Infoblatt zu kostenloser rechtlicher Beratung und Unterstützung

In Deutschland können Menschen ohne oder mit geringem Einkommen Beratungs- und Prozesskostenhilfe bekommen. Sie können sich damit kostenlos anwaltlich beraten und vertreten lassen. Die Anwält:innen bekommen dann die gesetzliche Mindestvergütung vom Staat bezahlt. Meist hängt die Gewährung der Hilfe von den Erfolgsaussichten ab. Insbesondere Menschen, die Sozialhilfe, Bürgergeld, Arbeitslosengeld, Asylbewerberleistungen oder Bafög bekommen, sollten die Unterstützung nutzen.

Wir haben ein Infoblatt dazu gemacht. Was kommt wann in Frage? Wie wird die Hilfe beantragt? Was sind die Risiken?

Bei Unklarheiten oder weiteren Fragen meldet Euch per Kontaktformular oder Email.

Deutsch

En Alemania, las personas sin ingresos o con ingresos bajos pueden recibir asesoramiento y asistencia jurídica gratuita (Beratungs- und Prozesskostenhilfe). Esto le permite ser asesorado y representado gratuitamente por un abogado. El Estado paga a l@s abogad@s los honorarios mínimos legales. En la mayoría de los casos, la concesión de la asistencia depende de las perspectivas de éxito. En particular, las personas que reciben asistencia social, subsidio de ciudadanía, subsidio de desempleo, subsidio de solicitante de asilo deben aprovechar esta ayuda.

Hemos elaborado una hoja informativa al respecto. ¿Qué es subvencionable y cuándo? ¿Cómo se solicita la ayuda? ¿Cuáles son los riesgos?

Wie schreibe ich ein Gedächtnisprotokoll?

ENGLISH BELOW

1. Grundsätzliches

Wir dokumentieren Vorfälle von rechtswidrigen und gewaltvollen polizeilichen Maßnahmen der sächsischen Polizei mit Schwerpunkt in Leipzig. Das betrifft insbesondere auch diskriminierende Aussagen und Kontrollen sowie sonstiges unprofessionelles, wie zum Beispiel grundlos aggressives und beleidigendes, Verhalten.

Eine Beschreibung des Vorfalls, ein sogenanntes Gedächtnisprotokoll, kannst du uns an copwatchleipzig@riseup.net schicken. Zur Orientierung findest du hier einen kleinen Leitfaden.

Am allerliebsten ist uns, wenn du uns eine verschlüsselte Mail1 schreibst, da dies deine und unsere Sicherheit enorm erhöht. Den benötigten Schlüssel dazu findest du auf unserem Blog: https://copwatchleipzig.org/contact/

!!! WICHTIG !!!

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Privacy is not a crime

Der EU-Ministerrat hat eine Resolution durchgewunken, nach der Betreiber von Messengern (Whatsapp, Signal, Telegram, Threema..) verpflichtet werden sollen, Kriminalitätsbekämpfung zu unterstützen, indem technische Lösungen für den Zugriff staatlicher Stellen auf private Kommunikation bereit gestellt werden. Was auf den ersten Blick als Vorhaben zum Schutz von Bürger:innen daherkommt, ist vielmehr eine  Strategie, der Datesammelwut staatlicher Einrichtungen und Strafverfolgungsbehörden den roten Teppich auszurollen.


Der Entwurf räumt ein, dass die Grund- und Menschenrechte sowie die Grundsätze der Rechtsstaatlichkeit gewahrt bleiben müssen und zu diesen zählen auch die Verschlüsselung der Kommunikation als notwendiges Mittel. Gleichzeitig sollen jedoch Möglichkeiten entwickelt werden, staatliche Zugriffe zum Zwecke von  Ermittlungsarbeiten zu ermöglichen. Zunächst ist allein aus technischer Seite fragwürdig, wie Verschlüsselung einerseits ohne Sicherheitslücken gewährt werden kann, jedoch gleichzeitig für Observation durch Behörden und Nachrichtendienste antastbar sein soll. Entweder eine Verschlüsselung ist sicher oder sie ist es nicht. Einschränkungen in Verschlüsselungen untergraben das gesamte Vorhaben. Gibt es  Lücken oder  Hintertüren in der Verschlüsselung, ist diese potentiell für diverse Akteur:innen nutzbar und nicht nur für die adressierten Strafverfolgungsbehörden.

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Aktualisierung des „Bundespolizeigesetzes“ – Einigung der GroKo

1. Annäherung an Rechte der Nachrichtendienste:

* verdachtsbasierte Telekommunikationsüberwachung (TKÜ) der Bundespolizei:

→ Anwendung von Schadsoftware bei Ende-zu-Ende-Verschlüsselung („Staatstrojaner“), v.a., um Messenger auszulesen

→ „eingeschränkt“ auf Menschenhandel und „Schleuserkriminalität“

2. Annäherung an Rechte der Landespolizei:

* Strafverfolgung bei unerlaubtem Aufenthalt

* Recht, Platzverweise zu erteilen und Blutproben nehmen zu lassen

* gewinnt Zuständigkeit bei Delikten mit Drohnen und Laserpointern

3. Kritik:

„Aktualisierung des „Bundespolizeigesetzes“ – Einigung der GroKo“ weiterlesen

Bagatellverordnung Sachsen

Offener Brief an Justizministerin Katja Meier

PDF: Offener Brief BagatellVO Copwatch LE

Sehr geehrte Frau Staatsministerin Meier,

in Sachsen gilt die Rundverfügung des Generalstaatsanwalts Hans Strobl vom 1. März 2019, wo­nach Baga­telldelikte konsequent anzuklagen sind. Wir fordern Sie auf, Frau Meier, von der Null-Toleranz-Linie ih­res Vorgängers Gemkow Abstand zu nehmen und dementsprechend den General­staatsanwalt anzuweisen, die interne Richtlinie zurückzunehmen.

Sie selbst haben die Einführung damals als „weitere[n] Schritt in der Repressionswelle der Staats­regierung“ bezeichnet.1

In diesem offenen Brief wollen wir zunächst unsere wesentlichen Kritikpunkte an der Begrün­dung der Rundverfügung aufzeigen und sodann die politischen und sozialen Folgen die­ser herausarbeiten.

Als Bagatelldelikte gelten Straftaten, die sich durch eine geringe Schuld oder geringes Unrecht aus­zeichnen und generell von geringer Bedeutung sind. Das sind typischerweise Fahren ohne Ticket (Erschlei­chen von Leistungen), Diebstahl geringwertiger Sachen, weniger schwere Beleidigungen, Besitz ge­ringfügiger Mengen Drogen sowie ausländerrechtliche Verstöße.

Generalstaatsanwalt Hans Stobl argumentiert2 zur Rechtfertigung der Maßnahme in einer Weise, die nicht nur die politische Intention und die Unverhältnismäßigkeit offen zu Tage trägt, sondern auch ein Missverständnis der Funktion des Strafrechts und der Aufgabe der Strafverfolgungsbehörden zeigt.

