violence?

If you become a victim of police violence

Attempts to stop the use of violence by deescalating behaviour. If that doesn’t help, scream your pain out to get attention from passing people.
Talk specifically to potential witnesses! Tell them your name and a phone number and please contact them later.
If you later want to defend yourself legally against police violence (§ 340 StGB), the police will most likely report you for resistance (§ 113 StGB). Consult the advice of a lawyer.

If you become a witness of police violence

Make yourself available to those affected as a witness. Please bystanders to do the same. CopWatch LE has internal witness cards that you can pick up from us.
Inform the person concerned of their rights.
Offer your assistance.
In the event of an arrest, ask for the name and address of the person being arrested.

In any case

If you become a victim or witness of an arrest or (racist) police assault, record the incident as accurately as possible in a memory log:
Place and time of the incident, actions observed
the reasons given for the police action
Personal descriptions, contacts to other witnesses.
Service and helmet numbers of the civil servants inside
Police car plates.
If you have any questions, would like to report the case or need assistance, please contact copwatchleipzig@riseup.net. It is important that we document the case, even anonymously. You can also write to us in encrypted form.

ماذا يمكن للشرطة أن تفعل؟ ماذا يمكنني أن أفعل؟
ماذا يمكنني أن أفعل كضحية أو شاهد على عنف الشرطة واعتقالها؟

يمكنك:

طلب الأساس القانوني والوقائع الأساسية لإجراء الشرطة في تلك الحادثة.
يجب أن يكون الارتباط سلوكك، وليس مظهرك، ناقض كل مقياس على حده وقم بتسجيله.
اطلب اسم وبطاقة الخدمة لرجل/امرأة الشرطة.
وإذا زعم المدنيون أنهم ينتمون إلى الشرطة، فأصر على رؤية هوية الشرطة.
الحق في المساعدة:
يمكن أن تكون المساعدة أي شخص يعينه الشخص المتضرر من جراء ما ولا يمكن رفضها إلا إذا ثبت أنها غير مناسبة تماما. يمكنك أن تعمل مع مستشارك (بدون تمثيل)، وهو أيضا أداة جيدة إذا كانت هناك مشاكل في اللغة أو إذا كنت ترغب في مرافقة الشرطة بشكل ناقد.
ويعطيك الحق:
الفقرة 14 من المادة 4 من قانون الإجراءات الإدارية رقم 1 (=Verwaltungsverfahrensgesetz).

في حالة الاعتقال:

أنت ملزم بتوفير معلومات حول اسمك وتاريخ ميلادك ومكان ولايتك وبلدك وجنسيتك وحالته الزوجية وعنوان التسجيل.


لا تقدم أي بيانات إضافية!
يحق لك الاتصال بمحام. (خدمة الطوارئ للمحامين لايبزيغ)
0172 3641041


يحق لك رفض أي شهادة، سواء أمام الشرطة أو أمام النيابة أو المحكمة.
لا تخافوا! وفي بعض الأحيان، يهددك الضباط بالترحيل أو يعدوا بإطلاق سراحكم إذا أدليتم ببيانات. لا تصدق ولا تفعل أو توقع على اي بيان!
إذا تمت مصادرة أشياء أو أموال منك، فأصر على الحصول على مستند. لا توقع هذا البروتوكول إذا لم يتم إطلاق سراحكم، إذا لم يتم الإفراج عنك، فيجب مثولك أمام القاضي بحلول منتصف ليل اليوم التالي على أبعد تقدير، والذي سيقرر بعد ذلك احتجازك الإضافي (الإفراج عنك أو الاحتجاز السابق للمحاكمة).
يحق لك الاستعانة بمترجم فوري والاتصال بشخص موثوق به.

ويمكن احتجاز الأشخاص غير الشرعيين في عهدة الترحيل. غير أن للحبس الاحتياطي الأولوية، المادة 116 B) ) من القانون الجنائي.
إذا تم إطلاق سراحك وضربك أو إساءة معاملتك، اذهب فورا إلى الطبيب، لقد شهد على إصابتك هناك.


يمكنك تقديم شكوى إشرافية رسمية إلى رئيس الشرطة في الولاية الاتحادية في لايبزيغ: Landespolizeipräsidium -Wilhelm-Buck-Straße 2 01097 Dresden).
ولا يتعين عليك أن تمتثل للاستدعاءات الصادرة عن الشرطة، سواء كشاهد أو متهم، ما لم ارسالها صراحة بالنيابة عن مكتب المدعي العام. ولا يلزم سوى الاستدعاءات من مكتب المدعي العام (وأيضا من قبل الشرطة) أو المحكمة.

ماذا يمكن للشرطة أن تفعل؟

وتعمل الشرطة على أساس قانوني (القانون الجنائي) وقانون (الإجراءات الجنائية) (STPO) للمقاضاة الجنائية، وقوانين الدولة الفردية المتعلقة بالسلامة العامة (قانون الشرطة) لتجنب الخطر. والاخيرة تنظم ما قد تفعله الشرطة. وفي حالة انتهاك هذا القانون، يجوز لك أيضا أن تقدم شكوى جنائية ضد ضابط شرطة. وعلى الرغم من أن 2% فقط من الحالات المبلغ عنها تتم ملاحقتها في هذه الإجراءات، إلا أنها قد تكون لها عواقب تأديبية وقد تكون مدرجة في الإحصاءات. تقديم شكوى جنائية (بعد التشاور مع محام) في غضون 3 شهرا من الحادث إلى المدعي العام، وليس إلى الشرطة.

قد تفعل الشرطة ذلك (ايقافك او سؤالك) إذا كنت على الأقدام ولم ترتكب جريمة (قانون الشرطة).

