Polizei & Gewalt & Corona

Never trust a cop.

Auch bzw. erst Recht nicht in Zeiten von Corona.

Uns erreichte eine Presseanfrage, was Situationen diskriminierender Polizeikontrollen sind und wo die Polizei ihre Befugnisse übertritt. Unser Antwort veröffentlichen wir heute.

Situationen diskriminierender Polizeikontrollen:

Verdachtsunabhängige Polizeikontrollen sind normalerweise, aus gutem Grund, nur sehr eingeschränkt möglich, wie beispielsweise an „gefährlichen Orten“. Durch die Ausgangsbeschränkung ist das Anhalten, Befragen und Feststellen der Identität im Prinzip überall möglich, da bereits der Aufenthalt außerhalb der Wohnung eine „Störung der öffentlichen Sicherheit“ und damit gefahrenabwehrrechtliche Eingriffsbefugnis für die Polizei ist. Doch da, wo verdächtiges bzw. kriminalisiertes Verhalten nicht als Grundlage für polizeiliches Einschreiten gilt, wird an Aussehen der Person angeknüpft, da irgendeine Art von profiling („kriminalistische Erfahrung“) angesetzt werden muss, um eine Auswahl an zu Kontrollierenden zu treffen.

Diskriminierende (bewusste oder unbewusste) Stereotype, wie rassistische und klassistische Einstellungen, gibt es in unserer Gesellschaft, eben auch, bzw. aufgrund von täglichem Umgang mit bestimmten „Problemgruppen“ und einer starken „Feinbildentwicklung“ sogar verstärkt, in Polizei. Institutioneller Rassismus, und racial profiling als dessen tägliche Praxis, stellen nicht hinreichend erkannte und bearbeitete Probleme dar. So lässt sich vereinfacht sagen, dass dort, wo die Polizei viel Ermessen hat, diskriminierende Kontrollen am häufigsten auftreten.

Dies ist vor allem in Hinblick auf die Corona-VO hoch problematisch. Es gibt viel zu viele unbestimmte Rechtsbegriffe und eine unklare Rechtslage, bei der für Laien und nicht Deutsch-Muttersprachler*innen kaum ersichtlich ist, welches Verhalten richtig oder falsch und damit strafbewehrt ist. Selbst Volljurist*innen ringen hier nach Antworten, Verwaltungsvorschriften von Polizeipräsidenten müssen zurück genommen werden, weil sie falsch sind.

Eine eigenmächtige, willkürliche und für Betroffene von polizeilichen Maßnahmen ungünstige Auslegung gefährdet die Grund- und Freiheitsrechte, zumal Rechtsschutz für – vor allem von sozialer Ausgrenzung Betroffener – kaum gewährleistet ist.

Zudem hängt die schnelle Verabschiedung und das Inkrafttreten der Maßnahmen diejenigen ab, die kein social media nutzen oder nicht über Zugang zu Informationen oder Communities verfügen. Fehlendes Wissen über die eigene Rechte und Grenzen polizeilicher Maßnahmen führen zu noch mehr Verunsicherung.

Die Verordnungen zur Ausgangssperre orientieren sich an einer heteronormativen Kernfamilie, die alternative Lebensmodelle vernachlässigt und keine Regelungen für Menschen vorsieht, die nicht Zuhause bleiben können, weil sie keines haben. Besonders Geflüchtete (und damit meist auch von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit Betroffene) in zentraler oder dezentraler Unterbringung, Prekarisierte in beengten Wohnverhältnisse, sowie Obdach- und Wohnungslose trifft es hier schwer.

Hier wird von der Landesregierung „Augenmaß“ gefordert, aber auch das ist nur wieder ein großer Handlungsspielraum für die Polizei, die je nach Laune oder politischer Einstellung entscheiden kann, wer weggeschafft oder mit einer Geldstrafe belegt wird. Menschen, die jetzt schon am/unterm Existenzminimum leben, werden so noch weiter in ihrer Existenz bedroht. Wie sollen sie die Bußgelder bezahlen?

Hinzu kommt, dass es, aufgrund von schlechten Erfahrungen, kaum Vertrauen von obdach/wohnungslosen Menschen in Polizei gibt. Das selbe trifft auf rassistisch Diskriminierte und Geflüchtete zu. Einfache Kontrollen eskalieren da oft. Aufgrund von Verständigungsschwierigkeiten oder auch, weil Polizist*innen keine gute Ausbildung im Umgang mit psychisch instabilen Menschen und Drogennutzer*innen haben.

