Filmreihe COPS in Leipzig

In Leipzig gibt es vom 1.9-10.9. die mega coole Filmreihe COPS zur Polizei und Polizeiproblem, vom Cinémathèque e.V. organisiert.
http://cinematheque-leipzig.de/index.php?seite=Start&reihe=583
Am 2.9. sind wir eingeladen: nach dem Film DETROIT von Kathryn Bigelow, beginnt 19.00 in der NATO, gibt es dort ein Gespräch mit uns zum Thema: Aktuelle Entwicklungen deutscher Polizeien zur medialen und politischen Akteurin.
Ankündigungstext: Die Polizei ist politischer Akteur! Der Polizeiapparat ist die erste Instanz in der Deutung um Kriminalität und Sicherheit. Dabei geht gerne unter, inwieweit die Datenerfassung von Kriminalität verzerrt ist, Pressemitteilungen faktisch falsch sind oder Polizeigewalt strukturell gedeckt wird. Gerne wird das Narrativ um Gewalt umgedreht und die Polizei stilisiert sich zum Opfer ziviler Aggressoren – Vieles davon im Sinne einer Forderung nach mehr Mitteln und mehr Befugnissen. Die Deutungshoheit der Polizei und damit verbundene autoritäre Ideen von Sicherheit schaffen sich weiterhin ihre eigenen Exempel mit der Stigmatisierung bestimmter Bezirke als „Gefährliche Orte“, wie auch die Waffenverbotszone in der Eisenbahnstraße. Nun steht die Evaluation der WVZ bevor – ein bereits seit Jahren andauernderndes Game der Auslegung und Rechtfertigung autoritärer und rassistischer Praxis. Aktuelles zu dieser Situation und allgemeine Entwicklungen zur Diskursarbeit der Polizei wollen wir am 2.9. im Anschluss an „Detroit“ einführen und diskutieren.
Die NaTO befindet sich in der Karl-Liebknecht-Straße 46 und ist mit der Tram 10 und 11 zu erreichen. Es wird ein Hygienekonzept geben.
Einen Überblick, was noch so für Filme laufen gibt es hier:
https://www.facebook.com/events/327822204922228/?event_time_id=327822214922227

Studie zu Rassismus und Rechtsextremismus bei der Polizei

Solidarische Grüße an alle Betroffenen von #racialprofiling #Opernplatz in #ffm. Ihr seid nicht allein!

Im Gegensatz zum LPolPräs und PolPräs #Dresden, hält IM #WöllerRücktritt eine Studie Racial Profiling in #Sachsen nicht für nötig, denn „Rassistisch profilierte Personenkontrollen finden bei der sächsischen Polizei nicht statt“ (PolSprecher Ziehm).
Forderunen an die polizei sachsen

Eine Aussage, die an Arroganz und Falschheit kaum zu übertreffen ist und genau das Problem offenbart, vor dem sie sich verschließen: dass Rassismus – die Abwertung, Ausgrenzung und Ausbeutung anderer im Allgemeinen, People of Color im Spezifischen – elementarer Bestandteil unserer kapitalistisch organisierten Gesellschaft ist. Das Eingestehen und die konsequente Ausmerzung von Diskriminierung würde den Zusammenbruch des Systems bedeuten, welches die Polizei (mit Gewalt) zu stabilisieren hat.

Wir sagen, Racial Profiling, andere diskriminierende Praktiken und Polizeigewalt sind alltäglich; wir sehen es jeden Tag und bekommen zahlreiche Berichte. Eine unabhängige und professionelle Studie muss es geben, ebenso eine Einstellungsforschung zu Rechtsextremismus innerhalb aller sächsischen Sicherheitsapparate!

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Hilde Resists II

9.7.20, Donnerstag 20.30 Uhr: Filmabend im Rabet (an der Graffitiwand)

Geschaut werden internationale Kurzfilme (OmU), die sich mit Fragen über Migration, Rückkehr, Heimat beschäftigen. Bringt Mundschutz und Decken mit, denkt an Abstand.

https://www.facebook.com/events/662690010952466/

10.7.20, Freitag 16-20 Uhr: Hintergründe, Ausstellung, Vernetzung

in der Eisenbahnstraße

Aus der Veranstaltungsankündigung: „In der Nacht vom 9. auf den 10. Juli 2019 riss die Polizei einen Menschen brutal aus seiner Familie um ihn abzuschieben. Hunderte Menschen blockierten die Hildegardstraße und versuchten die Abschiebung zu stoppen. Der Polizei gelang es mit einem Großaufgebot und massiver Gewalt dennoch, das Vorhaben durchzusetzen. Viele Demonstrierende wurden verletzt, zwei Personen waren über Monate in Untersuchungshaft.