التحقق من الهوية:
قد يطلبون بطاقة هويتك إذا كنت تشكل خطرا أو اضطرابا. ولهذا الغرض، يجب أن تكون هناك حقائق ملموسة يمكن التعرف عليها. وفيما يسمى “الأماكن الخطرة” (منطقة حظر الأسلحة أيضا) قد تفعل الشرطة ذلك، ولكن لا يزال هناك بعض الارتباط بخطورة المكان.
ولا يجوز لهم أن يتحكموا ببساطة على نحو تعسفي أو عنصري (التنميط العنصري) لان ذلك يتعارض مع مبدأ المساواة في المعاملة من المادة 3 من اتفاقية غريندغيسيتز.
إذا تعذر إثبات هويتك، فقد تأخذكم الشرطة إلى المكتب لأخذ بصمات الأصابع والصور، بالإضافة إلى الخصائص الخارجية (مثل الوشم) لمعرفة من أنت.

الطرد:
يمكن طردك من مكان لبضع ساعات إذا كنت خطرا أو اضطرابا. ولهذا الغرض، يجب أن تكون هناك حقائق ملموسة يمكن التعرف عليها.

الاحتجاز:
يجوز أن يتم نقلك إلى مركز شرطة إذا تعذر إزالة أي اضطراب أو خطر، أو إذا تعذر إثبات هويتك أو إذا كان ذلك ضروريا لتنفيذ أمر الإزالة. يجب أن يتم اعطائك سبباً وعلاجاً قانونياً والفرصة لاستدعاء محام وشخص موثوق به. أطلب رؤية الطبيب إذا كنت تشعر بالسوء.

البحث عن أشخاص وأشياء:
أنت (بما في ذلك ملابسك) وقد يتم البحث في متعلقاتك إذا سمح باحتجازك، سيتم إثبات هويتك، أنت في “مكان خطير” أو تشير الحقائق إلى أنك (1) ترغب في ارتكاب جريمة على أجسام معرضة للخطر أو (2) أنك تحمل متعلقات قد يتم الاستيلاء عليها. ولا يجوز تفتيش الشخص إلا بواسطة أشخاص من نفس الجنس أو بواسطة أطباء.

المصادرة:

قد تتم مصادرة أحد مقتنياتك إذا كان من الضروري إزالة أحد الاضطرابات أو إذا تم احتجازك. ويشمل ذلك أيضا مصادرة أشياء محظورة في منطقة حظر الأسلحة. يجب أن يتم إصدار شهادة بهذا الأمر ويجب أن يتم التعريف بالعلاج القانوني.

وفي الأول من يناير/كانون الثاني 2020 بدأ نفاذ قانون الشرطة السكسونية الجديد.
وهذا يعطي الشرطة سلطات أكبر بكثير، وسيتغير عدد من الفقرات. وتتغير إمكانيات الشرطة المذكورة تغيرا طفيفا: فنتائج تحديد الهوية ممكنة في مناطق حظر الأسلحة مباشرة وداخل المنطقة التي تبعد 30 كيلومترا عن الحدود البولندية والتشيكية.

ويجوز للشرطة القيام بالتالي ذكره إذا اشتبه في ارتكابك جريمة جنائية (قانون الإجراءات الجنائية):

البحث عن الأشياء والشخص (البند 102 من قانون العقوبات):
أنت فقط مشتبه فيه إذا كانت هناك مؤشرات أو حقائق فعلية بأنك قد ارتكبت جريمة جنائية.

فحص بدني: الفقرة 81 a (StPO)

أخذ عينات الدم والبول واختبار العرق. هذه تعد تعديا خطيرا على سلامتك البدنية ولا يجوز إجراؤها إلا على المدعى عليه، وتحتاج إلى موافقة نظرية من القاضي. لإثبات الكحول في الدم، ومع ذلك، هذا ليس ضروريا. أنت لست مجبر على نفخ الهواء، ولكن لتحمل سحب الدم.

كشخص غير مريب (الفقرة 103 من المادة 1 من القانون)
لا يجوز للشرطة أن تفتشك او توقفك إلا إذا كان هناك وقائع قد تسهم في القبض على مشتبه فيه أو في تأمين الأدلة، على سبيل المثال، إذا كان موضوع الجريمة (التي ارتكبها شخص آخر) سيقع عليك أمام أعين الشرطة.

توقيف المزعجين (البند 164 من قانون الإجراءات الجنائية):
يمكن احتجاز كل من يتدخل في مقاضاة الجرائم الجنائية أو الجرائم الإدارية حتى نهاية العمل الرسمي (بحد أقصى حتى نهاية اليوم التالي).

كيف تتصرف في حالة عنف الشرطة؟

إذا وقعت ضحية عنف الشرطة:
محاولة وقف استخدام العنف من خلال الحد من السلوك. وإذا لم يكن هذا مفيدا، فالصرخ الماً لكي ينتبه المارة.
تحدث تحديدا إلى الشهود المحتملين! أخبرهم باسمك ورقم هاتفك، ويرجى الاتصال بهم لاحقا.
إذا كنت تريد في وقت لاحق أن تدافع عن نفسك قانونيا ضد عنف الشرطة (المادة 340 StGB)، فإن الشرطة على الأرجح سوف تبلغ عن المقاومة (البند 113 StGB). راجع مشورة المحامي.

إذا أصبحت شاهدا على عنف الشرطة:
جعل نفسك متاحا للمتضررين كشاهد. يرجى المارة للقيام بالمثل.
CopWatch لديهم بطاقات شاهدِ داخليةِ يُمْكِنك أَنْ تَلتقطَ منّا. إعلام الشخص المعني بحقوقه. عرض مساعدتكم. وفي حالة إلقاء القبض، طلب اسم وعنوان الشخص الذي ألقي القبض عليه.

على أي حال :

إذا وقعت ضحية أو شاهدا على اعتقال أو اعتداء (عنصري) على الشرطة، فسجل الحادث بأكبر قدر ممكن من الدقة في سجل الذاكرة:
مكان ووقت الحادث، ولاحظ الإجراءات، الأسباب التي دعت الشرطة إلى التقدم
وصف شخصي، واتصالات بشهود آخرين.
أرقام الخدمة والخوذة لموظفي الخدمة المدنية، داخل لوحات سيارات الشرطة.