Darüber hinaus werden auch Alternative, Linke und Drogenkonsument*innen, bzw. so von den Beamt*innen Eingeordnete, häufig Ziel von verdachtsunabhängigen Kontrollen. Gerade die sächsische Polizei hat viele konservative, rechte, rechtsextreme Beamt*innen und eine fehlende Fehlerkultur, in der solches Verhalten kritisiert und reflektiert würde. Ein dahingehendes profiling-Verhalten wurde auch schon in Dresden und Leipzig dokumentiert.

Auch ist zu erwarten, dass sich Frauen und Kinder, als häufigste Betroffene von häuslicher Gewalt, in den öffentlichen Raum flüchten. Auch hier besteht die Gefahr, dass Beamt*innen aufgrund fehlender Expertise oder sozialer Kompetenz ein angemessenes Verhalten und Hilfe in dieser Situation missen lassen werden. Zwar stellt dies einen trifftiger Grund im Sinne der Verordnung dar, der Schutz von Leib und Leben, aber hier liegt das Problem an den nicht weiter definierten bzw. definierbaren Begriffen des „Glaubhaftmachens“ des trifftigen Grundes.

Überschreitung der polizeilichen Befugnisse:

Die „gängigen“ rechtswidrigen Handlungen der Polizei bei Coronakontrollen sind unseres Wissens nach auch die gleichen, wie bei allen anderen Kontrollen. Der Dienstausweis wird auf Verlangen nicht gezeigt (in Sachsen Pflicht aufgrund fehlender Kennzeichnung der Beamt*innen), das Beistandsrecht ( § 14 IV 1 VwVfG) wird nicht gewährt.

Eine diskriminierende Auswahl (vor allem bei verdachtsunabhängigen Kontrollen oder vielen Verdachtsmomenten wie bei der Corona-AV/VO vgl. oben) von zu kontrollierenden Personen verstößt gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz aus Art. 3 GG, sowie gegen das AGG und internationale Verträge zum Menschenrechtsschutz.

Bezüglich der Corona AV/VO war zu beobachten, dass die Personalien von Personen aufgenommen werden, obwohl offensichtlich kein Verstoß gegen Ausgangsbeschränkungen vorliegt: bspw. angeblich 5 km von Wohnort entfernt sein, ein Schild mit politischer Aussage tragen sei kein Spazieren, allein auf Bank/Wiese zu sitzen – all dies sei ein Verstoß. Dabei ist jedoch anzumerken, dass diese Missverständnisse vor allem von unklaren und unbestimmten Verordnungen bzw. Allgemeinverfügungen herrühren und weder Bürger*innen, noch Polizist*innen eine genaue Auslegung haben.

Auch gab es Berichte von Gewaltanwendung obwohl diese vollkommen unnötig und damit unverhältnismäßig und verfassungswidrig ist. Die fehlende Rechtsschutzmöglichkeit gegen Polizeigewalt sei hier nur erwähnt.

Es ist uns auch berichtet worden, dass Menschen Anzeigen wegen Verleumdung oder Beleidigung bekommen haben, weil sie der Polizei in Polizeikontrollen eine rassistische Motivation unterstellt haben. Dies grenzt schon fast an Straftatbestand der falschen Verdächtigung, dient aber vor allem dazu Polizeikritiker*innen und solidarische Menschen von ihrer Intervention abzuhalten und einzuschüchtern. Keinerlei Kritik am eigenen Handeln zuzulassen, ist zudem Ausdruck einer autoritären und demokratiefeindlichen Tendenz im Sicherheitsapparat. Dieses Verhalten ist vor allem auf die fehlende Fehlerkultur bei Polizei zurückzuführen.

 Außerdem:

Coronatagebuch der Inneren Sicherheit:

Corona-Epidemie: Tagebuch der Inneren Sicherheit

FAQs zu den autoritären Maßnahmen:

https://freiheitsrechte.org/corona-und-grundrechte/

Initiative von Sachsens Demokratie zur Meldung von Polizeigewalt:

Die Polizei während Corona kontrollieren

Das Coronavirus greift nicht nur unsere Gesundheit, sondern auch unsere Gesellschaft an. Die Polizei hat während dieser Krise noch mehr Rechte als zuvor erhalten. Berichte über polizeiliches Fehlverhalten tauchen nun vermehrt in sozialen Netzwerken auf. Mit weniger Menschen auf den Straßen haben wir noch weniger Möglichkeiten, aggressives Verhalten der Strafverfolgungsbehörden zu kontrollieren und uns dagegen zu wehren.