Er beginnt seine Argumentation, indem er weiten Teilen der Bevölkerung den Eindruck attestiert, es geschehe nach der Begehung von Straftaten nichts und es gebe „rechtsfreie Räume“. Diesen „Ein­druck“ kann er jedoch nicht belegen. Er steht sogar in einem Widerspruch zu Umfragen, die dem Sicherheitsgefühl der Bevölkerung in wissenschaftlicher Weise nachgehen.3 Es ist ein gän­giges Nar­rativ der Neuen Rechten oder der (Neo-)Konservativen, die eine fehlende Durchset­zungsfähigkeit des Staates suggerieren, um weitreichende Eingriffsbefugnisse für die Strafverfol­gungsbehörden zu er­möglichen. So ist die Maßnahme auch im Kontext des Wahlkampfes zum säch­sischen Landtag im selben Jahr zu sehen.

In einer Veranstaltung zu rechtspolitischen Gesprächen an der Universität Leipzig4 erwähnte Herr Strobl zu­dem ein Beispiel, das in der schriftlichen Fixierung der Begründung nicht aufge­nommen wurde: Polizisten hätten demnach keine Lust in ein Dorf zu fahren, um Strafanzeigen auf­zunehmen, wenn sie wissen, dass es „sowieso“ eingestellt werde. Ferner würden Ladenbesitzer bei Dieb­stahl oft überhaupt nicht erfahren, was mit den Tätern schließlich passiere. Dies zeigt sowohl ein Miss­verständnis von der Aufgabe der Polizei als Ermittlungsbehörde, als auch die Ungeeignetheit der Maßnahme, dem Sinn und Zweck des Strafrechts (Reduktion von Kriminalität durch Abschreckung) überhaupt zu dienen. Auch die Notwendigkeit ist wegen der allgemein sinkenden Kriminalität5 nicht indiziert.

Weiter führt er das Legalitätsprinzip ins Feld, wonach die Staatsanwaltschaft zur Verfolgung aller strafbaren Handlungen verpflichtet ist, um die Notwendigkeit einer einheitlichen Verfol­gungspraxis zu begründen. Doch auch dies geht fehl, da zum einen die Durchbrechung des Prinzips ausdrücklich vorgesehen ist,6 zum anderen, weil die konsequente Verfolgung von Bagatellen aus rechtsstaatlicher Sicht nicht erforderlich ist. Zu Strafen stellt das „schärfste Schwert des Staates“, die ultima ratio, dar und soll gerade nicht extensiv für jede Art von deviantem Verhalten benutzt werden.

Zudem sollte es bei der Freiheit der Staatsanwaltschaft bleiben, in jedem Einzelfall zu entscheiden, ob eine Anklage erhoben wird oder nicht. Die Stärkung der Autonomie der Staatsanwaltschaften wurde schließlich auch im Koalitionsvertrag für Sachsen vereinbart.

Außerdem wird in Sachsen generell mehr angeklagt bzw. mehr Strafbefehlsanträge gestellt als im bundes­weiten Durchschnitt.7 Der Vorgabe des Bundesverfassungsgerichts, eine bundesweit einheit­lichere Anklagequote zu erreichen, wird durch die Verfügung konterkariert. Schließlich spricht die Überbelastung des Justizsystems dagegen.

Die individuellen und kollektiven sozialen Folgen einer konsequenten Abstrafung von Bagatellen können als verheerend bezeichnet werden. Zum einen muss Kriminalität allgemein und vor allem in Hinblick auf bestimmte Straftatbestände immer als Erscheinung sozialer Probleme betrachtet wer­den. Gerade die eingangs beispielhaft aufgeführten Paragraphen des Strafgesetzbuches verdeutli­chen, dass der Grund zur Verwirklichung von Tatbeständen nicht unbedingt eine böswillige Willens­richtung oder „kriminelle Energie“ ist. Stattdessen ist sie meistens das Resultat sozioökonomischer Verhält­nisse, die nicht selbstverschuldet, sondern strukturell bedingt sind. Menschen fahren nicht ohne Ticket oder klauen im Supermarkt, weil sie Spaß daran haben oder an einem „Kick“ interess­iert sind. Sie haben kein Geld zum Bezahlen und werden es auch zukünftig nicht „besser ma­chen“ können. Zumal die oft zu zahlenden zivilrechtliche Vertragsstrafen (im ÖPNV oder Laden) schon eine enorme finanzielle Belastung darstellen.

Im Bereich des Ausländerrechts verdeutlicht sich dies zudem durch die vermehrte Anklage von kaum zu umgehenden Verstößen gegen das Aufenthaltsgesetz. Dies geschieht neben der deutlichen Schlechterstellung bezüglich des Leistungsanspruches, der weit unter dem Existenzminimum liegt. Anträge auf Beiordnung einer Pflichtverteidiger*in werden abgelehnt, sodass die nicht Sprach- und Rechtskundigen einer Verurteilung kaum entgehen können. Die zusätzliche psychische und finanzie­lle Belastung ist Menschen, die aus existenzbedrohlichen Lebenssituationen nach Sachsen kommen, nicht zuzumuten.

So ergibt sich ein Teufelskreis aus Geld- und Ersatzfreiheitsstrafen, die zu noch mehr Armut und Ausgrenzung der Betroffenen führen, und gerade bei Betrachtung der Rückfallquoten von Inhaftier­ten, noch mehr Kriminalität erzeugen. Beenden Sie diese Bestrafung von Armut und diskriminieren­der Ausgrenzung, die mit dem Anspruch, ein Sozialstaat zu sein, im Widerspruch steht!

Auch politisch wäre die Aufrechterhaltung ein fatales Zeichen. Es ist eine weitere autoritäre Maß­nahme, die symbolisch auf eine Stärkung des Staates und Demonstration von Handlungs-, hier Straffähigkeit, abzielt. Dies geht jedoch zulasten der Prinzipien des liberalen Rechtsstaates und schränkt Bürger*innen- und Freiheitsrechten unverhältnismäßigerweise ein. In diese Kerbe schlagen auch das neue sächsische Polizeige­setz oder die Einrichtung der Waffenverbotszone auf der Leipziger Eisenbahnstraße. Als Ministerin für Justiz und für Demokratie, Europa und Gleich­stellung liegt es nun in Ihrer Verantwortung diesen Entwicklungen Einhalt zu gebieten.

Wir fordern Sie daher auf, den Generalstaatsanwalt unverzüglich anzuweisen, die Rundverfügung zu widerrufen.

Des Weiteren fordern wir, dass Sie sich für Entkriminalisierung von Bagatellen, wie beispielsweise § 265 a StGB (Erschleichen von Leistungen), im Ausländerrecht oder Betäubungsmittelgesetz auf Bundesebene stark machen.

Darüber hinaus halten wir es für angebracht, eine Rundverfügung anzuregen, wonach alle Fälle von Körperverletzung im Amt ( § 340 StGB) konsequent zu verfolgen sind. Darin sollte auch festgelegt werden, dass nicht nach jeder dieser Anzeigen automa­tisch eine Gegenanzeige gegen die Anzeigesteller*innen wegen angeblichen Wider­stand oder tätlichem Angriff gegen Voll­streckungsbeamte u.a. (§§ 113, 114, 115 StGB) folgt.8

Mit freundlichen Grüßen,

Copwatch Leipzig

 

1 http://www.gruene-fraktion-sachsen.de/presse/pressemitteilungen/2019/justizministerverschaerfte-strafverfolgung-von-bagatelldelikten-weiterer-schritt-in-der-repressionswelle-der-staatsregierung/, zuletzt aufgerufen am 23.4.20.