إذا كانت لديك أي أسئلة، هل ترغب في الإبلاغ عن الحالة أو تحتاج إلى المساعدة، فيرجى الاتصال  بـ copwatchleipzig@riseup.net.
من المهم توثيق الحالة، حتى بدون ذكر الاسم. يمكنك أيضا الكتابة إلينا بشكل مشفر.

Polizeigesetz (Police Law)

Wir unterstützen den Aufruf des Bündnisses #PolizeigesetzStoppen in Sachsen, das sich gegen die geplanten Verschärfungen des Polizeigesetzes engagiert.

Kommt zur Demonstration am 8. April 2019 Albertplatz in Dresden!

 

*English and Arabic below*

 

Gegen die autoritäre Politik der Staatsregierung

https://polizeigesetz-stoppen.de/aufruf/

NEIN zum neuen Polizeirecht für Sachsen! #NoPolG

Die Sächsische Staatsregierung aus CDU und SPD forciert mit dem aktuellen Entwurf für die neuen Polizeigesetze eine weitere massive Ausweitung der staatlichen Eingriffsbefugnisse. Mit diesem Gesetzesvorhaben setzt die Koalition einen weiteren Abbau demokratischer Freiheits- und Grundrechte durch und knüpft damit an den autoritären Führungsstil vorheriger, stets CDU- geführter Staatsregierungen an. Wir stellen uns diesen Entwicklungen entschlossen entgegen. Das Gesetzespaket aus Polizeivollzugsdienstgesetz und Polizeibehördengesetz lehnen wir in aller Deutlichkeit ab und fordern den Landtag auf, es nicht zu verabschieden!

Unsere Kritik richtet sich insbesondere gegen folgende Verschärfungen des Gesetzes:

1 Ausweitung der Videoüberwachung, insbesondere mit Gesichtserkennung

Im Gesetz werden weitreichende Befugnisse für den Ausbau hin zu flächendeckender Videoüberwachung im öffentlichen Raum geschaffen. Zusätzlich soll im polnisch-/tschechischen Grenzgebiet in einem Radius von 30 km zur Grenze der Einsatz der stationären automatisierten Kennzeichenerfassung möglich sein. Dadurch wird die Überwachung von ganzen Städten, wie Zittau und Bautzen sowie die Erstellung von umfassenden Bewegungsprofilen möglich. Bei der Videografie im grenznahen Bereich sollen Bildaufnahmen von Passant:innen gefertigt werden, dabei werden auch Fahrer:innen- und Beifahrer:innen videografiert.

2 Maßnahmen gegen sog. Gefährder sowie deren Kontakt- und Begleitpersonen

Gegen alle Personen, bei denen die Polizei meint, dass sie irgendwann in der Zukunft eine schwere oder terroristische Straftat begehen könnten, sind künftig eine Reihe von Eingriffen möglich. Es können Aufenthaltsanordnungen und Kontaktverbote ausgesprochen werden, Personen können längerfristig observiert und Telekommunikationsdaten überwacht werden. Gegen Personen, die verdächtig erscheinen, kann künftig auch die präventive Fußfessel zum Einsatz kommen. Und auch gegen ihre Kontakt- und Begleitpersonen können eine Reihe von Überwachungsmaßnahmen eingesetzt werden. Zum Beispiel ist es möglich, die Wohnungen von Bekannten, Freund:innen und Familienmitgliedern, der von der Polizei verdächtigten Person zu überwachen. Leider haben die letzten Jahre gezeigt, dass die Polizei Sachsen besonders gerne, schnell und nach Gutdünken solche Mittel anwendet. Mehrere Ermittlungsverfahren gegen demokratisch Engagierte und Fußballfans, bei denen massenweise Beschuldigte und deren persönliches Umfeld beobachtet wurden, mussten später ergebnislos eingestellt werden, da sich die erhobenen Vorwürfe der Bildung einer kriminellen Vereinigung nicht im Ansatz bestätigten. Selbst der so genannte Richtervorbehalt konnte solche Vorfälle in der Vergangenheit nicht verhindern.

3 Absenkung der Gefahrenschwellen

Die Polizei hat die Aufgabe der Gefahrenabwehr. Die Befugnisse der Polizei zu einem bestimmten Zeitpunkt richten sich danach, welche Gefahr vorliegt, also z. B. ob die Gefahr abstrakt oder konkret ist. In den letzten Jahren ist ein Trend der Ausweitung solcher Gefahrenbegriffe zu beobachten. Die Polizei erhält dadurch einen größeren Spielraum zur Auslegung dieser Begriffe und so auch die Befugnis, viel früher einzugreifen. In der Regel wird nicht abschließend bestimmt, was mit „Gefahr“ eigentlich gemeint ist. Bei der so genannten abstrakten Gefahr kommt es, aufgrund der schwammigen Definition also vor allem darauf an, ob die Polizei die vorliegende Situation als typischerweise gefährlich einstuft. Auch durch die Ausweitung der so genannten „personifizierbaren Gefahrenlagen“ werden Maßnahmen gegen so genannten Gefährder weit ins Vorfeld einer konkreten Gefahr verlagert und schon dann zulässig, wenn noch kein konkretisiertes und zeitlich absehbares Geschehen erkennbar ist. Die Kriterien für das eine Gefahr begründende, individuelle Verhalten werden von der Polizei nicht bekannt gegeben, sodass sie praktisch jeden treffen können.

4 Einführung der präventiven Telekommunikationsüberwachung

Das Mithören und Speichern laufender Kommunikation (Gespräche, SMS etc.) ist bereits heute in Ermittlungsverfahren wegen schwerer Straftaten möglich. Künftig soll die Polizei auch schon dann mithören und -lesen können, wenn sie denkt, dass eine solche Straftat in absehbarer Zeit, das bedeutet ohne konkreten Verdacht, begangen wird. Betroffen sind Verkehrs- und Bestandsdaten, also Daten wie der Name und das Geburtsdatum, aber auch Verbindungsdaten des Telefons.