Dieser Einsatz führte einer breiten Öffentlichkeit vor Augen, mit welcher Härte der Staat eine gewaltvolle Abschiebepraxis durchsetzt. Und das in einem Viertel, in dem Polizeipräsenz und Racial Profiling alltäglich sind.

Wir wollen uns dieses Jahr mit Euch vernetzen, um zu verstehen, in welchem politischen Kontext diese Abschiebung steht. Lasst uns gemeinsam für einen solidarischen Stadtteil einstehen. Gegen Rassismus, Abschiebepraxis und Polizeigewalt.

Stationen
1: Repression w/ Soli-Kommitee
2: Abschiebepraxis w/ Flüchtlingsrat Sachsen
3: Racial Profiling w/ Unofficial Pictures
4: Polizeigewalt w/ Cop Watch LE
5: INTERVENTION“

https://www.facebook.com/events/2423119134658892/

Waffenverbotszone: Kontrollen und Verstöße im 3. Halbjahr

Wieder haben wir uns die Antworten der sächsichen Staatsregierung angeschaut, wie die Zahlen zur Waffenverbotszone auf der Eisenbahnstraße in Leipzig so aussehen. Mal wieder hat sich bestätigt: die WVZ ist aus sozialer, politischer, kriminalpolitischer und rechtsstaatlicher Sicht totaler Quatsch. Autoritärer und diskriminierender Quatsch.

Von Oktober 2019-März 2020 (6 Monate) wurden bei mindestens 1366 Kontrollen 67 Verstöße festgestellt. Das bedeutet, dass bei 95,1 % der Kontrollen nichts gefunden wurde. Nur ungefähr jeder Dritte „Verstoß“ wird auch geahndet, damit wird nur bei ungefähr 1,5% der Kontrollen etwas Strafwürdiges gefunden.
Warum wir hier nur ungefähre und keine ganz genauen Angaben machen können, erfahrt ihr im Text.

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Die Auswertungen der letzen beiden Halbjahren findet ihr hier: https://copwatchleipzig.home.blog/zwischenbilanz/

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#Kulturrelevant

Wir waren am Freitag eingeladen zum #kulturrelevant Radio des Ostpassagetheaters. Zusammen mit zwei Künstlerinnen haben wir uns über Aktivismus in Zeiten von Corona unterhalten.

Außerdem gab es mal wieder eine Kritik der Waffenverbotszone und der Polizei von uns, und es ging um die Frage, ob in dieser Situation auch eine Chance auf Positives besteht. Ja, finden wir: nach Fridays for Future Proteste letztes Jahr, dieses Jahr eine neue Kapitalismuskritik durch die wieder von Corona sichtbar gemachten sozialen Missstände, und antirassistische Proteste von #BlackLivesMatter – eine neue (Jugend)Bewegung entsteht, der es um einen gesamtgesellschaftliche Kritik geht und eine sozioökonomisch gerechtere Gesellschaft anstrebt.

Könnt ihr hier hören oder auf Spotify:

https://ost-passage-theater.de/kulturrelevant/

Unteilbar 2020

Solidarität statt Verdrängung, Überwachung und Rassismus – Unteilbar Juni 2020

Das Gebiet um die im Leipziger Osten gelegene Eisenbahnstraße ist seit November 2018 eine so genannte „Waffenverbotszone“.

Kern dieser Verordnung vom Innenministerium ist, dass jede Person, die absichtlich oder unwissentlich eine Waffe oder einen gefährlichen Gegenstand mit in dieses Gebiet nimmt, bis zu 10.000€ Strafe zahlen muss. Natürlich nur, wenn sie dabei erwischt wird und nur wenn die Polizei einen Gegenstand auch als potentiell gefährlich interpretiert. Grundlage dafür ist, dass einfach das gesamte Gebiet zu einem polizeirechtlich sog gefährlichen Ort erklärt wird, mit der Folge, dass wir im Leipziger Osten mit mehr Polizeipräsenz und -kontrollen konfrontiert sind. Trotz Zweifeln an der Verfassungsmäßigkeit führt die Polizei – angeblich verdachtsunabhängige – Kontrollen durch.

