Zum Internationalen Tag gegen Polizeigewalt am 15. März haben wir den ersten unabhängigen Bericht „Polizeigewalt in Sachsen“ veröffentlicht. Darin werden sachsenweit 71 Fälle polizeilichen Fehlverhaltens aus den Jahren 2023 und 2024 dokumentiert.
Mit Radio Corax in Halle haben wir über den Bericht gesprochen. Nachhören könnt Ihr das Interview hier:
Zum Internationalen Tag gegen Polizeigewalt am 15. März veröffentlichen wir den ersten unabhängigen Bericht „Polizeigewalt in Sachsen“. Darin werden sachsenweit 71 Fälle polizeilichen Fehlverhaltens aus den Jahren 2023 und 2024 dokumentiert. Die Vorwürfe reichen von rassistischen Personenkontrollen über diskriminierende Beleidigungen bis hin zu schwerer körperlicher Gewalt.
Uns erreichte eine bedrückende Nachricht aus Remscheid in Nordrhein-Westfalen. Der Vater einer dort lebenden spanischen Familie hatte uns von einem Fall heftiger Polizeigewalt berichtete: Am Abend des 5. Juli 2024 um kurz nach 21 Uhr seien Polizist*innen in die Wohnung der Familie gestürmt und hätten, wie er berichtete, „die ganze Familie“ geschlagen sowie „meine schwangere Tochter in den Bauch“ getreten. Er selbst sei in Handschellen gelegt und auf die Polizeiwache gebracht worden. Für seine schwangere Tochter endete der Polizeieinsatz im Krankenhaus – erst am nächsten Tag wurde sie nach Ausschluss weiterer Schädigungen entlassen. Der Familienvater wurde erst am nächsten Morgen gegen 6 Uhr aus der Polizeizelle entlassen. Nach einer Nacht, in der er, wie er schildert, kaum Kleidung und kein Wasser erhalten hatte.
Er schilderte den Fall in einem Brief an den Oberbürgermeister von Remscheid. In dessen Namen meldete sich zwei Wochen nach dem Vorfall der Remscheider „Fachdienst Bürger, Sicherheit und Ordnung“ bei den Betroffenen. Die Bezeichnung der Stelle sollte nicht missverstanden werden: Das Schreiben der Stadt, das uns vorliegt, enthält weder eine Erklärung für die angewandte Polizeigewalt noch eine Entschuldigung oder eine Nachfrage nach dem aktuellen psychischen und physischen Gesundheitszustand der Familie. Im Gegenteil, der Fachdienst hatte für die Familie eine „Anhörung zur Ordnungswidrigkeitsanzeige“ eingetütet. Vorwurf: Am Abend des 5. Juli sei es gegen 21 Uhr zu einer „Ruhestörung für die Nachbarschaft“ gekommen. Beim Eintreffen der Polizei habe sich der Familienvater „verbal aggressiv“, „immer lauter“ und „fortwährend uneinsichtig“ verhalten. Gegen 21:50 Uhr sei ein zweiter Polizeieinsatz nötig geworden.
Der Fachdienst erweist sich in seiner Beschreibung des Vorfalls weder als bürgernah noch scheint er Wert auf eine inhaltliche und grammatikalische Ordnung, zu legen. Stattdessen schreibt er schlicht die polizeiliche Begründung ab. Um das Vorliegen einer „massiven Ruhestörung“, wie der Fachdienst schreibt, und das anschließende Vorgehen der Polizei kritisch zu hinterfragen, könnte bereits der Hinweis genügen, dass sich das Ganze weit vor 22 Uhr ereignete. Noch fragwürdiger wird die Verhältnismäßigkeit, wenn man sich die Ursache der für die Nachbarn hörbaren Lautstärke vor Augen führt. Am Abend des 5. Juli fand in Stuttgart das Viertelfinale der Europameisterschaft der Fußball-Herren statt, es spielten Spanien gegen Deutschland. Genau um 20:30 Uhr, eine Dreiviertelstunde vor dem ersten Eintreffen der Polizei, hatte Spanien das 2:1 erzielt und damit eine Minute vor Ablauf der Verlängerung die deutschen Hoffnungen auf einen Titelgewinn bei der Heim-EM beendet. Für die spanische Familie ein verständlicher Grund zum Jubeln und für die deutschen Nachbar*innen womöglich eine Gelegenheit zu zeigen, wer trotz Niederlage auf dem Platz „Herr im Hause“ ist. Gut, wenn man die Polizei und den Fachdienst Bürger, Sicherheit und Ordnung im Rücken hat.