Um die Polizeigewalt auf den Straßen Dresdens zu kontrollieren und zu bekämpfen, haben wir in Sachsens Demokratie die Initiative „Kooperation gegen Polizeigewalt“ ins Leben gerufen. Bei den Protesten gegen das neue Polizeigesetz in Sachsen gab es klare Forderungen nach einer unabhängigen Stelle, um Polizeiarbeit zu kontrollieren. Diese Forderung wurde von der Regierung ignoriert, so dass wir beschlossen haben, eine eigene Initiative ins Leben zu rufen, welche Informationen sammelt und, wo möglich, rechtlich gegen Polizeigewalt vorgehen wird.

Da es im Moment nicht möglich ist, sich persönlich zu treffen und zu besprechen, haben wir eine Möglichkeit geschaffen, Videos, Audios und Fotos von Polizeigewalt oder Fehlverhalten hochzuladen – https://kgp.notraces.net. Bitte bedenkt, dass unsere Ressourcen begrenzt sind und wir diesen Service nur für die Anzeige von Polizeibeamt*innen in Sachsen anbieten. Ihr könnt eure Daten anonym hochladen, aber wir wären euch sehr dankbar, wenn ihr uns unter kgp@notraces.net schreibt, wann, wo und was passiert ist.

Gemeinsam gegen Polizeiwillkür und -gewalt!
Kooperation gegen Polizeigewalt

Controlling police during Coronavirus times

Coronavirus is attacking not only our health but our society. Police got even more rights than before during this crisis. Reports of police misconduct are now popping up on social networks. With fewer people on the streets we have even less possibility to control and resist the aggressive behavior of law enforcement.

To control and fight back police violence on the streets of Dresden we in Sachsens Demokratie created the initiative „Cooperation Against Police Violence“. Within the protests against the new police law in Saxony there were clear demands on independent police control organization. Those demands were ignored by the government so we decided to create our citizen initiative that will collect information and where possible work legally against police violence.

As we can’t meet and talk to you right now we have created a possibility for you to upload videos, audios and photos of police violence or misconduct on the streets of our cities – https://kgp.notraces.net. Please take in consideration that our resources are limited and we provide this service only to report police in Saxon. You can do upload anonymously, but we would love if you can write us at kgp@notraces.net about when, where and what happened.

Keep up the struggle
Cooperation Against Police Violence

Sachsen, deine Polizei.

PDF: Sachsen, deine Polizei.

Der Jahresrückblick 2019: Überwachen und Strafen.

Das Jahr 2019 hat uns mal wieder gezeigt, wie notwendig es ist, Polizeiarbeit zu kontrollieren und zu kritisieren. Dies sollte sich jedoch nie darin erschöpfen, sich über Rechte im Polizeiapparat oder rechtswidriges Handeln zu beschweren. Eine grundlegende Kritik am Strafsystem und der Institution Polizei ist notwendig. Und doch gab es in den letzten Monaten so viele Vorfälle, bei der die Polizei Sachsen so viele rechtsstaatliche, demokratische oder schlicht vernünftige Minimalgrenzen überschritten hat, dass wir hier einige Ereignisse und Entwicklungen aufführen wollen.

Wichtig ist natürlich, dass dies bei weitem nicht vollständig ist und wir, durch unsere lokale Anbindung, auch vieles, was nicht in Leipzig passiert, nicht mitbekommen. Wir freuen uns also über weitere Hinweise, die wir hier ergänzen können.

Das Motto der Polizei Sachsen scheint in diesem Jahr „Überwachen und Strafen“ gewesen zu sein: Mehr und härter, Law and Order. Dies ist vor allem dem autoritären Kurs der CDU, die auch das Innen- und Justizministerium besetzt, „zu verdanken“. Diese geht nämlich vor der Wahl noch mal auf Stimmfang am Rechten Rand und fühlt sich nach der Wahl offensichtlich in ihrem Kurs gegen Links bestätigt. Zu leiden haben darunter aber nicht nur linke Aktivist*innen, sondern auch alle Ausgegrenzten, die nicht ins konservativ-arbeitsam-deutsche Weltbild passen und vor allem auch die freiheitliche Demokratie und der Rechtsstaat an sich.