Die Bezeichnung „Waffenverbotszone“ ist irreführend. Waffen mit sich herum zu tragen ist in den seltensten Fällen erlaubt und das ist auch gut so. Was es der Polizei durch die Erforschung von möglichen Verstößen erlaubt, ist jedoch vor allem die Suche nach Menschen, die keinen Aufenthaltstitel bekommen und deswegen kriminalisiert werden. Racial profiling – als polizeiliche Kontrollpraxis, ist rassistischer Alltag. Noch dazu bei der sächsischen Polizei, die mit Meldungen über Sympathie mit AfD und neonazistischen Strömungen, sowie einem teils offen rassistischen Ton, oder auch durch Korruption – #Fahrradgate – immer wieder in die Kritik gerät.

Die Maßnahme reiht sich in eine autoritäre Entwicklung, wie auch das neue Polizeigesetz ein. Während die Kriminalitätsrate eher rückläufig ist, wird unter den Schlagworten der „inneren Sicherheit“ und „Terrorismusabwehr“, eine massive Versicherheitlichung vorangetrieben. Die Waffenverbotszone ist vor allem ein Instrument, um einen durch die Erzählung einer besonderen „Gefährlichkeit“ selbst produzierten „Kriminalitätsschwerpunkt“ zu befrieden und somit für Investor*innen noch attraktiver zu machen. (Ein „exotisches“ hippes, subkulturell geprägtes Viertel in Zentrumsnähe einer aufstrebenden deutschen Großstadt? Das zu gentrifizieren lohnt sich richtig, aber da muss die Polizei wohl erst noch ein bisschen nachhelfen.)

Als Begründung für die Notwendigkeit einer WVZ wird auf die steigende Kriminalität verwiesen. Wir haben keine Motivation Verletzung von Leben, Körper, Freiheit und sexueller Selbstbestimmung kleinzureden. Die Panik vor der steigende Kriminalität, die aus den polizeilichen Kriminalitätsstatistiken hergeleitet und dramatisiert wird, verblasst jedoch bei genauer Betrachtung. Nicht nur, dass sich die Bevölkerungszahl in den betroffenen Kiezen enorm vergrößert hat – was zugenommen hat sind vor allem Straftaten, die sich auf Eigentum und Drogen beziehen.

Kriminalität ist vor allem eine Erscheinungsform sozialer Probleme und somit sollte die soziale Ungleichheit und herrschende Diskriminierung die Anknüpfung sein, um im Viertel ein gutes Miteinander zu schaffen. Menschen klauen nicht aus Spaß, sondern aus Armut. Dass es einen Zusammenhang zwischen der hohen Anzahl an Diebstahl und sozialhilfeempfangender Menschen geben könnte, sehen sie nicht. Menschen verkaufen Drogen nicht aus Spaß, sondern weil sie beispielsweise wegen einer fehlenden Aufenthaltserlaubnis keiner legalen Arbeit nachgehen können. Dass die unmenschliche Asylpolitik diese Probleme selbst verursacht, sehen sie auch nicht. Oder sie wollen es nicht sehen, weil sie lieber aufrüsten.

In der Verordnung wurde eine Evaluation nach einem Jahr vorgesehen. Diese wird durch die Hochschule der Polizei durchgeführt – was uns nicht gefällt – ist sie doch in Vergangenheit schon mit unprofessionellen und an polizeilichen Interessen ausgerichtete Studien zum Thema aufgefallen. Dass nun neben „Expert*innen“, auch auf unser Drängen hin, ein Beschluss des Stadtrates gefasst wurde, dass dabei Anwohner*innen und insbesondere klassistisch und rassistisch diskriminierte Personen einbezogen werden sollen, ist eine Möglichkeit einer notwendigen Mitbestimmung. Dazu haben wir einen Flyer erstellt, mit unseren wesentlichen Kritikpunkten an der Waffenverbotszone und ein paar Tipps zum ausfüllen des Fragebogens, der an 3000 zufällig ausgewählte Anwohner*innen verschickt wird. Unseren Informationen nach soll dieser Prozess im Sommer und Herbst 2020 stattfinden – nunmehr schon fast zwei Jahre nach Einführung der Sonderrechtszone.

Wir sind der Überzeugung, dass eine Strategie, die auf der Personalisierung und Verräumlichung gesellschaftlicher Probleme basiert, nichts verbessern wird. Bestimmte Menschen und Orte werden kriminalisiert und bestraft. Dies führt jedoch nur zu permanenter Überwachung, einer Verschiebung aus dem Sichtbaren und dem Ausschluss von Menschen aus der Gesellschaft. Wir alle wollen hier leben und daher zusammen soziale Lösungsansätze für bestehende Probleme erarbeiten.