Wer hingegen kaum Ressourcen hatte, sich gegen diese Situation und ihre Folgen zu wehren und sie zu bewältigen, war die betroffene Familie aus Spanien. Die Familie wendete sich an verschiedene Institutionen und bat um Unterstützung. Doch niemand sah sich zuständig. Man könne sich nur um Fälle kümmern, die unter das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz fallen. „Bei der Justiz und der Polizei greift es leider nicht“, so die kontaktierte Stelle. Das kontinuierliche Bemühen um Beratung und Unterstützung bei Polizeigewalt blieb mehrfach erfolglos. Über das spanische Konsulat wurde ihnen eine Liste spanischsprachiger Anwält*innen vermittelt, die sie in dieser Sache vertreten könnten. Doch die dort geforderten Stundensätze von 450€ kann sich der Familienvater, der in der Straßenreinigung arbeitet, jedoch nicht leisten.
Die Geschichte dieser Familie offenbart, wie Migrant*innen in Deutschland eingeklemmt zwischen geringen Sprachkenntnissen, finanziellen Engpässen und verletzenden Erfahrungen mit der Polizei von staatlichen und privaten Unterstützungsangeboten ausgeschlossen bleiben. Passende und effektive professionelle Unterstützungsangebote bei Polizeigewalt und -willkür sind in diesem Land nicht verfügbar.
Dabei ginge es jetzt darum, den Fall auf unverhältnismäßige Polizeigewalt hin zu untersuchen. Die Verletzung der schwangeren Person schockiert ebenso wie die scheinbare Normalität, mit der städtische Behörden auf eine mögliche Ordnungswidrigkeit und lautes Verhalten mit Handschellen und nächtlichem Polizeigewahrsam reagieren. Die Betroffenen beklagen zudem Falschaussagen der Nachbarn und ein generelles Misstrauen: „Die Polizei glaubt den Deutschen immer mehr als den Ausländern“, berichteten sie Vozpópuli. Die vom Rettungsdienst und im Krankenhaus dokumentierten Verletzungen der Tochter ermöglichten es der Familie zumindest, die Staatsanwaltschaft einzuschalten. Große Hoffnungen auf eine Ahndung der Polizeigewalt durch die deutsche Justiz hat die Familie jedoch nicht.
In spanisch sprachigen Medien wurde bereits über den Fall berichtet (mit Bildern):
Wir wünschen der Familie alles Gute und werden sie weiter versuchen zu unterstützen. Wenn ihr an die Familie spenden wollt oder sie vor Ort auf ihrem Weg begleiten, meldet euch gern bei uns! Wir stellen euch den Kontakt her!
¿Normalización de la violencia policial?Vecinos alemanes, la Eurocopa y la lucha de una familia española por justicia.
Hemos recibido una noticia preocupante desde Remscheid, en el estado de Renania del Norte-Westfalia. De acuerdo con el testimonio del padre de una familia española residente en la ciudad, la noche del 5 de julio de 2024, poco después de las 21:00 horas, varios agentes policiales irrumpieron en su vivienda y, según sus palabras, „golpearon a toda la familia“ y le dieron „una patada en el vientre a mi hija embarazada“. Él mismo fue esposado y trasladado a la comisaría. La intervención policial terminó con su hija en el hospital, de donde fue dada de alta al día siguiente tras descartar daños mayores. El padre, por su parte, no fue liberado de la celda policial hasta las 6:00 de la mañana, tras pasar la noche sin acceso a adecuado a ropa ni agua.