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Sachsen, deine Polizei.

PDF: Sachsen, deine Polizei.

 

Der Jahresrückblick 2019: Überwachen und Strafen.

Das Jahr 2019 hat uns mal wieder gezeigt, wie notwendig es ist, Polizeiarbeit zu kontrollieren und zu kritisieren. Dies sollte sich jedoch nie darin erschöpfen, sich über Rechte im Polizeiapparat oder rechtswidriges Handeln zu beschweren. Eine grundlegende Kritik am Strafsystem und der Institution Polizei ist notwendig. Und doch gab es in den letzten Monaten so viele Vorfälle, bei der die Polizei Sachsen so viele rechtsstaatliche, demokratische oder schlicht vernünftige Minimalgrenzen überschritten hat, dass wir hier einige Ereignisse und Entwicklungen aufführen wollen.

Wichtig ist natürlich, dass dies bei weitem nicht vollständig ist und wir, durch unsere lokale Anbindung, auch vieles, was nicht in Leipzig passiert, nicht mitbekommen. Wir freuen uns also über weitere Hinweise, die wir hier ergänzen können.

Das Motto der Polizei Sachsen scheint in diesem Jahr „Überwachen und Strafen“ gewesen zu sein: Mehr und härter, Law and Order. Dies ist vor allem dem autoritären Kurs der CDU, die auch das Innen- und Justizministerium besetzt, „zu verdanken“. Diese geht nämlich vor der Wahl noch mal auf Stimmfang am Rechten Rand und fühlt sich nach der Wahl offensichtlich in ihrem Kurs gegen Links bestätigt. Zu leiden haben darunter aber nicht nur linke Aktivist*innen, sondern auch alle Ausgegrenzten, die nicht ins konservativ-arbeitsam-deutsche Weltbild passen und vor allem auch die freiheitliche Demokratie und der Rechtsstaat an sich.

Zunächst einmal ist an anderer Stelle zu kritisieren, dass vieles in der medialen Berichterstattung ungeprüft von den Pressemitteilungen der Polizei übernommen wird. Die Polizei ist keine unparteiische Akteurin, sondern selbst Partei in den Auseinandersetzungen. Daher wäre es für qualitativ hochwertigen Journalismus notwendig, sich unabhängig von der Polizei mit der Perspektive der Betroffenen vertraut zu machen, anstatt ihre (oft unwahren und unvollständigen) Meldungen einfach zu kopieren. Die Polizei verselbstständigt sich, vor allem auch durch offensive social-media-Arbeit, als politische Akteurin. Auch das ist Teil einer autoritären Entwicklung.

Im April wurde das neue sächsische Polizeigesetz verabschiedet. Dieses enthält eine Reihe von Vorschriften, die grundlegende demokratische Rechte aushebeln. Insgesamt gibt es eine Vorverlagerung der Eingriffsschwellen, was Willkür und politischer Justiz Tür und Tor öffnet, mehr Überwachung, mehr Waffen, härtere Strafen (Fußfesseln und Kontaktverbote) – und das alles im präventiven Bereich, also bevor man* was Verbotenes gemacht hat. Das ist wohl die vorläufige Spitze der autoritären und repressiven Verschiebung durch die Legislative.

https://polizeigesetz-stoppen.de/kritik/

Über die Waffenverbotszone auf der Eisenbahnstraße in Leipzig haben wir schon so viel geschrieben, möchten aber dennoch auch hier auf das bewusst rechtswidrige Handeln der Polizei hinweisen: Beamt*innnen zeigen nie ihre Dienstausweise (Pflicht aus § 8 SächsPolG), praktizieren verbotenes racial profiling, und kontrollieren oft ohne Angabe der richtigen Rechtsgrundlage oder außerhalb des angeblich „gefährlichen Ortes“ (https://copwatchleipzig.home.blog/zwischenbilanz/).