Also bietet als Außenstehende eure Hilfe an, interveniert und dokumentiert, wenn ihr erlebt, wie die Polizei mal wieder vermeintlich verdachtsunabhängig kontrolliert. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich in den letzten Monaten ein extremer Solidaritätsschub bei Kontrollen entwickelt hat und hoffen, dass das auch dazu führt, dass die Polizei keine Lust mehr auf diese Kontrollen hat, wenn ihnen permanent – wie es in einem demokratischen Rechtsstaat sein sollte – auf die Finger geschaut wird. Die gegenseitige Unterstützung ist das, was wir uns für eine solidarische Nachbarschaft wünschen.

Lasst uns gemeinsam dem autoritären Sachsen einen solidarischen Gegenpol entgegensetzen!

Waffenverbotszone abschießen – soziale Sicherheit stärken! Von Minneapolis lernen!

Copwatch und KOP bundesweit

Das Thema rassistischer Polizeigewalt ist durch die soziale Bewegung #JusticeForGeorgeFloyd wieder mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt.

Seit einiger Zeit organisieren alle Copwatch und KOP (Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt) Gruppen in Deutschland Aktionen zum Tag gegen Polizeigewalt am 15.3. Darüber hinaus arbeiten wir zusammen und geben heute unseren ersten gemeinsamen Text zu Racial Profiling heraus.

Zum Flyer: CopwatchKOP_Solidarität_statt_Polizei

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Tag der Befreiung vom dt. Faschismus

Unser Redebeitrag zur Migrantifa- Kundgebung am 8. Mai 2020

im Leipziger Osten

Am 75. Jahrestags der Befreiung der Menschen vom deutschen Faschismus ist es uns ein Anliegen, auf Missstände innerhalb der deutschen Polizei aufmerksam zu machen. Diese haben ihr Ursache nicht nur im individuellen Fehlverhalten von Beamt*innen, sondern in der Rolle als Durchsetzerin der staatlichen Ordnung mit Gewalt und ihrer Organisationsstruktur.

Uniter, Nordkreuz, der hessische Polizeiskandal und das Bekanntwerden rassistischer Chatgruppen sind Vorfälle, die uns zeigen, dass aktuell immer noch Rechtsextreme und Neofaschisten im deutschen Sicherheitsappart ungestört ihre Ziele verfolgen können. Eine konsequente Aufklärung, Strafverfolgung oder parlamentarische Kontrolle findet kaum statt.

Dass sich diese Netzwerke und Rechte in Schlüsselpositionen in diesen Apparaten einnisten konnten, liegt auch daran, dass in der Bundesrepublik eine Entnazifizierung der Polizei – verantwortlich für die Durchführung schlimmste Gräueltaten der Gestapo oder auch die Deportation von Jüd*innen und Juden durch die SS – kaum stattgefunden hat. Wie die Kampagne #EntnazifizierungJETZT schreibt: „Unzählige Beamte, die bereits vor 1945 tätig gewesen waren, blieben oder gelangten nach kurzer Zeit wieder in den Polizeidienst. Ein erschreckendes Beispiel dafür ist die Unterwanderung des 1951 gegründeten Bundeskriminalamtes durch Kriegsverbrecher und Schreibtischtäter, den sogenannten „Charlottenburgern“.“ In der DDR war man zwar konsequenter, jedoch ist das Ministerium für Staatsicherheit sicherlich auch kein Beispiel einer bürger*innenrechtsfreundlichen Insitution. Das Erstarken des Rechtsextremismus und die vielen rassistischen Anschläge der 90er Jahre ist auch maßgeblich ein Resultat von Desinteresse und Verharmlosung durch die Polizei.

Nicht nur, aber gerade auch deswegen halten wir es für unglaublich problematisch, wenn Gesetze geschaffen werden, die der Polizei einen enormen Handlungsspielraum geben, da ihre persönlichen Einstellungen und das institutionalisierte „polizeiliche Wissen“ dazu führt, dass diejenigen am meisten von polizeilicher Verfolgung und Gewalt betroffen sind, die auch gesellschaftlich am meisten ausgegrenzt sind.