5 Aufrüstung und Militarisierung der Polizei

Künftig erhält das Sondereinsatzkommando (SEK) der Polizei Befugnisse zum Einsatz von Handgranaten und Maschinengewehren. Die auf dem gepanzerten Fahrzeug Survivor R angebrachte Befestigung für Maschinengewehre verdeutlicht den Grad der fortschreitenden Militarisierung der Polizei. Das SEK wurde wiederholt auf Demonstrationen eingesetzt. Die Grenzen der Verhältnismäßigkeit polizeilichen Handelns werden dadurch überschritten, denn der zivilgesellschaftliche Protest wird durch martialisches Auftreten, wie beispielsweise in Wurzen im September 2017, eingeschüchtert. Auch die Bereitschaftspolizei wurde in den vergangenen Jahren systematisch aufgerüstet. Die Befugnisse der neuen Polizeibehörden, also der Ordnungsämter, werden massiv ausgeweitet. Neben Identitätsfeststellungen dürfen sie nun auch unmittelbaren Zwang ausüben Zudem sind sie künftig mit Schlagstock und Reizgas ausgerüstet.

6 Abschwächung des Schutzes von Geheimnisträger:innen

Mit dem neuen Polizeirecht soll künftig der Schutz von Berufsgeheimnisträger:innen aufgeweicht werden. Ärzt:innen, Psychotherapeut:innen und Journalist:innen sind im neuen Polizeigesetz schlechter gestellt. Diese Berufsgruppen können künftig ohne ihr Wissen bereits weit im Vorfeld einer Straftat abgehört werden, was einen tiefen Einschnitt in ihre Berufsfreiheit darstellt. Schon in der Vergangenheit hat die Polizei in Sachsen den Schutz dieser Berufsgruppen wiederholt verletzt.

Gegen den Weg in den autoritären Rechtsstaat – Für Demokratie und Bürgerrechte in Sachsen

Die neuen Polizeigesetze greifen in die Grundrechte ein und können uns alle treffen. Es reicht bereits, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Doch es muss klar sein: manche wird es früher und härter treffen als andere – nämlich diejenigen, die bereits heute besonderes Ziel polizeilicher Eingriffe sind. Durch den im Polizeigesetz vorgesehenen Ausbau von Schleierfahndungen, die mit intelligenter Videoüberwachung und der präventiven gezielten Kontrolle von Personen kombiniert werden, wird beispielsweise die Möglichkeit rassistischer Polizeikontrollen erleichtert. Auch Wohnungslose, psychisch Kranke, politisch Aktive, Drogenkonsument:innen, Streikende, Fußballfans und viele weitere werden die Maßnahmen verstärkt zu spüren bekommen. Auch werden neue Rechtsbegriffe eingeführt, deren Regelungsbereich bewusst schwammig bleibt und die eine weite Auslegung zulassen. Wann beispielsweise die „überschaubare Zukunft“ eintreten wird, die das Vorgehen gegen abstrakte Gefahren legitimieren, entscheidet im Zweifel die Polizei.

Im Jahr 2017 hatte Deutschland die niedrigste Kriminalitätsrate seit einem Vierteljahrhundert. Trotzdem werden derzeit in mehreren Bundesländern die Polizeigesetze in rasantem Tempo verschärft, durch die der Staat mehr und mehr zu einem Überwachungsstaat ausgebaut wird. Den Landesregierungen reichen vage Terrorängste und ein diffuses Unsicherheitsgefühl in der Bevölkerung als Anlass um all jene Befugnisse auszubauen, die eine umfassende Überwachung ermöglichen. Gerade in Sachsen bleiben dagegen andere drängende Probleme – wie die grassierenden Mängel im Bildungsbereich („Lehrermangel“), Pflegekräftemangel, der Mangel an bezahlbaren Wohnungen in den Städten oder die Vernachlässigung der Infrastruktur auf dem Land sowie die immer größer werdende soziale Ungleichheit – seit Jahren ungelöst. Dabei fällt auf, dass Polizei und Innenministerium bei rassistischen Übergriffen und rechten Ausschreitungen, also da wo sie aktuell dringend benötigt würden, in den letzten Jahren systematisch versagt haben. Die sicherheitspolitischen Verantwortlichen lassen die Zivilgesellschaft im Regen stehen, während sie sich mit ihrer Law and Order Rhetorik bei der rechten Wähler:innenklientel anbiedern.

Die sächsische Staatsregierung versucht, wie auch andere Landesregierungen und das CSU-geführte Bundesinnenministerium, sich durch die neuen Polizeigesetze zu profilieren und Handlungsfähigkeit zu demonstrieren. So bereitet sie den Weg in den autoritären Polizei- und Überwachungsstaat! Menschen, die überwacht werden, sind unfrei und verändern ihr Handeln.

Wir kämpfen für Freiheit ohne Überwachung. Wir brauchen einen anderen Politikstil in Sachsen und eine demokratische Kontrolle der Polizei! Wir wollen eine gerechte Gesellschaft und soziale Antworten im Umgang mit den Problemen statt einer autoritären Sicherheitsarchitektur!