El hombre denunció lo sucedido en una carta dirigida al alcalde de Remscheid. Dos semanas después del incidente, la familia recibió una respuesta por parte del „Servicio Especializado de Ciudadanía, Seguridad y Orden“ de la ciudad. Sin embargo, lejos de ofrecer una explicación, una disculpa o interesarse por el estado físico y psicológico de la familia, el escrito contenía una citación para una „audiencia por infracción administrativa“. ¿El motivo? Supuestamente, la noche del 5 de julio, alrededor de las 21:00 horas, se había producido „una perturbación del orden público que afectó a la vecindad“. Según el informe policial, el padre de la familia reaccionó de manera „verbalmente agresiva“, elevando cada vez más la voz y mostrando una „actitud persistente de resistencia“. Como consecuencia, a las 21:50 horas se requeriría una segunda intervención policial.
La versión del „Servicio Especializado“ no solo carece de cercanía con la ciudadanía, sino que tampoco muestra rigor en su redacción. Simplemente repite la justificación policial sin cuestionarla. Para analizar críticamente si realmente existió una „grave alteración del orden“, bastaría con señalar que los hechos ocurrieron mucho antes de las 22:00 horas, el horario en el que habitualmente se regula el ruido nocturno. La desproporción de la intervención resulta aún más evidente cuando se considera el contexto: la noche del 5 de julio se disputaba en Stuttgart el partido de cuartos de final de la Eurocopa entre España y Alemania. A las 20:30, apenas 45 minutos antes de la llegada de la policía, España marcó el 2-1 que eliminó a Alemania del torneo en el último minuto de la prórroga. Para la familia española, un motivo de celebración; para sus vecinos alemanes, quizás una oportunidad para demostrar quién sigue teniendo „la autoridad en casa“ pese a la derrota. Y más aún si cuentan con el respaldo de la policía y del Servicio de Ciudadanía, Seguridad y Orden.
Quienes, en cambio, no tuvieron recursos para defenderse de esta situación ni para enfrentar sus consecuencias fueron los miembros de esta familia. Acudieron a distintas instituciones en busca de apoyo, pero ninguna se demostró competente. „Solo podemos intervenir en casos que entren dentro de la Ley General de Igualdad de Trato“, dijeron. „Lamentablemente, esto no aplica a la justicia ni a la policía“. A pesar de los repetidos intentos de asesoramiento y apoyo frente a la violencia policial, se encontraron una y otra vez con puertas cerradas. A través del consulado español, consiguieron una lista de abogados hispanohablantes que podrían representarlos, pero los honorarios requeridos (450 € por hora) estaban fuera del alcance del padre de familia, quien trabaja en el servicio de limpieza urbana.
El caso de esta familia refleja cómo las personas migrantes en Alemania quedan atrapadas entre la barrera del idioma, la precariedad económica y las experiencias de violencia institucional, sin acceso a mecanismos eficaces de apoyo. No existen en el país servicios adecuados y accesibles que brinden asistencia profesional ante la violencia y el abuso policial.
Lo que ahora se necesita es una investigación sobre el uso desproporcionado de la fuerza policial. La agresión a una mujer embarazada es impactante, al igual que la normalización con la que las autoridades locales justifican el uso de esposas y la detención nocturna como respuesta a una presunta infracción menor. Además, la familia denuncia falsos testimonios de los vecinos y un sesgo racial en el trato policial: „La policía siempre cree más a los alemanes que a los extranjeros“, declaró a Vozpópuli . Sin embargo, las lesiones de la hija, documentadas por los servicios de emergencia y en el hospital, permitieron al menos que la familia presentara una denuncia ante la fiscalía. Aun así, sus esperanzas de que la justicia alemana sancione la violencia policial son escasas.