2 Vgl. Hoven/Strobl/Kinzig, Null Toleranz – Bagatellen bestrafen, KiPoz 4/2019, S. 206 ff, zuletzt aufgerufen am 23.4.20 unter https://kripoz.de/2019/07/22/null-toleranz-bagatellen-bestrafen/.

3 So auch Kinzig in Hoven/Strobl/Kinzig, Null Toleranz – Bagatellen bestrafen, KiPoz 4/2019, S. 209 f.

4 Veranstaltet durch Prof. Dr. Elisa Hoven, https://medienstrafrecht.jura.uni-leipzig.de/rechtspolitische-gespraeche/.

5 PKS Sachsen 2019, https://www.polizei.sachsen.de/de/dokumente/Landesportal/PKSXJahresXberblick2019-637211865241225172.pdf., zuletzt aufgerufen am 23.4.20.

6 Antragsdelikte, Privatklagedelikte, Möglichkeit der Verfahrenseinstellung gem. § 153 StPO.

7 Kinzig in Hoven/Strobl/Kinzig, Null Toleranz – Bagatellen bestrafen, KiPoz 4/2019, S. 210.

8 Im Gegensatz zur Rundverfügung des Generalstaatsanwalts des Freistaates Sachsen zur einheitlichen Sachbehandlung von Straftaten gegen Amtstäger, Beschäftigte des öffentlichen Dienstes und Rettungskräfte vom 1. Mai 2018.

Protest & Corona

English below

 

How to Protest – #LeaveNoOneBehind

 

Am 5. April soll es bundesweite Aktionen zur absolut überfälligen Evakuierung der Geflüchteten auf den griechischen Inseln und der Balkanroute geben.¹ Um andere hierauf aufmerksam zu machen, wird unter den Hashtags #LeaveNoOneBehind und #WirhabenPlatz zu einem solidarischen Spaziergang aufgerufen, das heißt es sollen in der Öffentlichkeit Schilder mit einem politischen Statement getragen oder auf dem Boden Spuren hinterlassen werden.

Damit sich alle beim Protestieren unter den aktuell besonderen Umständen sicher fühlen und auf mögliche Repressionen reagieren können, wollen wir von CopWatch Leipzig unsere Einschätzung der Rechtslage mit euch teilen und euch Tipps an die Hand geben.

Zu Beginn sei noch gesagt, dass die Schutzmaßnahmen zur Vermeidung der weiteren Ausbreitung von COVID-19 sehr ernst zu nehmen sind. Haltet Abstand, wascht eure Hände, schränkt physische Kontakte auf sehr wenige Menschen ein und bleibt, wenn möglich, zu Hause. Seid solidarisch mit Menschen aus Risikogruppen und denjenigen, die unterbezahlt, überarbeitet und ohne ausreichenden Schutz vor der Erkrankung gesellschaftlich notwendige Arbeit verrichten.

Klar ist aber auch, dass social/physical distancing Gefahren birgt. Nicht jede*r kann zu Hause bleiben. Es gibt Menschen, die zu Hause Gewalt erwartet, und manche Menschen haben kein zu Hause.

Lasst euch  von der aktuellen Situation nicht unterkriegen. Jeder alltägliche Widerstand ist ein Protest!

Das Folgende ist natürlich keine Gewähr für Repressionsfreiheit, sondern eher ein Versuch, das Repressionsrisiko zu verringern.

Versammlungsverbot

Wegen einer Allgemeinverfügung der sächsischen Landesregierung² sind Versammlungen momentan verboten. Dieses Totalverbot gilt wohl vorerst für alle Versammlungen, selbst wenn das Ansteckungsrisiko aufgrund von Schutzmaßnahmen gering ist, etwa weil die Teilnehmenden jeweils einen Abstand von zwei Meter zueinander halten. Ein absolutes Verbot ist deswegen unverhältnismäßig und verletzt die Versammlungsfreiheit als grundlegendste demokratische Freiheit. Zudem ist es rechtlich und aus einer demokratischen Sichtweise heraus äußerst bedenklich, wenn Landesregierungen qua Allgemeinverfügung Grundrechte faktisch außer Kraft setzen. Das wäre nur demokratisch legitimiert, wenn ein formelles Gesetz im Landesparlament beschlossen worden wäre.

Ungeachtet dessen verweisen Polizei und Verwaltungsgerichte darauf, den Raum sozialer Medien zur Kundgabe von Protest zu nutzen.³ Doch das reicht nicht! Wir wollen und müssen sichtbar sein, nicht nur im Internet.

 

Wenn der Staat mit immer mehr Restriktionen und Strafen auffährt, lassen wir uns nicht einschüchtern, sondern es ist an der Zeit ungehorsam zu sein.⁴ Der Kampf für ein menschenwürdiges Leben für alle ist legitim und aktuell notwendiger denn je. Die Ausgrenzung von Geflüchteten von grundlegendsten Menschenrechten und Schutzmaßnahmen vor Corona ist zutiefst rassistisch und inakzeptabel. Im Gegensatz zu dem Totalverbot von Versammlungen, Ausgangssperre und Kontaktverbot, ist die Evakuierung von Moria auf Lesbos und allen anderen Lagern alternativlos und zwingend notwendig.

 

Ausgangssperre 

In Sachsen ist es momentan ebenfalls verboten, sich ohne triftigen Grund draußen aufzuhalten.⁵ Verstöße hiergegen sind unter Strafe gestellt, und ein Bußgeld bis zu 150€ kann fällig werden.⁶

Die Formulierung der Allgemeinverfügung ist äußerst unklar und unbestimmt, was der Polizei einen riesigen Handlungsspielraum bei der Durchsetzung gibt. Einen triftigen Grund glaubhaft zu machen ist demnach eher von einer plausiblen Geschichte und dem Wohlwollen der Beamt*innen abhängig (ein Hoch auf den Rechtsstaat, haha). Überlege dir also vorher ein paar Argumente und informiere dich und andere über deine Rechte und die Befugnisse der Polizei.

 

Was heißt das in der Praxis für den Protest?

Aufgrund des Versammlungsverbots bzw. der Ausgangssperre darf die Polizei dich anhalten, befragen und ggf. deine Identität feststellen.

Durchsuchungen oder Festnahmen sind nur zulässig, wenn du deine Identität nicht preisgibst oder andere Gründe nach dem Polizeigesetz oder der Strafprozessordnung vorliegen.⁷ Dies wäre zum Beispiel der Fall, wenn sie dich auf frischer Tat beim Sprühen erwischen, denn dies begründet den Verdacht der Sachbeschädigung ( § 303 II StGB). Auch das Anbringen von „Werbemitteln“ (Sticker, Plakate,…) oder Farbe ist bußgeldbewehrt.⁸ Mit Kreide malen ist jedoch erlaubt, da die Entfernung ohne Aufwand möglich ist.