→ den Aufruf unterzeichnen


Polizeigesetz stoppen! ist ein breites Bündnis und ruft alle zivilgesellschaftlichen Organisationen und Einzelpersonen in Sachsen auf, den Aufruf und den vielfältigen Protest zu unterstützen. Folgende Organisationen sind Teil des Bündnisses „Polizeigesetz stoppen!“:

Aktionsnetzwerk Leipzig nimmt Platz
AKuBiZ e. V.
Antidiskriminierungsbüro Sachsen
Antifaschistischer Aufbau Zwickau
Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen Leipzig
Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen Sachsen
Autodidaktische Initiative e. V.
Bündnis 90/Die Grünen Chemnitz
Bündnis 90/Die Grünen Leipzig
Bündnis 90/Die Grünen Sachsen
Bündnis Privatsphäre Leipzig
Bündnis Sachsens Demokratie
Café Connect
CopWatch Leipzig
Die Linke. Erzgebirge
Die Linke Leipzig
Die Linke. Sachsen
Die Linke.SDS Leipzig
Digitalcourage e.V.
Erich-Zeigner-Haus e. V.
Grüne Jugend Basisgruppe Leipzig
Grüne Jugend Sachsen
Initiative für Versammlungsfreiheit
Internationalistisches Bündnis Leipzig
Jusos Sachsen
Kritische Einführungswochen
Kritische Jurist*innen Leipzig
Kritische Lehrer*innen
Linksjugend [’solid] Erzgebirge
Linksjugend [’solid] Sachsen
linXXnet e. V.
Macht Los e.V.
Naturfreundejugend Leipzig
Piraten Sachsen
Prisma – Interventionistische Linke
Republikanischer Anwältinnen- und Anwälteverein e.V. (RAV)
Rote Hilfe – Ortsgruppe Leipzig
say it loud e. V.
Selbstorganisierte Basisgewerkschaft (SelBa)
Solidarische Jugend [Le]
Stadtbezirksverband DIE LINKE. Leipzig-Süd

 

Call to Action – Against authoritarian politics in Saxony

 

Say NO to the new police law for Saxony! #NoPolG

The Saxonian state government of the CDU and SPD coalition seeks to expand possibilities for government and police intervention through their draft for a new police law. This law, which may be seen as coming from a direct line of former CDU-led authoritarian-style governments, will greatly diminish democratic rights and liberties. We will take a stand against these developments! We reject the drafts for a new police enforcement and police agency law and demand of parliament not to pass these laws under any circumstances!

We criticize the following aspects of the laws:

1 Expansion of video surveillance including facial recognition

The law will allow the expansion and blanket coverage of public spaces with video surveillance technologies. In addition to that, the installation of automatic license plate scanners in a 30 km radius to the Polish and Czech borders will be allowed. Through this measure, entire cities such as Zittau and Bautzen may be put under full surveillance, which will include the possibility of creating detailed movement profiles of subjects. Videography of border areas will include creating video material of any citizens as well as drivers and passengers.

2 Measures against so-called dangerous subjects (“Gefährder”) as well as their contacts

All persons who police consider may possibly commit a felony or terrorist act at some point in the future will be at risk of additional measures through the new police law. Police will be able to give out orders pertaining the place of residence and restrict or prohibit contact to certain other persons. Long-lasting surveillance measures including surveillance of telecommunication data will be possible as well. Persons considered “suspicious” may be forced to wear electronic ankle bracelets as a preventive measure. Anybody coming in contact with “suspicious” or “dangerous subjects” may become subject to surveillance measures themselves. The new law will allow police to put apartments of acquaintances, friends, and family members of any “suspicious” person under surveillance as well. As the last years have shown, Saxonian police are unfortunately quite happy to quickly and indiscriminately use measures similar to the ones mentioned above. Several preliminary investigations against democratic activists as well as soccer fans that had included a huge surveillance effort of the defendants and their personal contacts had to be cancelled when it became clear that allegations of creating a criminal organization could not be verified or proven in any way. In the past, even the requirement of a judicial decree could not stop such events from happening.

3 Re-definition of concepts of “danger”

Police are responsible for averting all dangers. What police are permitted to do depends on the kinds of dangers they may be dealing with, such as abstract or concrete risks or dangers. During the last years, concepts of what is considered a risk or a danger have been expanded, allowing for police to apply a wider range of interpretations of these concepts, usually leading to earlier interventions and police measures. Usually there is no set definition of what a “danger” actually means. This also applies to “abstract dangers”, allowing police to rate a situation as fitting a “typical danger-set”. Aligning with the expansion of who or what a “dangerous subject” may be, police would be able to take action long before a concrete danger may be predicted. Criteria for individual actions that may be considered “dangerous” by police have not been made public so that anybody might become a target of police actions.

4 Preventive surveillance of telecommunications

During preliminary proceedings of felonies or similar crimes, it is already possible currently for police to listen to and record communications such as phone calls, texts, etc. With the new police laws, police will be permitted to listen to and read communications if they think a crime may be committed in the future – concrete or reasonable suspicion will no longer be necessary. This applies to data such as name and birth-date, as well as connection data and phone records.

5 Armament and militarization of police

Special police squads such as SEK (“Spezialeinsatzkommando”) will be permitted to use hand grenades and machine guns. As the armored police vehicle Survivor R has already been set with a machine gun mount, the growing militarization of police has become apparent. Furthermore, special police squads such as SEK have repeatedly been used to monitor public demonstrations. This can no longer be considered reasonable as it blurs the lines between police and military and prevents civil protests as the public will be intimidated by the way police present themselves. This could be seen during the protests in Wurzen of September 2017. Riot police have been part of the growing militarization as well. The new “police agency”, as the Departments for Public Order are now called, have already received further permissions: in addition to being permitted to verify a person’s identity, they are now permitted to use force and will be permitted to use clubs and tear gas or pepper spray.

6 Weakening of secret carriers’ protections

People who are protected according to laws of professional secrecy such as medical doctors, psychologists, or journalists, will have less rights with the new police laws. With the new laws, people who may claim professional secrecy may be targets of surveillance without being informed long before any crimes have been committed. In the past, police in Saxony has been know for ignoring the rights of professional secrecy.

Stop the way towards an authoritarian regime – claim democracy and freedom for Saxony!