Zur Willkürliche Aushebelung von Grundrechten durch die spontane Deklaration als „gefährlicher Ort“: https://kreuzer-leipzig.de/2019/03/11/ja-wer-denn-sonst/

Völlig überzogene verdachtsunabhängige Riesen-Razzia am 12.11., nur um noch mal Schlagzeilen über die Gefährlichkeit der Eisenbahnstraße zu bekommen. Hat sich nicht gelohnt – die Ergebnisse sind lächerlich. Man hätte die Menschen auch bei Tageslicht zu ihren Beschäftigungsverhältnissen befragen können, ohne ein komplettes Stadtviertel in Angst und Schrecken zu versetzen. Aber dann bekommt man ja kein Bild, was man schön zur Legitimation der WVZ verwenden kann.

https://www.l-iz.de/leben/faelle-unfaelle/2019/11/Kleine-Fische-Zollaktion-auf-der-Eisenbahnstrasse-303791

Generalstaatsanwalt Stobl (untersteht Justizminister Gemkow, CDU) erlässt eine Generalverfügung an alle Staatsanwält*innen, Bagatelldelikte anzuklagen und nicht einzustellen (§§ 153 (a) StPO). Das betrifft vor allem kleinere Diebstähle und Drogendelikte, ausländerrechtliche Verstöße und Fahren ohne Ticket (Erschleichen von Leistungen). Damit werden vor allem diejenigen bestraft, die prekarisiert und gesellschaftlich sowieso schon ausgeschlossen sind. Viele Delikte gründen auf Armut (auch durch fehlende Aufenthaltstitel oder Arbeitserlaubnis), was durch Prozesskosten und Geldstrafen den Teufelskreis weiterspinnt und sogar in vielen Fällen zu Freiheitsstrafen führen wird. Die CDU sperrt lieber arme Menschen weg, als für Perspektiven zu sorgen.

Polizei eskaliert eine beendete Demonstration in der Hildegardstraße in Leipzig, die sich spontan anlässlich einer Abschiebung am 9. Juli zusammen gefunden hatte. Ca. 120 Demonstrierende werden verletzt. Danach werden willkürlich noch zwei Personen (ohne dt. Staatsangehörigkeit) festgenommen. Einer sitzt immer noch in Untersuchungshaft.

https://kreuzer-leipzig.de/2019/07/30/ich-rechne-doch-nicht-damit-im-krankenhaus-zu-landen/

https://copwatchleipzig.home.blog/le0907-le1007/

Eine Demo in Connewitz zum Gedenken an die Opfer des antisemitischen Anschlags in Halle wird von Polizei gestoppt, eine Anmeldung nicht zugelassen, aber viele falsche Informationen verbreitet. Dies stellt wieder mal einen überzogenen Beißreflex der Polizei dar.

https://www.l-iz.de/bildung/medien/2019/10/Connewitz-Randale-statt-Gedenken-301461?highlight=Polizei

Connewitz, der Leipziger Stadtteil der (noch mehr oder weniger berechtigt) als „linke Hochburg“ gilt, ist das Feindbild Nr. 1 der Polizei (und Rechten, Konservativen) in Sachsen und deswegen ständiger Repression ausgesetzt. Gern wird dazu auf die Erzählung von mülltonnenanzündenen, schwarzvermummenten Chaoten (neuerdings auch gern als Terroristen bezeichnet) zurück gegriffen, um die angebliche Gefahr zu untermauern. Dass die CDU jetzt einen Aktionsplan gegen „Linksextremismus“ vorstellt, ist Teil der absurden Gleichsetzung von Links und Rechts, an dem – gegen jede seriöse Wissenschaft – auch vom Verfassungsschutz immer noch festgehalten wird.

Besonders drückt sich das in der Auslobung eines Kopfgeldes (höher als vor Jahren mal für einen KZ-Aufseher) für Hinweise zu angeblich linken Täter*innen und der Soko Linx aus. Hier wird von Gemkow (CDU) und Jung (SPD) der Wahlkampf zur Wahl des Leipziger Oberbürgermeisters ausgetragen. Wer ist härter, wer greift mehr durch? Nicht nur lächerlich und leicht zu durchschauen, sondern vor allem brandgefährlich.

https://kreuzer-leipzig.de/2019/11/06/wir-bekaempfen-jeden-extremismus/

Es werden hier nicht nur Verantwortliche für Sabotage, Hausfriedensbruch und leichte Körperverletzung gesucht. Es wird Strukturermittlungsverfahren (komplett Überwachung in allen Lebensbereichen zahlreicher Menschen) in der gesamten „linken Szene“ geben, was zu einer Kriminalisierung von progressiv-emanzipatorischen Zivilgesellschaft und Verharmlosung und Stärkung von Rechts führt. Can‘t you see the facism rising?!