 

Tipps zum Umgang mit der Polizei

Hab stets einen triftigen Grund im Sinne der Allgemeinverfügung parat, wenn du draußen zum protestieren unterwegs bist! Das sind beispielsweise⁹: Sport und Bewegung vorrangig im Wohnumfeld, Einkaufen, Besuch von Unterstützungsbedürftigen, Kindern oder Lebenspartner*innen, Spaziergänge mit Senior*innen, die sonst nicht mehr allein raus gehen (können) und Gassigehen.

Ganz Argumentationsfreudige könnten sogar versuchen, den Aufenthalt und Protest  mit „Abwendung einer Gefahr für Leib und Leben“ von den Geflüchteten in den Lagern zu rechtfertigen.

Die politische Meinungskundgabe durch Spazieren mit Schildern ist laut einigen Beamt*innen keine „Bewegung im Freien“. Auch das ist natürlich absolut willkürlich und sicherlich politisch motiviert. Um wahlweise Diskussionen zu vermeiden, oder aber auf diese Willkür aufmerksam zu machen, und da einige von euch gerade sicher einen Bewegungsmangel haben, könnt ihr die Schilder springend, hüpfend, laufend, yogamachend tragen oder Botschaften auf T-shirts malen. Argumentiere mit deinem Bewegungsbedürfnis. Sag, dass du einen Spaziergang unternimmst oder auf dem Weg zum Einkaufen oder der*m Lebenspartner*in bist. Bestehe dabei auf deine Meinungsfreiheit (Art. 5 Grundgesetz), die ist nämlich nicht ausgesetzt!

Interveniere, wenn du Racial Profiling bzw. anderweitig diskriminierende Polizeikontrollen beobachtest. Von polizeilicher Willkür sind besonders diejenigen betroffen, die ohnehin in das Feindbild der Polizei passen. Wenn es zu sprachlichen Kommunikationsschwierigkeiten kommt, hilf der Person dabei sich selber (verbal) verteidigen zu können. Wenn du dich nicht traust, beobachte die Situation und spreche die Person ggf. danach an. Zeig ihr, dass sie nicht alleine ist.¹⁰

… und danach

 

Grundsätzlich gilt: Der Verstoß gegen das Versammlungsverbot bzw. die Ausgangssperre ist eine Ordnungswidrigkeit, die nicht zwingend verfolgt werden muss. Weder von den Beamt*innen, noch von der Bußgeldbehörde, noch von den Gerichten (Opportunitätsprinzip). Selbst wenn deine Daten von der Polizei aufgenommen werden sollten, kannst du dich später gegen den Bußgeldbescheid wehren. Manchmal lässt sich auch mit politischem Druck hier noch etwas erreichen.

Falls ein Bescheid kommt, organisiere dich mit anderen, um dagegen vorzugehen. Richtet einen Antirepressionstopf ein, von dem die Strafen derjenigen bezahlt werden können, die dies nicht leisten können. Meldet euch dazu entweder bei der Roten Hilfe, den Gruppen die zur Aktion aufrufen, oder bei uns, wenn du dafür Unterstützung brauchst.

 

Macht die Polizei Stress, schick uns eine Nachricht an copwatchleipzig@riseup.net, damit wir die Fälle sammeln und dokumentieren können oder twittere unter dem Hashtag #Coronapolizei und verlinke uns @copwatch_le.

 

Linker Protest war in Deutschland auch vor Corona starker Verfolgung und Repression ausgesetzt. Dass es jetzt noch unbequemer wird, darf uns aber nicht vom Protestieren abhalten. Es muss Lösungen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie geben, ohne dass grundlegende Freiheiten, Rechte und die Demokratie ausgesetzt werden. Wir als Linke sehen in einem solchen Protest unter Schutzmaßnahmen keinen Widerspruch zum Schutz der Menschen vor dem Virus, sondern halten es in diesen Zeiten gerade für notwendig, über Nationalstaaten, Kapitalismus und soziale Gerechtigkeit zu sprechen, und dies auf den Straßen sichtbar kundzutun.

 

 

Quellen:

 

 

 

3 VG Dresden, Beschluss vom 30.03.2020; Kommentar dazu: http://kanzlei-feilitzsch.de/blog/?p=115

 

4 Zur Geschichte, Definition und Notwendigkeit des zivilen Ungehorsams:  https://netzpolitik.org/2019/klimaproteste-warum-ziviler-ungehorsam-gut-fuer-die-demokratie-ist/

 

6 https://www.coronavirus.sachsen.de/download/ussgeldkatalog_SMS-SMI_31032020.pdf;  Strafen wegen Verstoß gegen Quarantäneauflagen nach dem IfSG lassen wir hier unbeachtet

 

10 https://copwatchleipzig.home.blog/wie-intervenieren/

 

 

english:

 

How To Protest – #LeaveNoOneBehind

 

For those who haven’t that much time for reading we have a graphic with the most important information here:

 

On the 5th April 2020, there will be nationwide actions for the absolutely overdue evacuation of the refugees stuck on the Greek islands and the Balkan route.¹

Under #LeaveNoOneBehind and #WirhabenPlatz, there is a call to take a walk in solidarity, carrying signs with political statements and leaving traces and shoes on the ground to create attention to others.

 

We want everyone to feel save and be able to react to any repressions during those current special circumstances. Because of this we, CopWatch Leipzig, want to share our assessement of the law situation and give you some hints.

At the start we want to say that the security measures for avoiding the further spread of COVID-19 should be taken really serious. Keep distance, wash your hands, restrict your physical contact to a few persons and stay, if possible, at home. Be in solidarity with risk groups and those who are underpaid, overworked and do socially necessary work without adequate protection from Corona.

It is also true that social/physical distancing can be dangerous for some people as well. Not everyone is able to stay at home. There are people who are violated at home and those who doesn’t have a home.

Don’t let the current situation get you down. Every daily opposition is protest!

 

The following doesn’t garantee freedom of repression (of course). It is rather a try to smaller the risk of repression.

Ban of assembly

Because of a general decree of Saxony’s Ministry of social issues and social cohesion all assemblies are subject to a total ban.² A total ban like this, which doesn’t matter on how much attention is paid to protective measures, is clearly unproportional and violates the right of freedom of assembly as the most fundamental democratic freedom.

As well in a legally and democratic view the federal goverment’s decree is really problematic because there is no democratic legitimation. Grave fundamental right restrictions require a parlamentary law (which would be in this case unproportional as well).

Instead, the police and the administrative courts refer to the space of social media for the announcement of protest.³ But that is not enough! We want and need to be visible, not only on the Internet.

When the state comes up with more and more restrictions and penalties, we will not be intimidated; it is time to disobey.⁴ The fight for a dignified life for all is legitimate and currently more necessary than ever. The exclusion of refugees from the most basic human rights and protection from Corona is deeply racist and unacceptable. In contrast to the total ban on gatherings, curfew and contact, the evacuation of Moria on Lesbos and all other camps is without alternative and imperative.

 

Curfew:

Staying outside without a valid reason is forbidden and punishable by a fine of up to 150€.⁵ The general disposition or legal ordinance is very unclear and undefined, which gives the police a huge scope of action. Right now no one knows what is allowed and what is forbidden. To make a good reason plausible is therefore rather dependent on a plausible story and the goodwill of the officials (cheers for the constitutional state, haha).