The new police laws will cut back on our basic rights and may target all of us. You may just have to be at the wrong place at the wrong time to become a target. However, some groups will be targeted first and hardest: groups that have already been targeted by police action. The expansion of dragnet controls combined with AI video surveillance and preventive measures against certain groups will make racial profiling easier. Homeless people, people with mental illnesses, political activist, drug addicts, workers on strike, soccer fans, and many other groups will be targeted even more. New judicial terms that are not clearly defined and may be interpreted freely by police add to this risk.

2017 saw the lowest crime rates for Germany of the last 25 years. Nevertheless, new police laws have been passed very quickly in several German states, moving the country more and more towards a surveillance state. State governments claim vague fears of terrorism or general threats of crime to expand all laws that will permit blanket surveillance. Other important issues such as shortage of teachers and nurses, affordable rent in the cities, the lack of infrastructure in rural areas, as well as growing disparities in society have remained unsolved for years. However, when it comes to racist attacks and Nazi riots, police and the Department of the Interior of Saxony have consistently failed to act. Organizations of the public sphere have been left alone to deal with the issues while the state government cozies up to right-wing voters using law and order rhetorics.

Through the new police laws, the Saxonian state government, similar to other state governments and the CSU-led Federal Department of the Interior, seek to make their mark and demonstrate their capability to act. This paves the way for an authoritarian police- and surveillance state! People who are subjects of constant surveillance are no longer free and change the way they act.

We fight for freedom without surveillance. We need a different style of politics in Saxony as well as democratic measures to control police! We want a fair society and socially minded answers for the issues we are facing instead of an authoritarian security apparatus!


→ sign the call to action

 

لا لحقوق الشرطة الجديدة لأجل ساكسونيا

لا لحقوق الشرطة الجديدة لأجل ساكسونيا! #NoPolG

حكومة ساكسونيا الجديدة المشكلة من الحزب المسيحي الديمقراطي والحزب الاشتراكي الاجتماعي سيفرضون المزيد من السلطات الحكومية عن طريق مشروع قرار القوانين الجديدة المتعلقة بالشرطة. مشروع هذا القانون سيفكك الحريات الديمقراطية والحقوق الأساسية من خلال اعتماد نهج سلطوي قديم يقوده وكما العادة الحزب المسيحي الديمقراطي. نحن قررنا ان نكون ضد مشروع هكذا قرار. حزمة قوانين خدمة الشرطة ودوائر الشرطة نرفضها بشكل صريح ونطالب برلمان المقاطعة بعدم إقرارها!

نقدنا لمشروع القرار يدور بشكل خاص حول التشديدات التالية للقانون الجديد:

1 توسيع مساحة المراقبة بكاميرات الفيديو وبشكل خاص إمكانية التعرف على الوجه

في مشروع القانون سيتم إعطاء المزيد من الصلاحيات لمراقبة مساحات أكثر في الأماكن العامة باستخدام كاميرات الفيديو. بالإضافة إلى ذلك سيتم تجهيز مراكز الية لمراقبة لوحات السيارات على طول الحدود البولندية والتشيكية مع ألمانيا في قطر 30 كم. من خلال ذلك ستكون مراقبة مدن بأكملها كباوتزن وزيتاو ممكنة كما إعداد حسابات حركة لكل العابرين هناك. سيكون التصوير في كامل منطقة الحدود وسيتم إلتقاط صور من كل المارة كما السائقون/ات والذاهبين معهم.

2 إجراءات ضد ما يسمى ب “الخطر” أو “الخطير” كما من يحيطون بهم أو يتواصلون معهم.

ضد كل الأشخاص ــ كما قالت الشرطة ــ الذين من الممكن أن يقوموا بعمل إرهابي أو مخالفة كبيرة في المستقبل، سيكون للشرطة الحق في التدخل. يمكن للشرطة تحديد مكان الإقامة ومنع التواصل مع الشخص. هؤلاء الأشخاص يمكن أن يتعرضوا للمراقبة لفترات طويلة وأن يتم التنصت على كل ما يقولونه. ضد الأشخاص المشتبه بهم يمكن أن يجبروا في المستقبل على ارتداء طوق القدم المانع. أيضا المجموعة المحيطة بهؤلاء الأشخاص يمكن التنصت عليها لفترات طويلة. على سبيل المثال: سيكون من الممكن للشرطة أن تراقب منزل أحد اصدقائك، معارفك أو حتى أعضاء من العائلة. للأسف أظهرت لنا السنوات الأخيرة بأن شرطة ساكسونيا بالأخص ترغب وبكل متعة باستخدام هكذا وسائل. هذا ما فعلوه مع الكثير من النشطاء السياسيين وبعض مشجعي كرة القدم. في النهاية لم تثب المراقبة أي شيء إجرامي بحق المتهمين. حتى ما يسمى بتحفظ القاضي على هذه الإجراءات لم يمنع حدوثها في الماضي.

3 هبوط نسبة المخاطر

الشرطة لديها وظيفة درء الخطر. سلطة الشرطة تعتمد على طبيعة الخطر في حدث معين، على سبيل المثال فيما إذا كان الخطر مجردا أو ملموسا. في السنوات الأخيرة يلاحظ توجه نحو توسيع بعض مصطلحات الخطر. الشرطة تستفيد من ذلك لامتلاكها مساحة أكبر لتفسير هكذا مصطلحات وبالتالي المزيد من السلطة للتدخل بشكل مبكر أكثر. في العادة لم يتم تحديد ما هو معنى الخطر. عند ما يسمى ب ” المخاطر المجردة” وبسبب ميوعة هذا المصطلح يعتمد التعريف هنا على الشرطة وما تراه كخطر عادة. من خلال هذا التوسعة لصلاحيات الشرطة تحت المسمى ” حالات الخطر القابلة للتحديد” سيتم إتخاذ إجراءات ضد من يسمون ب “الخطيرين” كما لو أنهم مرتكبين لجرم واقعي، حتى لو لم هنالك إشارة الى عمل أو حدث قادم خطير. المعايير التي تحدد فيما إذا كان الشخص بالنسبة للشرطة خطرا لن يتم الكشف عنها لكي يكون الكل عرضة لهذه الإجراءات.