Eine Demo in Plagwitz zur Solidarität mit Exarchia (linker, migrantischer Stadtteil in Athen, der massiv von der Polizei verwüstet und geräumt wird), wird von der Polizei eingeschränkt. Polizeipräsident Thorsten Schulze hält ACAB-Rufe für beleidigend. Nur leider interessiert das nicht, da schon zigfach gerichtlich festgestellt wurde, dass dies (solange es sich nicht konkret an einzelne Beamt*innen richtet) keine Beleidigung im Sinne des § 185 StGB darstellt. Hauptsache die Polizei ist Opfer und Linke mal wieder als „Böse“ dargestellt.

https://www.l-iz.de/melder/polizeimelder/2019/10/Versammlung-mit-Aufzug-Gegen-die-Repression-in-Griechenland-301021?highlight=Polizei

Der Verfassungsschutz arbeitet weiter mit rechtsterroristen Netzwerken, die auch den sog. NSU unterstützt haben, „zur Informationsgewinnung“ zusammen und unterstützt diese somit finanziell und auch ideell (durch Warnungen und Deals zum Schutz vor Strafverfolgung). Währenddessen führt ein anonymer Hinweis von V-Person zu „staatsgefährdender Straftat“ zu angeblichen Hausdurchsuchung in der linken Szene in Leipzig, der sich nicht bewahrheitete und trotzdem in der Statistik auftaucht.

https://kreuzer-leipzig.de/2019/10/25/psst/

https://netzpolitik.org/2019/warum-der-derzeitige-einsatz-von-v-personen-durch-die-polizei-illegal-ist/

Innenminister Wöller (CDU) wird vorgeworfen, einen LKA-Bericht, der Verabredungen zu Hetzjagden in Chemnitz (1.9.2018) schon Tage vorher dokumentierte (und damit hätte verhindern können), im Innenausschuss gezielt unterschlagen zu haben.

https://www.l-iz.de/melder/wortmelder/2019/08/Hetzjagd-in-Chemnitz-%e2%80%93-Gruene-LKA-muss-wesentlichen-Inhalt-seines-Berichts-umgehend-veroeffentlichen-292470?highlight=Polizei

Außerdem will Herr Wöller eine verfassungsrechtlich bedenkliche Ausweitung automatischer KfZ-Kennzeichenüberwachung und Gesichtserkennung, obwohl eine Klage (Normenkontrollantrag bzgl. dem neuen Polizeigesetz) anhängig ist.

https://www.l-iz.de/politik/sachsen/2019/08/Gruene-und-Linke-fragen-Nimmt-Sachsens-Innenminister-die-Verfassung-ueberhaupt-noch-ernst-290206?highlight=Polizei

Videoüberwachung in Görlitz (Kosten für Errichtung 1 Mio. €) wird eingerichtet.

https://www.l-iz.de/melder/wortmelder/2019/08/Videoueberwachung-in-Goerlitz-%e2%80%93-Gruene-Unverhaeltnismaessiger-Eingriff-in-die-Grundrechte-tausender-Menschen-289686

https://www.l-iz.de/melder/wortmelder/2019/08/Erste-polizeiliche-Videoanlagen-zur-Kriminalitaetsbekaempfung-in-der-historischen-Altstadt-von-Goerlitz-in-Betrieb-289666?highlight=Polizei

Polizei Leipzig versendet rassistische und rechtswidrige Meldedatenabfragen an Hotels nach angeblichen „rumänischen Diebesbanden“ auf dem Highfield Festival. Sie nennen auf Nachfrage falsche Rechtsgrundlagen.

https://www.vice.com/de/article/ywad37/die-sachsische-polizei-bittet-hoteliers-um-daten-rumanischer-gaste?utm_source=vicetwitter

https://www.l-iz.de/politik/region/2019/09/Von-alljaehrlichen-Bandendiebstaehlen-auf-dem-Highfield-Festival-kann-ueberhaupt-keine-Rede-sein-296633?highlight=Polizei