So think about some arguments and inform yourself and others about your rights and powers of the police.

 

What does that mean for the protest in practice?

Due to ban of assembly or curfew, the police is authorized to stop you, question you and to establish your identity. Searches or arrests are only permitted if you do not reveal your identity or if there are other reasons according to the police law or the code of criminal procedure.⁶

This would be the case, for example, if they catch you in the act of spraying, because this gives rise to the suspicion of damage to property (§ 303 II StGB). Also „advertising material“ (stickers, posters, …) is subject to a fine according to the Leipzig police regulation. However, this is allowed with chalk, as the removal is possible without effort.

 

Tips to cope with police:

 

Valid reasons are for example⁷: doing sport and exercise primarily in the environment of your home, shopping, visiting people in need of support, children or partners*, walking with senior citizens who otherwise would not (or cannot) go out alone and taking a walk.

Those who are very keen on argumentation could even try to justify the stay and protest by „averting a danger to life and limb“ from the refugees in camps.

According to some officials, the political statement of opinion by walking with signs is not „an outdoor movement“. Clearly that is arbitrary and polically motivated. However, since many people have a lack of movement, one could jump, run, doing yoga while holding the signs or paint something on the t-shirt.

Argue with your need of moving, that you are going for a walk, for groceries shopping or for visiting your life-partner*.

Insist on your freedom of expression (art. 5 Basic Law), because it is not suspended either!

Intervene, when you see Racial Profiling or other discriminating police controls. Those who fit in the police’s enemy imagine are affected in particular by police arbitrary.

If it comes to linguistic communication difficulties, help the person to defend themselves (verbally). If you hesitate to intervene, keep observing the situation and talk to the person afterwords. Show them, that they are not alone.⁸

 

In principle, the following applies: Violation of the ban on assembly or curfew is an administrative offence that does not necessarily have to be prosecuted. Neither by the civil servants, nor by the authority imposing fines, nor by the courts (Opportunity Principle). Even if your data should be taken by the police, you can also defend yourself later against the fine. Sometimes political pressure can be used to achieve something.

 

When a notice comes, organize yourself with others to fight against it. Set up an anti-repression pot from which fines can be paid for those who can’t afford it. To do this, contact either Rote Hilfe, the groups calling for that action or us, if you need financial support.

 

If the police wants trouble, send us a message to copwatchleipzig@riseup.net so we can collect and document the cases or tweet under the #CoronaPolice and link @copwatch_le.

 

Left-wing protest in Germany has always been subject to strong presecution and repression before Corona.

That the situation is now even more umcomfortable should not stop us from protesting. There must be solutions to contain the Corona crisis without exposing fundamental freedoms, rights and democracy. We on the left do not see this as a contradiction, but rather as an illustration of the need to talk about nation states, capitalism and social justice.

 

Sources (all in German):

 

 

3 VG Dresden, Beschluss vom 30.03.2020; Kommentar dazu: http://kanzlei-feilitzsch.de/blog/?p=115

 

4 Zur Geschichte, Definition und Notwendigkeit des zivilen Ungehorsams:  https://netzpolitik.org/2019/klimaproteste-warum-ziviler-ungehorsam-gut-fuer-die-demokratie-ist/

5 https://www.coronavirus.sachsen.de/download/ussgeldkatalog_SMS-SMI_31032020.pdf;  unbeachtet lassen wir jetzt Strafen wegen dem Verstoß von Quarantäneauflagen nach dem IfSG

 

 

 

Wie umgehen mit Strafbefehl & Co?

عربي أدناه


Böse Post. Und jetzt?

Eine Handlungsanleitung zu Vorladung und Strafbefehl von Copwatch LE, März 2020bösepost2

PDF: Böse Post. und jetzt?

Repression gegen linke Aktivist*innen und Strafverfolgung wird in Sachsen mit einer absurden Intensität voran getrieben. Das liegt auch daran, dass seit dem 1.3.2019 eine Bagatell-Verordnung gilt. Dies ist eine behördeninterne Anweisung des Generalstaatsanwalts Strobl (untersteht der Justizminister*in, damals noch Gemkow, CDU) an alle Staatsanwält*innen in Sachsen, auch Straftaten im Bagatellbereich anzuklagen und nicht einzustellen.

Bagatelldelikte sind typischerweise Straftaten von geringer Bedeutung wie bspw. Erschleichen von Leistungen (ÖPNV-Nutzung ohne Ticket), aufenthaltsrechtliche Verstöße, Drogen- und Diebstahlsdelikte bei kleinen Mengen bzw. Beträgen oder kaum strafwürdige Beleidigungen1.

Viel dieser „Kriminalität“ hat vor allem soziale Ursachen: Fehlende Aufenthaltstitel oder Arbeitserlaubnisse, sowie Armut oder psychische Probleme drängen Menschen in die Kriminalität. Doch statt diese sozialen Probleme anzugehen fährt der Staat eine Null-Toleranz-Linie, ganz im autoritären Trend.

Ein Teufelskreis ergibt sich daraus, dass die daraufhin verhängten Geldstrafen nicht bezahlt werden können (sonst hätten sich die Menschen ja bspw. auch ein Ticket oder die Waren kaufen können) und sie dann ersatzweise im Gefängnis ihre Strafe absitzen. Hier werden also keine Kriminalität und Gefährdung bekämpft, sondern vor allem arme oder geflüchtete Menschen. Dies ist nicht nur aus einer juristischen und rechtsstaatlichen Perspektive hoch bedenklich2, sondern steht auch dem politischen Anspruch einer inklusiven und nicht-diskriminierenden Gesellschaft entgegen.

Unseren offenen Brief an die Justizministerin von Sachsen, die Rundverfügung widerrufen zu lassen, findet ihr hier: Offener Brief BagatellVO Copwatch LE

Deshalb ist es sehr wichtig sich gegen die Repression mit allen (rechtsstaatlichen) Mitteln zu wehren! Dazu wollen wir hier eine kleine Handlungsanleitung geben.3

Vorladung zur Zeugen/Beschuldigtenaussage

Du musst Vorladungen der Polizei, sei es als Zeug*in oder als Beschuldigte*r, nicht nachkommen. Verpflichtend sind nur Vorladungen von Staatsanwaltschaft (auch durch die Polizei) oder Gericht. Auch die angedrohte Ordnungswidrigkeit nach § 111 OWiG wird in der Regel bei Ignoranz der Vorladung bzw. Antwort nicht durchgesetzt, da sie ja deinen Namen und Adresse offensichtlich schon haben (sonst hätten sie dir ja die Vorladung nicht schicken können).

Auch hier gilt der gaaaaaanz wichtige Grundsatz: Keine Aussage zu gar nichts!