Medios en español ya han informado sobre el caso (con imágenes):
Desde Copwatch Leipzig, deseamos lo mejor a la familia y seguiremos intentando apoyarla. Si queréis hacer una donación o acompañarlos en su proceso, contactad con nosotros. ¡Os pondremos en contacto con ellos!
Die Polizei greift ständig und umfassend in unsere Grundrechte ein – über sogenannte „Gefährliche Orte“. Zu den Hintergründen hat CILIP einen guten Artikel veröffentlicht.
„Gefährlichen Orte“ darf die Polizei selbst festlegen und dort dann ohne Anlass Kontrollen durchführen – und muss noch nicht mal öffentlich klarmachen, welche Orte gerade als gefährlich gelten. Damit bekommt die Polizei zusätzlich ein mächtiges Werkzeug, das diskriminierende Polizeipraktiken wie Racial Profiling begünstigt. Demokratische Kontrolle? Fehlanzeige! Das Risiko von Willkür und Missbrauch durch die Polizei ist offensichtlich. Politisch ist das Problem seit Jahren bekannt und auch so gewollt. Auf eine Abschaffung durch den Gesetzgeber ohne Druck von der Straße brauchen wir nicht hoffen.
Daher hat das Projekt ÜberwachtAtlas die Sache selbst in die Hand genommen und schafft Transparenz: die bundesweiten „gefährlichen Orte“ im Zeitverlauf sind auf einer Karte vermerkt. Zusätzlich gibt es Informationen zur polizeilichen Praxis und dem unterschiedlichen Vorgehen der einzelnen Bundesländer.
Wie schaffen wir Sicherheit, wenn wir uns auf den Staat nicht verlassen können? Welche abolitionistischen Praxen werden von Sexworkern etabliert? Wie können wir mit Vorurteilen gegenüber Sexarbeit brechen und was hat Polizeikritik mit alldem zu tun? Darum geht’s bei unserem Podiumsgespräch – und danach eskaliert die Nacht:
✨ Drag von Chichi Glitch 🔥 Bleached Block live 🎧 gay/them + weitere furiose DJs
Dazu: 🕯️ Kerzen von @streetheatcandles 🍹 Soligetränke – cheers for change
📅 08.02.2025 📍 OstPassageTheater
Ab 18h ist Einlass. Kommt früh und bleibt lange!
Spenden gehen an CopWatch Leipzig, Fachberatungsstelle Leila, MANAS (Portugal)
In Deutschland können Menschen ohne oder mit geringem Einkommen Beratungs- und Prozesskostenhilfe bekommen. Sie können sich damit kostenlos anwaltlich beraten und vertreten lassen. Die Anwält:innen bekommen dann die gesetzliche Mindestvergütung vom Staat bezahlt. Meist hängt die Gewährung der Hilfe von den Erfolgsaussichten ab. Insbesondere Menschen, die Sozialhilfe, Bürgergeld, Arbeitslosengeld, Asylbewerberleistungen oder Bafög bekommen, sollten die Unterstützung nutzen.
Wir haben ein Infoblatt dazu gemacht. Was kommt wann in Frage? Wie wird die Hilfe beantragt? Was sind die Risiken?
Bei Unklarheiten oder weiteren Fragen meldet Euch per Kontaktformular oder Email.
En Alemania, las personas sin ingresos o con ingresos bajos pueden recibir asesoramiento y asistencia jurídica gratuita (Beratungs- und Prozesskostenhilfe). Esto le permite ser asesorado y representado gratuitamente por un abogado. El Estado paga a l@s abogad@s los honorarios mínimos legales. En la mayoría de los casos, la concesión de la asistencia depende de las perspectivas de éxito. En particular, las personas que reciben asistencia social, subsidio de ciudadanía, subsidio de desempleo, subsidio de solicitante de asilo deben aprovechar esta ayuda.
Hemos elaborado una hoja informativa al respecto. ¿Qué es subvencionable y cuándo? ¿Cómo se solicita la ayuda? ¿Cuáles son los riesgos?