4 إدراج مراقبة الاتصالات الوقائية

التنصت وتسجيل الاتصالات (محادثات، رسائل نصية، الخ) ممكنة مسبقا بالنسبة للجرائم الخطيرة. في المستقبل سيكون في قدرة جهاز الشرطة التنصت والمراقبة عندما تظن أن هكذا جرائم يمكن أن تحدث ولكن بدون الضرورة لوجود اشتباه مؤكد. المعلومات المستهدفة ستكون بيانات الحركة والشخصية، يعني بيانات مثل الاسم وتاريخ الميلاد وأيضا بيانات اتصال الهاتف او الخليوي

5 تسليح وعسكرة الشرطة

في المستقبل ستخصل وحدة التدخل الخاصة (SEK) التابعة لجهاز الشرطة على صلاحيات لاستخدام القنابل والأسلحة الرشاشة. الأسلحة الرشاشة المركبة على شاحناتها توضح وبشكل صريح درجة العسكرة داخل هذا الجهاز. هذه الوحدة تم استخدامها بشكل متكرر ضد المظاهرات. الحدود لتعاطي الشرطة سيتم خرقها بشكل واضح عن طريق هذه الإجراءات لان الاحتجاج المدني سيواجه بشكل عسكري في المستقبل. كما حصل في فورزن سنة 2017. حتى أن جاهزية الشرطة لاستخدام السلاح تطورت في السنوات الأخيرة. الصلاحيات لدوائر الشرطة كدوائر حفظ النظام ستصبح أكبر بشكل ملحوظ. بجانب قدرتهم على التحقق من الهوية سيكون بإمكانهم الان استخدام أدوات مباشرة للقمع كعصا للضرب وغاز الرز.

6 التباطؤ في حماية مبدأ السرية:

مع قانون الشرطة الجديد ستكون حماية مبدأ السرية في المستقبل في وظائف معينة معرضة للخطر. الأطباء والمعالجين/ات النفسيين والصحفيين/ات سيسوء وضعهم في قانون الشرطة الجديد. هذه المجموعات سيتم التنصت عليها بدون علمها في المستقبل في حال الاشتباه بجرم ما. وهذا يعرض خرقا فاضحا لحرية العمل. مسبقا قامت شرطة ساكسونيا عدة مرات بالتعدي على حرية العمل والذي يعتبر دستوريا من الحقوق الأساسية للأفراد.

ضد الطريق إلى دولة قانون سلطوية ــ من أجل الديمقراطية والحقوق المدنية في ساكسونيا

قانون الشرطة الجديد يتدخل في الحقوق الأساسية وسيؤثر فينا جميعا. يكفي فقط أن تكون في الوقت الخاطئ والمكان الخاطئ. لكن يجب أن يكون واضحا: البعض سيتأثرون بهذا القانون أكثر من غيرهم. بالضبط أولئك الذين هم عرضة بشكل خاص لتدخل الشرطة. من خلال مراقبة الفيديو الذكية والرقابة الوقائية ستكون الفرصة لرقابة الشرطة العنصرية أكثر سهولة. أيضا المشردين، المرضى النفسيين والنشطاء السياسيين ومشجعي كرة القدم سيكونون أكثر تأثرا بهذا القانون الجديد. بالإضافة لذلك تم تمرير مصطلحات قانونية جديدة بحيث تكون مساحات تطبيقها مائعة تسمح بالتوسع حسب التفسير لكل مصطلح. على سبيل المثال “المستقبل الواضح” وهنا المقصود تشريع إجراءات ضد أخطار تجريدية وهذا تحدده الشرطة في النهاية.

في عام 2017 انخفض معدل الجريمة في ألمانيا لأدنى مستوى في أخر ربع قرن. بالرغم من ذلك يتم إقرار مشاريع قوانين للشرطة في عدة ولايات والتي تمهد لبناء دولة مراقبة. البرلمانات تبث مخاوف الإرهاب وشعورا مريضا بعدم الأمان بين العامة كمناسبة لتوسيع صلاحياتها والتي تسمح لها في المستقبل بمراقبة واسعة النطاق. في نفس الوقت تعاني مقاطعة ساكسونيا من مشاكل أخرى على رأسها النقص في الكادر التعليمي والعناية بالمسنين وقلة المساكن المنخفضة الأجرة في المدن والبنية التحتية المتهتكة في الأرياف كما الهوة المتزايدة في الاتساع بين الطبقات. هنا من الملاحظ أن الشرطة ووزارة الداخلية قد فشلوا تماما في مهمتهم في السنوات الأخيرة خاصة في موضوع الهجمات العنصرية أعمال العنف اليمينية. المسؤولون الأمنيون السياسيون تركوا المجتمع المدني معلقا بينما كانوا منشغلين في هرطقة القانون والنظام عند الناخبين اليمينيين.

الحكومة الساكسونية تحاول، كما الحال في ولايات اخرى وأيضا كما وزارة الداخلية الاتحادية المقادة من قبل الحزب الاجتماعي المسيحي، أن ترسخ صورتها وتعرض مهاراتها من خلال قوانين الشرطة الجديدة. وهكذا تمهد الطريق لدولة البوليس والمراقبة السلطوية! الناس الذين يتم مراقبتهم ليسوا بأحرار وسيجبرون على تغيير تصرفاتهم.

نحن نناضل من أجل الحرية بلا مراقبة. نحن بحاجة لنمط سياسي اخر في ساكسونيا ومراقبة ديمقراطية للشرطةّ! نريد مجتمعا عادلا وحلولا اجتماعية في التعاطي مع المشاكل العالقة وليس هندسة أمنية سلطوية!