Strafbefehl4

Der Strafbefehl ist eine Verurteilung, die ggf. auch ins Bundeszentralregister eingetragen wird, ohne vorhergehende Verhandlung. Dies wird häufig praktiziert, da die Staatsanwaltschaft darauf spekuliert, dadurch ihren Aufwand zu minimieren, weil sich nicht dagegen gewehrt wird. Allerdings wird dir so die Möglichkeit der Verteidigung genommen, die zu einem Freispruch oder einer geringeren Strafe führen können. Vor allem Verfahrenseinstellungen sind bei Einsprüchen häufig, da die Gerichte so überlastet sind, dass sie Bagatellen lieber einstellen als durch zu prozessieren. Manchmal wird der Strafbefehl auch zurückgenommen, wenn sich ergibt, dass er falsch ist.

Daher solltest du in jedem Fall innerhalb von zwei Wochen einen formlosen und unbegründeten Einspruch gegen den Strafbefehl einlegen. Formulierungsvorschlag: „Hiermit lege ich Einspruch gegen den Strafbefehl des Amtsgerichts … vom … mit dem Aktenzeichen … ein.“ + Unterschrift. Entscheidend zur Fristwahrung ist der Posteingang bei Gericht. Kommst du zu spät wird der Strafbefehl rechtskräftig, das bedeutet, er ist nicht mehr angreifbar.

Der Einspruch kann auch auf den Strafausspruch (Höhe der Strafe) beschränkt werden, dann kommt es nicht zur Hauptverhandlung, sondern es ergeht ein Beschluss im schriftlichen Verfahren. Hier kann es keine Verschlechterung (höherer Tagessatz) geben.

Ein Einspruch kann jederzeit mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft, das heißt auch noch bis zur Urteilsverkündung, zurückgenommen werden. Dann entstehen auch keine weiteren Kosten. In dem Fall, wo er nicht zurückgenommen oder das Verfahren eingestellt wird, kommt es zu einem ganz normalen Prozess, bei welchem der Strafbefehl die Anklageschrift ersetzen wird. Solltest du verurteilt werden, musst du dann auch die Gerichtskosten tragen, was ein Risiko des Einspruches darstellt.

Tagessatzhöhe5

Durch einen Strafbefehl können nur Geldstrafen und Nebenfolgen (z.B. Fahrverbot, Entziehung der Fahrerlaubnis usw.) verhängt werden.6 Diese ergibt sich aus einer bestimmten Anzahl und Höhe. Dies ist sehr stark durch die Praxis des jeweiligen Gerichtsbezirks (z.B. Leipzig) beeinflusst. Es gibt in jedem Gericht Tabellen mit „üblichen Tarifen“ als Richtschnur. Die Schwere der Tat und Schuld bestimmt die Anzahl der Tagessätze. Dabei wird es sich meist im Rahmen von 20-90 Tagessätze halten.

Die Tagessatzhöhe richtet sich nach deinem Einkommen bzw. wirtschaftlichen Verhältnissen: 1 Tagessatz = Nettoeinkommen/Monat geteilt durch 30. Bei besonders hohem oder niedrigem Einkommen kann es auch noch korrigiert werden (eher selten) oder vom Nettoeinkommen können bestimmte Ausgaben abgezogen werden (z.B. Unterhalt für Kinder).

Besonders bei sehr niedrigem Einkommen (z.B. von Asylbewerber*innen, die teilweise nur 163 € im Monat zum Leben bekommen) kann auch eine Tagessatzhöhe von einem Euro angesetzt werden, da jeder andere Betrag den kompletten wirtschaftlichen und sozialen Ruin bedeuten würde.7

Wie hoch dein Einkommen ist, wird von der Staatsanwaltschaft in der Regel geschätzt und meist eben überschätzt. Das ist auch der Grund, warum in den allermeisten Fällen, jedenfalls aber auf die Tagessatzhöhe beschränkt, ein Einspruch eingelegt werden sollte. Sollte dein Einkommen unterschätzt werden, birgt der Einspruch jedoch das Risiko, dass sie die Tagessatzhöhe auch noch nach oben verschiebt. Also am bestem mal grob überschlagen und bei Unsicherheit mal bei einer Rechtsanwält*in fragen.

Beratungsschein8

Wer Sozialleistungen bezieht oder sonst sehr wenig Geld hat, kann beim Amtsgericht einen Beratungshilfeschein bei rechtlichen Problemen beantragen. Bei Strafverfahren wird dies allerdings regelmäßig nur im Ermittlungsverfahren gewährt, also nicht mehr, wenn du bereits einen Strafbefehl erhalten hast. Es macht also Sinn sich diesen Beratungsschein zu holen, wenn du damit rechnest böse Post zu bekommen, weil du bspw. beim Klauen oder Fahren ohne Ticket erwischt wurdest. Der Beratungsschein erstreckt sich nicht auf die Vertretung im Strafprozess oder andere Handlungen, sondern nur auf eine Beratung, z.B. ob und wie ein Widerspruch eingelegt werden sollte, welche Rechte du hast usw. Die Rechtsanwält*in kann für das Gespräch auch 10-15€ zusätzlich von dir verlangen. Grundsätzlich sind alle Rechtsanwält*innen verpflichtet solche Beratungen anzubieten, wobei es immer besser ist eine Anwält*in zu konsultieren, die auf das jeweilige Fachgebiet (z.B. Strafrecht) spezialisiert ist.

Prozessbegleitung

Sollte es zur Hauptverhandlung kommen, ist es immer gut ein paar Menschen im Publikum zu haben9, damit die Justiz nicht unbeobachtet ist und du allein fühlst. Bitte also am besten deine Freund*innen mitzukommen. Dabei ist es immer ratsam die Verhandlung schriftlich zu dokumentieren. Falls du niemanden findest, die oder der mit dir mitkommen kann, schreib an Copwatch LE, der Prozessbeobachtungsgruppe oder den Kritischen Jurist*innen Leipzig oder geht zur kostenlosen Beratung der Refugee Law Clinic (bei aufenthaltsrechtlichen Problemen), der Roten Hilfe und dem Anarchist Black Cross (v.a. bei politischer Repression). Wenn möglich, versuchen wir euch zu unterstützen.

Wie sind erreichbar unter copwatchleipzig@riseup.net. Wir können keine Rechtsberatung gewährleisten, aber solidarische Anwält*innen vermitteln oder deinen Fall politisch begleiten.

1 Es gibt auch eine seit Rundverfügung (2018), dass alle Delikte gegen Amtsträger*innen angeklagt werden sollen. Das sind dann häufig „Beleidigungen“ gegenüber Polizist*innen.

2 Einen guten wissenschaftlichen Beitrag dazu findet ihr hier: https://kripoz.de/wp-content/uploads/2019/07/hoven-strobel-kinzig-null-toleranz-bagatellen-bestrafen.pdf. Bei der genannten Veranstaltung waren auch Menschen von Copwatch LE und haben Strobl und die VO scharf kritisiert.

3 Rechtsberatung, vor allem für politische Repression, gibt es in Leipzig von der Roten Hilfe jeden Freitag, 17:30 bis 18:30 Uhr, in der Brandstr. 15.

4 Dieser Absatz ist eine gekürzte und überarbeitete Version der Rechtshilfetipps der Roten Hilfe, zu finden unter: https://www.rote-hilfe.de/rechtshilfe-und-unterstuetzung/rechtshilfetipps/670-buvo, weitere Infos unter: https://strafbefehl-info.de/einspruch-strafbefehl/.