Asylbewerber*innen bekommen immer mehr Eingriffe in Unverletzlichkeit der Wohnung, vor allem in Abschiebe- und Erstaufnahmelagern. Es kommt immer wieder zu gewaltsamen Abschiebungen und Misshandlungen der Geflüchteten.

https://www.vice.com/de/article/7x5bjb/ein-mann-soll-abgeschoben-werden-und-wacht-am-nachsten-tag-im-krankenhaus-auf?utm_source=vicetwitter

https://www.l-iz.de/melder/wortmelder/2019/10/Entschlossener-Protest-gegen-geplante-Sammelabschiebung-nach-Afghanistan-299035?highlight=Polizei

https://www.saechsischer-fluechtlingsrat.de/de/2019/08/29/pm-mutmassliche-koerperverletzung-eine-familientrennung-dublin-laesst-behoerden-eskalieren/

Ordnungsamt gibt rechtswidrig Kontaktdaten von Demo-Anmelder*innen an Verfassungsschutz weiter, was darüber hinaus einen sensiblen Angriff auf Datenschutz und Versammlungsfreiheit darstellt.

https://www.l-iz.de/politik/sachsen/2019/08/Macht-sich-schon-als-Extremist-verdaechtig-wer-in-Sachsen-eine-Demo-anmeldet-290378?highlight=Polizei

Es wird versucht zu vertuschen, dass Beteiligte vom Connewitz-Angriff #le1101 Justizbeamte waren, die auch noch andere Mittäter „bewachten“.

https://kreuzer-leipzig.de/2019/09/27/herr-gemkow-sagen-sie-was/

https://kreuzer-leipzig.de/2019/09/24/kritik-an-sachsens-justizminister-und-verfassungsschutz-waechst/

Die Polizei Leipzig behauptet, es wurden Feuerwehrleute in Connewitz angegriffen, obwohl diese die Vorfälle nicht bestätigen.

https://kreuzer-leipzig.de/2019/11/04/das-ist-doch-subjektiv/

Die intensive Drogenfahndung nach „Kleinstdealern“ hat enorm zugenommen und verdrängt das Problem nur. Dabei ist es vor allem eins: rassistisch motiviert.

https://www.l-iz.de/leben/gesundheit/2019/10/Noch-mehr-Polizeikontrollen-haben-die-Fallzahlen-noch-weiter-in-die-Hoehe-getrieben-am-Problem-aber-nicht-die-Bohne-geaendert-301318?highlight=Polizei

Polizei nimmt unzulässigerweise Abkürzung mit Drogenspürhunden über den Campus der Uni Leipzig.

https://kreuzer-leipzig.de/2019/06/03/dem-studentenrat-gehoert-ordentlich-auf-die-finger-gehauen/

Polizei stilisiert sich als Opfer: Verwendung absurd hoher Überstunden durch DPolG (Rainer Wendt). Über diese Überstundenhöhe lachen sich Lohnarbeitsabhängige kaputt.

https://kreuzer-leipzig.de/2019/04/29/verdaechtig-gute-jobs/

Polizeihochschule benutzt Lehrbücher mit Nazisprech (und -methoden) und „Rassenlehre“.

https://www.stern.de/panorama/polizei—sippenforschung—-ns-sprech-im-kriminologie-lehrbuch-8882528.html

Währenddessen lässt Polizei in Plauen am 1. Mai die faschistische Partei Dritter Weg uniformiert und mit Fackeln ungestört in Anlehnung an Nationalsozialismus durch die Stadt spazieren.

Sachsen, deine Polizei.

#le0907 #le1007

Eisenbahnstraße: Ein gefährlicher Ort. Für Abschiebungen.

Download (empfohlen): analyse_cw_0907_1007

Dieser Text ist der Versuch einer Analyse des Protestes gegen die Abschiebung vom #le0907 und #le1007. Wir wollen damit insbesondere das Verhalten der Polizei, ihre „Strategie“ und ihren Gewalteinsatz, die Folgen für die Demonstrierenden und das Viertel, sowie weiterführende Aktionen beleuchten. An dieser Stelle soll es nicht um eine generelle Kritik an Polizei und Abschiebung gehen, sondern um die konkrete Situation vom Dienstag- und Mittwochabend. Dabei greifen wir auf eigene Erlebnisse und Beobachtungen, sowie uns zur Verfügung gestellte Gedächtnisprotokolle und Zeitungs- und Medienberichte zurück.

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