Aktionstag in LE

Cornern gegen Polizeigewalt

/// Freitag 15.03.19 /// 16 Uhr Rabet ///

Ob Mord, Misshandlungen oder psychische Gewalt – rund um den Globus verüben Polizist*innen massive Gewalt an Menschen, die sie vorgeben zu schützen. Auch viele „freiheitlich-demokratische“ Staaten vollziehen eine autoritäre Wende und erleichtern ihren Polizeiapparaten zunehmend den folgenlosen Einsatz von Gewalt durch repressive Gesetzgebung. Auch in Deutschland werden die Zugriffsrechte der Polizei erheblich erweitert, ihre Strategien und Ausrüstung zunehmend militarisiert. Dieser gefährlichen Entwicklung und den Zuständen, unter denen bereits heute unzählige Menschen leiden, stellen wir uns entschieden entgegen! Wir fordern ein Ende der Gewalt durch Polizist*innen!

Am 15. März werden wir gemeinsam mit Genoss*innen und Freund*innen auf der ganzen Welt den internationalen Tag gegen Polizeigewalt zum Anlass nehmen, den unzähligen Toten zu gedenken und anderen Betroffenen unsere Solidarität zu demonstrieren. Sexarbeiter*innen, Aktivisti*nnen, Wohnungslose, prekär Lebende und Menschen mit rassistischer Diskriminierungserfahrung sind Gewalt und Willkür des Polizeiapparats besonders ausgesetzt. Ohnehin gilt ihnen unsere Solidarität, an diesem Tag erst recht!

Zusammen mit allen CopWatch und KOP Gruppen in Deutschland organisieren wir daher den Aktionstag. https://buendnis1503.blackblogs.org/

Kommt deshalb am Freitag den 15.03. ab 16:00 Uhr ins Rabet zum Cornern gegen Polizeigewalt! Gemeinsam wollen wir uns austauschen und durch unsere Anwesenheit ein Zeichen gegen Repression und Diskriminierung setzen. Es wird einen Stand mit Infomaterialien rund um Polizei, Waffenverbotszone und Diskriminierung geben, Foto- und Transpiaktionen sind geplant. Bringt gerne mit, was ihr braucht, um mit uns einen (hoffentlich) sonnigen Freitag im Rabet zu verbringen.

Im Anschluss gibt es Küche für Alle in der Hedwigstraße 6. ab 19:00 Uhr . Dort wird es auch einen Input zur Demonstration am 23.3.19 in Frankfurt a.M. rund um NSU 2.0, Hanniball und Rechtsruck geben. Außerdem werden dort die Restkarten für die gemeinsame Busanreise verkauft.
Mehr Infos dazu unter: https://copwatchleipzig.home.blog/2019/03/02/aufruf-zur-demo-gegen-den-rechtsruck-in-staat-und-gesellschaft-am-23-03-2019-in-ffm/

 

*English*

 

Cornering against police violence

/// Friday 15.03.19 /// 16.00 Rabet ///

Whether murder, ill-treatment or psychological violence – police(wo)men around the globe perpetrate massive violence against people they claim to protect. Many “liberal-democratic” states are also taking an authoritarian turn and increasingly making it easier for their police apparatuses to use violence without consequence through repressive legislation. In Germany, too, police access rights are being considerably extended and their strategies and equipment increasingly militarised. We are resolutely opposed to this dangerous development and the conditions under which countless people are already suffering today! We demand an end to police violence!

On 15 March, together with comrades and friends all over the world, we will take the international day against police violence as an opportunity to commemorate the countless dead and to demonstrate our solidarity with other victims. Sex workers, activists, homeless people, people living in precarious situations and people with experience of racist discrimination are particularly exposed to violence and arbitrariness by the police apparatus. In any case, our solidarity is with them, especially on this day!

Together with all CopWatch and KOP groups in Germany we organize the action day. https://buendnis1503.blackblogs.org/

Therefore come on Friday the 15.03. from 16:00 o’clock in the Rabet to Corner against police violence! Together we want to exchange ourselves and set a sign against repression and discrimination by our presence. There will be a stand with information material about police, weapons prohibition zone and discrimination, photo and transpiactions are planned. Please bring what you need to spend a (hopefully) sunny Friday with us in the Rabet.

Afterwards there will be a kitchen for everyone in Hedwigstraße 6 from 19:00. There will also be an input for the demonstration on 23.3.19 in Frankfurt a.M. around NSU 2.0, Hanniball and Rechtsruck. In addition the remaining tickets for the common bus journey are sold there.
More information is available at: https://copwatchleipzig.home.blog/2019/03/02/aufruf-zur-demo-gegen-den-rechtsruck-in-staat-und-gesellschaft-am-23-03-2019-in-ffm/

 

Anreise Infos

Gemeinsame Busanreise von Dresden und Leipzig (60 Plätze) ziemlich früh morgens

Der Bustreffpunkt ist auf den Tickets abgedruckt.

 

Tickets gibts im

Musikhaus Korn, Simildenstraße 2, Leipzig (Connewitz)

Zu Spät, Kippenbergstraße 28, Leipzig (Reudnitz)

 

Preise für die Tickets ist bei Kostendeckung 34,70 € bitte schätzt selbst ein wie gut ihr
finanziell aufgestellt seid und zahlt entsprechend.
Wir haben drei Kategorien:
a) Welcome Niedrigpreis 10 € (für die Leute die echt keine Kohle haben)
b) Normalpreis 20 € (spart man immer noch fast 15 €)
c) Supporter 40 € plus (damit unterstütz du die Refinanzierung)

 

*English*

Arrival by bus from Dresden and Leipzig (60 seats) rather early in the morning

The bus meeting point is printed on the tickets.
Tickets are available in the

Music House Korn, Simildenstraße 2, Leipzig (Connewitz)

Zu Spät, Kippenbergstraße 28, Leipzig (Reudnitz)
Prices for the tickets are 34,70 € please estimate yourself how good you are and pay accordingly.
We have three categories:
a) Welcome low price 10 € (for people who really don’t have any money)
b) Normal price 20 € (you still save almost 15 €)
c) Supporter 40 € plus (with this you support the refinancing)