5 Weitere Infos unter: https://strafbefehl-info.de/tagessatz-tagessaetze/.

6 Seid ihr durch eine*n Rechtsanwält*in vertreten auch 1 Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung, § 407 II 2 StPO.

7 Vgl. OLG Dresden, Urteil vom 03.07.2009 – 2 Ss 163/09, „Nach den Feststellungen des Landgerichts hat die Angeklagte einen Asylantrag gestellt, über den bislang noch nicht abschließend entschieden ist. Sie wohnt derzeit im Asylbewerberheim und ist Mutter eines im März 2008 geborenen Sohnes, der bei ihr lebt. Der Angeklagten stehen monatlich Sozialleistungen in Höhe von 163,84 EUR zur Verfügung; den darin enthaltenen Anteil an Zuwendungen für Kleidung, Verpflegung und Kosmetika erhält die Angeklagte nicht in bar. Ihr bleiben vielmehr monatlich 46,00 EUR. Hiervon verwendet sie 14,00 EUR für den Erwerb einer Monatskarte für öffentliche Verkehrsmittel, um den regelmäßigen Kontakt zu dem Vater ihres Kindes und weiteren Landsleuten aufrechtzuerhalten. Kindergeldzahlungen erhält die Angeklagte nicht.“

8 Den Antrag und weitere Informationen findest du hier: https://justiz.de/formulare/zwi_bund/agI1.pdf, https://www.justiz.sachsen.de/agl/download/Beratungshilfe_Strafsachen.pdf.

9 grundsätzlich sind alle Gerichtsverhandlungen öffentlich.

كيف تتعامل مع أمر العقوبات؟

تلقيت بريد سيئ، والآن؟

دليل إلى استدعاء للمحكمة والنظام الجنائي في Copwatch Leipzig، مارس 2020

PDF: بريد سيئ، والآن؟

القمع ضد الناشطين اليساريين والملاحقة الجنائية تمضي قدما وبحدة منافية للعقل في ساكسونيا.  ويرجع ذلك أيضا إلى أن هناك لائحة ثانوية سارية المفعول منذ 1 آذار/مارس 2019.  وهذا أمر داخلي صادر عن المدعي العام ستورل (وزير العدل)، ثم جيمكو، واتحاد الدفاع عن حقوق الإنسان) إلى جميع المدعين العامين في ولاية سكسونيا لتوجيه الاتهام أيضًا إلى الجرائم الجنائية في المجال الصغير وعدم إيقافها.

وعادة ما تكون الجرائم البسيطة ذات أهمية ثانوية، مثل تهريب الخدمات (استخدام وسائل النقل العام دون تذكرة)، وجرائم الإقامة، وجرائم المخدرات والسرقة بكميات صغيرة أو المبالغ أو المواد شبه

  1. 1.المعاقب عليها

وكثير من تلك „الجريمة“ لها، قبل كل شيء، أسباب اجتماعية: عدم وجود تصاريح إقامة أو تصاريح عمل، فضلا عن الفقر أو المشاكل النفسية، مما يجبر الناس على ارتكاب الجريمة.  ولكن بدلا من معالجة هذه المشاكل الاجتماعية، تتبع الدولة خط عدم التسامح على الإطلاق، في الاتجاه الاستبدادي.

وتنشأ حلقة مفرغة من حقيقة مفادها أن الغرامات المفروضة لا يمكن دفعها (وإلا كان بوسع الناس أن يشتروا تذكرة أو السلع على سبيل المثال) ثم يخدمون عقودهم في السجن.  وهذا ليس حربا ضد الجريمة وتعريض للخطر، بل هو في المقام الأول ضد الفقراء أو اللاجئين.  وهذا أمر مشكوك فيه 2 إلى حد كبير، ليس فقط من المنظور القانوني والدستوري

بل إنه يعارض أيضا الادعاء السياسي بمجتمع شامل وغير تمييزي.

يمكنك أن تجد رسالتنا المفتوحة إلى وزير العدل في ساكسونيا لإلغاء الأمر الدائري هنا:
رسالة مفتوحة من BagatellVO Copwatch Le

ولهذا السبب فمن الأهمية بمكان أن نكافح القمع بكل الوسائل (الدستورية)!

ونود أن نقدم هنا دليلا صغيرا للعمل 3)

الاستدعاءات للشهود/الاتهام

لا يتعين عليك الامتثال للاستدعاءات من الشرطة، سواء كشاهد أو كمتهم.
ولا يلزم سوى الاستدعاءات من مكتب المدعي العام (بما في ذلك من قبل الشرطة) أو المحكمة.  كما أن الجريمة التنظيمية المهددة بموجب المادة 111 من القانون رقم 1، وهي عادة ما تكون في حالة جهل بالحضور أو الإجابة غير مطبقة، لأنه من الواضح أن لديهم اسمك وعنوانك بالفعل (وإلا لم يتمكنوا من إرسالك الاستدعاء).

هنا أيضًا، ينطبق المبدأ المهم جدًا: لا تقدم بيان على لا شيء!

4الأمر الجنائي

أمر العقوبة هو إدانة يمكن أيضًا إدخالها في السجل المركزي الفيدرالي دون مفاوضات مسبقة.
يحدث هذا غالبًا لأن مكتب المدعي العام يعتقد أنه سيقلل من جهودهم لأنه لا توجد مقاومة لذلك. لكن هذا يحرمك من إمكانية الدفاع، مما قد يؤدي إلى تبرئة أو عقوبة أقل.  وفوق كل شيء، فإن وقف الإجراءات أمر شائع في الطعون، حيث أن المحاكم مثقلة جدا بما يجعلها تفضل وقف المسائل التافهة بدلا من التقاضي من خلالها.  وفي بعض الأحيان يتم سحب أمر العقوبة حتى إذا تبين أنه خاطئ.

ولذلك، ينبغي، على أية حال، تقديم اعتراض رسمي او غير رسمي على النظام الجنائي في غضون أسبوعين.
الصيغة المقترحة: أعترض بموجب هذا على الأمر الجنائي للمحكمة المحلية … ، من … ، مع رقم الملف … „. توقيع +.  البريد الوارد في المحكمة أمر حاسم للوفاء بالموعد النهائي.
اذا كان متأخرًا جدًا ، يصبح أمر العقوبة نهائيًا ، فهذا يعني أنه حاسم.

يمكن أن يقتصر الاعتراض أيضًا على الحكم (مقدار العقوبة)، وفي هذه الحالة لا يتم عقد جلسة الاستماع الرئيسية ، ولكن يتم اتخاذ القرار في إجراء مكتوب. لا يمكن أن يكون هناك تدهور هنا (معدل يومي أعلى).

يجوز سحب الاعتراض في أي وقت بموافقة المدعي العام، أي إلى حين صدور الحكم.  ثم لن تكون هناك تكاليف إضافية.  وفي حالة عدم سحبها أو إنهاء الاجراءات، تجري محاكمة عادية تماما يحل فيها الامر محل لائحة الاتهام.  إذا تمت إدانتهما، فسيتعين عليك أيضا دفع تكاليف المحكمة، الأمر الذي يشكل خطرا على الاستئناف.