Beispielsweise durch die Corona-Ausgangsbeschränkungen und in der „Waffenverbotszone“, in der wir uns gerade befinden, können Polizist*innen verdachtsunabhängige Kontrollen durchführen. Anstatt an ein verdächtiges und gefährdendes Verhalten einer Person anzuknüpfen, braucht es keinen konkreten Anlass für eine Identitätsfeststellung oder Durchsuchung, sodass das Aussehen und somit ihre Zuordnung zu einer vermeintlichen Täter*innengruppen ausschlaggebend ist. Es sind vor allem nicht weiße oder als nichtdeutsch Gelesene und von Klassismus betroffene Personen im Fokus der Polizei. Diese Personengruppen sind den täglichen Schikanen der Polizei ausgeliefert, was nicht selten in massiver Polizeigewalt, endet. Erst am 15. April kam es im Rabet zu massiven Gewalttaten von Polizist*innen, als diese versuchten das Fußballspiel migrantisch gelesener Jugendlicher zu unterbinden. Mindestens zwei Jugendlichen wurde von der Polizei grundlos ins Gesicht geschlagen. Auch wurden solidarische Nachbar*innen, die intervenierten, ebenfalls zum Ziel der Maßnahme.

 

Wir von Copwatch Leipzig fordern, dass migrantisches Wissen um gesellschaftliche und polizeiliche Missstände ernst genommen wird. Deswegen machen wir uns für eine Evaluation der Waffenverbotszone stark, die vor allem die am meisten Betroffenen von diskriminierenden Kontrollen einbezieht und die sozialen Folgen dieses autoritären Strafinstrumentes hinterfragt.

Wir wollen ein solidarisches Miteinander im Kiez statt Ausgrenzung, Problemverschiebung und Überwachung. Deswegen rufen wir dazu auf, insbesondere rassistische und klassistische Polizeikontrollen kritisch zu begleiten und Vorfälle bei uns zu melden. Informiert euch über eure eigenen Rechte und die Befugnisse der Polizei und besteht in einer Kontrollsituation auf deren Einhaltung!

Welche das sind und wie ihr intervenieren könnt, findet ihr auf unserem Blog: copwatchleipzig.home.blog oder hier als Flyer am Lauti.

Eine Kampagne zur Aufarbeitung der Verstrickung von Rechten und ihren Netzwerken mit dem Sicherheitsapparat (also Geheimdienst, Nachrichtendienst, Polizei und Justiz) findet ihr unter entnazifizierungjetzt.de.

Die Autorität der Polizei ist unantastbar?

Uns erreichen immer mehr Berichte davon, dass Polizist*innen (insbes in der #Waffenverbotszone #Eisenbahnstraße #Leipzig) solidarische Menschen, die eine #Polizeikontrolle kritisch begleiten, ebenso Maßnahmen unterziehen. Die Zulässigkeit ist rechtlich höchst zweifelhaft, aber in jedem Fall als politische Repression zu werten. Und als Erfolg, denn nur getroffene Hunde bellen.

Im Folgenden wollen wir einige Missstände aufzeigen, die uns bei Interventionen – entweder durch Erzählungen oder eigene Erfahrungen – immer wieder begegnen. Die aufgeführten Zitate stammen aus Gedächtnisprotokollen, die wir sammeln, um polizeiliche Arbeit zu dokumentieren.

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Was geschah mit Matiullah?

Eine Zusammenfassung des Aktionstages von NoBorderFFM

Original unter: http://noborder-frankfurt.antira.info/2020/05/05/gendenken-matiullah/

#WasGeschahmitMatiullah – Zweiter Todestag von Matiullah J.

 

Am 13. April 2020, dem zweiten Todestag von Matiullah, haben wir gemeinsam mit dem Afghan Refugees Movement unter dem Motto #WasGeschahMitMatiullah eine unabhängige Aufklärung gefordert.

Redebeiträge und Unterstützung kamen von CopWatch Leipzig, CopWatch FFM und der Initiative Oury Jalloh, sowie dem Medienkollektiv Frankfurt.

Am 13.04.2018 wurde Matiullah Jabarkhil in Fulda von Polizist*innen erschossen. Anstatt eine unabhängige Aufklärung zu ermöglichen scheinen Polizei und Justiz seitdem vor allem mit Repression gegen Demonstrant*innen und Kritiker*innen vorzugehen. Sarmina Stuman vom Afghan Refugees Movement setzt sich von Anfang an für eine unabhängige Aufklärung von Matiullahs Todesumständen ein. Anlässlich des zweiten Todestages hat das Medienkollektiv mit ihr Matiullahs Todesort in Fulda besucht:

Eine für das Wochenende vor seinem Todestag geplante 2-Personen-Demo zum Gedenken an Matiullah hatte die Stadt Fulda verboten. Wir sind empört über diesen massiven Grundrechtseingriff. Das Verbot steht in keinem Verhältnis zu den möglichen Gefahren der Aktion und die Begründung, dass von einer Versammlung von 2 Personen eine Gefahr für die Öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgehe, scheint vorgeschoben. Wir sind uns der Dringlichkeit eines verantwortungsvollen Umgangs mit dem Corona-Virus durchaus bewusst und haben klar gemacht, dass der gebotene Mindestabstand jederzeit zwischen den zwei Personen gewahrt sein wird. Dieses Verbot ist reine Schikane und reiht sich in die Welle von Kritik und Repressionen ein, die aus Politik sowie der fuldaer Justiz und Polizei kam.

In Anbetracht des Demonstrationsverbots der Stadt Fulda, organisierten wir gemeinsam mit Afghan Refugees Movement ein Online-Gedenken. Ein Überblick findet sich in dem folgenden Thread auf Twitter:

Über die letzten Jahre geriet auch die Athmosphäre in Fulda und die harte Gangart der örtlichen Behörden und der Ton lokaler Politiker immer mehr in den Fokus der Kritik. So wurde der Vorsitzende des Ausländerbeirats in Fulda, Abdulkerim Demir beispielsweise massiv von dem Fuldaer Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld (CDU) und Bernd Woide (CDU) angegriffen. Unterstützung bekamen sie dabei aus dem Lager der rechtsextremen AfD und identitären Bewegung, die gemeinsam für eine Demo in Fulda mobilisierten. Rassismus beginnt nicht bei der AfD, er ist ebenso in der Mitte der Gesellscahft verankert. die CDU Stadtverband Fulda scheint hier ein Paradebeispiel.
Demir wird seitdem massiv bedroht und rechtsradikale Rasist*innen leben ihre Gewaltphantasien in den Mails aus. Aber auch das schert die Behörden in Fulda kaum. Der Hessische Rundfunk konnte mit wenigen Klicks Verfasser der Drohungen ausfindigmachen, etwas wozu die Fuldaer Behörden nach einer Anzeige von Demir anscheinend nicht willens waren. Das wirft ein schlechtes Licht auf die Ermittlungsbehörden und nährt die Zweifel an dem Aufklärungswillen.

Polizei und Staatsanwaltschaft machen mit ihrer harten Linie gegen alle, die die wichtige und legitime Frage stellen, warum Matiullah sterben musste und ob die tödlichen Schüsse verhältnismäßig waren, weiter. Nach der Demonstration letztes Jahr, ein Jahr nach Matiullahs Tod, hagelte es förmlich Anzeigen.  Gegen die Anmelderin, gegen Demoteilnehmende und gegen Kritiker*innen der rassistischen Kommentare und Berichterstattungen nach der Demonstration. Die Hessenschau berichtet dazu ausführlich. Scheinbar halten es viele in Fulda nicht aus, wenn bei Polizeieinsätzen kritisch nachgefragt wird, dabei ist die Kontrolle der Exekutive zentrales Element der Demokratie. Nicht auszuhalten scheinen es viele insbesondere auch nicht, dass geflüchtete Menschen und People of Color ihre Stimme erheben und mit ihren Bedürfnissen und Forderungen in die Öffentlichkeit treten.

Wir hegen weiter Zweifel an der Erzählung, es habe sich bei den tödlichen Schüssen auf Matiullah um eine Notwehr Situation gehandelt. Wir hegen Zweifel an der Untersuchung des Falles, weil die Sicherheitsbehörden hier gegen sich selbst ermitteln – auch wenn es sich um eine „unbeteiligte Stelle“ handelt – und weil institutioneller Rassismus nicht anerkannt wurde. Aus der Ermittlungsarbeit im NSU-Komplex wissen wir welch gravierende Fehleinschätzungen daraus resultieren können, als die Beamten damals vor allem gegen die Familien und Angehörigen der Opfer der rassistischen und rechtsextremen Morde ermittelten.

Wir wollen wissen #WasGeschahMitMatiullah! Warum musste Matiullah sterben?

https://vimeo.com/417143805

Um die Familie in ihrem Kampf für Gerechtigkeit insbesondere durch ein juristisches Vorgehen zu unterstützen könnt ihr hier Spenden bzw. mit dem Verwendungszweck „Matiullah“ direkt auf das Konto des Migrant Support Networks überweisen:

Migrant Support Network e.V.
DE78 4306 0967 1018 6777 00
GENODEM1GLS