5ارتفاع المعدل اليومي

 
يمكن فرض الغرامات والعواقب الإضافية فقط (مثل حظر القيادة وإلغاء رخصة القيادة، إلخ) بأمر

6 جزائي.
ينتج هذا عن عدد معين وكمية معينة.  وقد تأثر ذلك كثيرا بممارسة الدائرة القضائية المعنية (مثل لايبزيغ).  وهناك جداول في كل محكمة تتضمن „التعريفات المعتادة“ كمبدأ توجيهي.  وتحدد شدة الفعل والشعور بالذنب عدد المعدلات اليومية.  سيكون ذلك عادة ضمن حدود 20-90 معدلات يومية.

يعتمد المعدل اليومي على دخلك أو وضعك الاقتصادي: 1 المعدل اليومي = صافي الدخل/الشهر مقسوما على 30. وفي الدخول المرتفعة أو المنخفضة بشكل خاص، يمكن أيضا تصحيحها (نادرا ما يتم خصمها) أو خصمها من صافي الدخل بعض النفقات (مثل نفقات إعالة الأطفال).

ويمكن تحديد معدل يومي ليورو واحد، لا سيما إذا كان الدخل منخفضا جدا (مثل ملتمسي اللجوء* الذين يحصلون أحيانا على 163 يورو فقط في الشهر)، لأن أي مبلغ آخر يعني الخراب الاقتصادي

7thوالاجتماعي التام

ما هو مستوى دخلك؟ عادة ما يقدر من قبل المدعي العام وعادة ما يكون مبالغا في تقديره.  وهذا هو أيضا السبب في ضرورة تقديم المعارضة في الغالبية العظمى من القضايا، ولكن في كل الأحوال تقتصر على المعدل اليومي.  ومع ذلك، إذا كان معدل دخلك أقل من الحد الأدنى، فهناك خطر أن يؤدي ذلك إلى رفع المعدل اليومي.  لذلك في أفضل الأحوال، يجب أن تعود بسرعة وتسأل المحامي* في حالة عدم اليقين.

8المشاورات

إذا تلقيت فوائد اجتماعية أو كان لديك القليل جدا من المال، فيمكنك التقدم بطلب إلى المحكمة المحلية للحصول على شهادة مساعدة استشارية في حالة حدوث مشاكل قانونية.  ومع ذلك، ففي الإجراءات الجنائية، لا يمنح ذلك عادة إلا في التحقيق الأولي، لا أكثر لذلك إذا كنت قد تلقيت بالفعل أمرا جنائيا.  لذا من المنطقي الحصول على هذه الملاحظة الاستشارية، إذا كنت تتوقع الحصول على بريد سيئ، لأنك مثلا قد تم ضبط السرقة أو القيادة بدون تذكرة.  ولا تشمل شهادة التشاور التمثيل في الإجراءات الجنائية أو غيرها من الأفعال، بل تقتصر على تقديم المشورة بشأن ما إذا كان ينبغي تقديم الاعتراض وكيفية تقديم الاعتراض، وما هي الحقوق التي تتمتع بها، وما إلى ذلك  يمكن للمحامي أيضا أن يتقاضى 10-15 يورو مقابل المقابلة.  ومن حيث المبدأ، فإن جميع المحامين* ملزمون بتقديم مثل هذه المشورة، ولكن من الأفضل دائما استشارة محام متخصص في المجال المعني (مثل القانون الجنائي).

دعم العمليات

وإذا ما وصلت إلى المحاكمة الرئيسية، فمن الجيد دائما أن يكون هناك عدد قليل من

9الجمهور

حتى لا يكون القضاء غير ملاحظ وتشعر وحدك.  لذا من الأفضل أن تطلب من صديقك* من الداخل أن يجيء.  ومن الصواب دائما توثيق الاجراءات كتابة.  إذا لم تعثر على أي شخص يمكن أن يأتي معك، اكتب إلى Copwatch Le أو مجموعة مراقبة العملية أو المحامي الناقد في لايبزيغ أو اذهب إلى عيادة قانون اللاجئين للحصول على نصائح مجانية (في حالة مشاكل السكن)، وRed Aid والصليب الأسود الانركي (وخاصة في حالة القمع السياسي).  إذا أمكن، نحاول دعمك.

كيفية الوصول إلينا على copwatchleipzig@riseup.net.  لا يمكننا ضمان المشورة القانونية، ولكننا يمكن أن نتوسط في حل قضية محامي تضامن مع قضيتك أو مرافقتها سياسيا.

١ كان هناك أيضًا تعميم منذ عام 2018 ينص على وجوب توجيه الاتهامات إلى جميع الجرائم ضد المسؤولين الحكوميين. ثم غالباً ما تكون هذه „إهانات“ ضد ضباط الشرطة.

2 يمكنك أن تجد مساهمة علمية جيدة هنا : https://kripoz.de/wp-content/uploads/2019/07/hoven-strobel-kinzig-null-toleranz-bagatellen-bestrafen.pdf.  كما تعرض أشخاص من كوبتش لو إلى الحدث المذكور وانتقدوا بشدة على ستروبول وفو.

3يتم تقديم المشورة القانونية، خاصة للقمع السياسي، في لايبزيغ من قبل روت هيليف كل يوم جمعة، من 17:30 إلى 18:30، في براندstr.

4هذه الفقرة عبارة عن نسخة مختصرة ومنقحة من „تلميحات المساعدة القانونية“ الخاصة „بالتعليمات الحمراء“، متوفرة على: https://www.rote-hilfe.de/rechtshilfe-und-unterstuetzung/rechtshilfetipps/670-buvo، لمزيد من المعلومات على: HTTPS:/strafbefehl-info.de/einspruch-strafbefehl/.

5معلومات مهمة على: https://strafcommahl-info.de/tagessatz-tagessaetze/.

6 لها من قبل محامي كما مثلت في 1 سنة سجن تحت الاختبار، الفقرة 407 ثانيا 2 من قانون الجنسية.

7. OLG Dresden, Urteil vom 03.07.2009 – 2 SS 163/09، „وفقا لنتائج المحكمة الإقليمية، قدم المتهم طلبا للجوء، لم يتقرر بعد نهائيا بعد.  وهي تعيش حاليا في منزل طالبي اللجوء وهي أم ابن ولد في آذار/مارس 2008 ويعيش معها.  يحق للمتهم الحصول على إعانة شهرية قدرها 163,84 يورو؛  ولا يحصل المدعى عليه نقدا على نسبة البدلات الخاصة بالملابس والاغذية ومستحضرات التجميل الواردة فيها.  في الواقع، سيبقى 46.00 يورو في الشهر.  ويستخدم 14.00 يورو لشراء بطاقة نقل عام شهرية للحفاظ على اتصال منتظم بأب طفلها ومع أبناء وطنها الآخرين.  ولا يحصل المدعى عليه على مدفوعات إعانة الطفل“.

8يمكنك العثور على التطبيق والمزيد من المعلومات هنا: https://justiz.de/formulare/zwi_bund/agI1.pdf, https://www.justiz.sachsen.de/agl/download/Beratungshilfe_Strafsachen.pdf.

9 كل المحاكمات عامة.